Ilknur Birol zu Gast bei der Gewerkschaft Druck und Papier Salzburg


Die Gewerkschaft Druck und Papier (dup) hatte die türkische Gewerkschafterin Ilknur Birol nach Salzburg zu ihren "Festtagen" von 17. bis 19. September 1999 eingeladen. Die 33-jährige Informatiklehrerin und Gewerkschafterin aus Istanbul war wegen berechtigter Kritik an dem türkischen Justizminister zu einer Geldstrafe, einem Jahr Haft und einem fünfjährigen Berufsverbot verurteilt worden. Die Arbeitsgruppe für verfolgte GewerkschafterInnen konnte zahlreiche Menschen, insbesondere aus der Gewerkschaftsbewegung, für die Intervention zugunsten von Ilknur Birol gewinnen. Am 19. April 1999 wurde Ilknur Birol nach fünf Monaten Haft aus dem Gefängnis entlassen - wohl auch eine Reaktion der türkischen Behörden auf den massiven Druck aus Österreich.

Ilknur Birol in Salzburg gemeinsam mit Hans Schön

Die Situation von Ilknur Birol und ihrer Familie - sie ist Mutter von zwei Kindern - ist auch nach ihrer Freilassung nicht gerade rosig. Aufgrund ihres Berufsverbotes darf sie die nächsten fünf Jahre nicht als Lehrerin arbeiten, und muß in einer anderen Branche Arbeit suchen. Auch ihr Ehemann Zafer findet keinen Job.

Nichtsdestotrotz ist Ilknur Birol fest entschlossen, sich auch weiterhin für mehr Demokratie in ihrem Land einzusetzen. Bei einer Pressekonferenz unmittelbar nach ihrer Freilassung wiederholte sie bewußt die Aussagen, für die sie verurteilt worden war. Gegen den von ihr kritisierten Justizminister wurden nun auch Verfahren eingeleitet; Ilknur befürchtet aber, daß diese verschleppt werden. Sie ist sich des Risikos bewußt, aber gerade als Lehrerin fühlt sie die Verantwortung, die Wahrheit zu sagen: "Es ist doch der Sinn einer Demokratie, seinen Unmut zu äußern."

Ihre Überzeugung, den Weg für die Menschenrechte unbeirrt weiterzugehen, ist umso beeindruckender angesichts dessen, was sie durchgemacht hat. Ilknur Birol berichtete den BesucherInnen der Salzburger dup-Festtage von Haftbedingungen, wie wir sie uns nicht vorstellen können: 20 Menschen und mehr in einer Zelle. Eine Gefangene aus den Niederlanden hielt die türkischen Haftbedingungen nicht durch; alle Mitgefangenen halfen mit, sie auf der Krankenstation unterzubringen.

Ilknur Birol in Salzburg gemeinsam mit ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch

"Ich bin im Gefängnis gewesen." Ilknur Birol weiß, wovon sie spricht. Mit ihrer Offenheit und ihrem Engagement hinterließ sie bei den BesucherInnen der dup-Festtage eine bleibende Erinnerung; umgekehrt war Ilknur sehr beeindruckt, mit welcher Herzlichkeit sie in Österreich aufgenommen wurde. "Für mich waren diese Tage ein Erlebnis, sie werden mein Leben verändern", resümierte Hans Schön, Sprecher der AI-Arbeitsgruppe für verfolgte GewerkschafterInnen, "Ilknur, aber auch ihr Mann haben mich tief beeindruckt und auch innerlich stärker gemacht. Ich glaube mehr denn je an die Arbeit für die Menschenrechte, und ich weiß, daß unser Einsatz nicht umsonst ist."


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