Angola: Zwangsräumungen in der Hauptstadt

AI Index: AFR 12/007/2003
AFR 12/009/2003 + 12/003/2004
Update: März 2004


Brutale Vertreibungen statt gerechter Wohnbaupolitik

Tausende Häuser wurden in den vergangenen Jahren in der angolanischen Hauptstadt Luanda gewaltsam zerstört, die BewohnerInnen vertrieben. Die Menschen verloren ihr Dach über dem Kopf sowie in vielen Fällen auch ihr Hab und Gut in Folge der Plünderungen seitens der Polizisten bzw. der Weigerung der Behörden, zwischengelagerte Gegenstände wieder herauszurücken. Immer wieder wurden BewohnerInnen, die sich gegen die Räumungen zur Wehr setzten, inhaftiert. Mehrere Menschen wurden verletzt, einige sogar getötet.

Flucht in die Stadt

In der Hauptstadt des 14-Millionen-Einwohner-Staates lebt mehr als ein Viertel der Bevölkerung des Landes. In den Zeiten des bewaffneten Konflikts waren unzählige Menschen in die Metropole geflohen und hatten sich in Slums, den sogenannten "Musséques", am Stadtrand niedergelassen.

Als sich das Zentrum von Luanda ausbreitete, kamen die BewohnerInnen der "Musséques" immer mehr unter Druck. Anstelle einer fairen Wohnungspolitik ließ die Stadtverwaltung Tausende SlumbewohnerInnen gewaltsam vertreiben und ihre Hütten zerstören.

Beispiel Boavista

Zwischen Juni und September 2001 wurden mehr als 4.000 Familien von Boavista, einer der ältesten "Musséques" Luandas, unter Einsatz von - in einigen Fällen tödlicher - Polizeigewalt verjagt und in eine 40 Kilometer entfernte Zeltstadt gebracht, wo sie keine Chance haben, nach Luanda für ihren täglichen Lebensunterhalt zurückzukehren.

Boavista ist zwischen dem Hafen und einem Luxuswohnviertel gelegen, von letzterem durch ein Kliff getrennt. Da es immer wieder Erdrutsche gab, dienten diese der Stadtverwaltung als offizielle Begründung für die Zwangsräumung des Slums (des gesamten, nicht nur der gefährdeten Zonen). Der wahre Grund für die Vertreibungen war, wurde gemunkelt, dass das Gebiet für die Erschließung eines neuen Bezirks mit Wohnhäusern und Geschäften vorgesehen war.

Weitere Informationen finden Sie in dem Artikel "Mit Waffengewalt ins Elend gehetzt" in der Zeitung UHUDLA 2/2004, Ausgabe Nr. 71, die ab April 2004 von StraßenverkäuferInnen in Wien vertrieben wird.

Helfen Sie mit!

Appellieren Sie an die angolanischen Behörden: Betonen Sie, dass Zwangsräumungen das Menschenrecht auf eine adäquate Wohnsituation sowie auf das Recht auf Schutz vor willkürlicher Störung der Privatsphäre verletzen. Schicken Sie einfach den Musterbrief ab.