Dringend: Bolivianische Gewerkschafter in Einzelhaft sind von Folter bedroht

AI-Index: AMR 18/01/00, EXTRA 34/00


Vermummte Polizisten stürmen Privatwohnungen
Ausnahmezustand nach "Wasser-Protesten"
Gewerkschafter in Gefahr
Update vom 14. April 2000
Update vom 25. April 2000
Was können Sie tun?


Vermummte Polizisten stürmen Privatwohnungen

Am Abend des 7. April und am Morgen des 8. April 2000 stürmten vermummte Polizisten die Häuser von führenden Gewerkschaftern und von Mitgliedern des Koordinationskomitees von Wasser und Leben (Coordinadora Departamental de Defensa del Agua y la Vida) in Cochabamba, Boliviens drittgrößter Stadt. Sie nahmen die Gewerkschafter und Aktivisten fest, verprügelten deren Familienangehörige, plünderten Gegenstände aus den Haushalten und schossen mit Schrotflinten auf die Nachbarn.

Ausnahmezustand nach "Wasser-Protesten"

Am 4. April 2000 hatten in Cochabamba die Bevölkerung begonnen, mit Streiks und Demonstrationen gegen ein 200 Millionen Dollar teures Wasserwerksprojekt der Regierung zu protestieren, das den Preis für Wasser in die Höhe treiben würde. Laut BBC sieht weiters ein neues Gesetz vor, dass die Bevölkerung für Wasser, zu dem sie bisher kostenfrei Zugang hatte, zahlen müsste.

Als Reaktion auf die Proteste verhängte Staatspräsident Banzer den Ausnahmezustand und setzte Armee und Polizei gegen die DemonstrantInnen ein.

Bei den Protesten in Cochabamba und auch in La Paz kam es zu gewaltsamen Zusammenstössen zwischen den DemonstrantInnen und dem Militär. Dabei wurden fünf Menschen, darunter ein Minderjähriger und ein Mitglied der Armee, getötet. Mindestens 40 Menschen trugen Verletzungen davon - einige erlitten Schusswunden, als die Armee das Feuer auf die DemonstrantInnen eröffnete.

Eine Nachrichtensperre wurde verhängt, und die lokalen Radiosender durften nicht auf Sendung gehen.

Gewerkschafter in Gefahr

Die verhafteten Gewerkschafter waren an den Protestaktionen beteiligt, allerdings gibt es keinerlei Hinweis darauf, dass sie gewalttätig gewesen wären. Weitere führende Gewerkschafter, die nicht verhaftet worden waren, gingen in den Untergrund.

Verhaftet wurden unter anderem:

Die Gewerkschafter werden in Einzelhaft (confinamiento) an dem abgelegenen Ort San Joaquin (Bezirk Beni) gefangengehalten. Amnesty International ist besorgt, dass sie dort in großer Gefahr sind, gefoltert und misshandelt zu werden.

Update vom 14. April 2000

Aufgrund des internationalen Druckes wurden Gabriel Herbas, Walter Antezana, Emilio Sejas und Ascencio Picha freigelassen. Felipe Quispe Huanca und Fred Nuñez befinden sich noch immer in Haft.

In Gefahr sind darüber hinaus die MitarbeiterInnen des Fernsehsenders Periodistas Asociados Televisión (PAT), die Morddrohungen erhalten haben. Der Sender hatte Filmaufnahmen übertragen, die zeigten, wie am 8. April in Cochabamba ein Armeeoffizier in die Menge feuerte und den 17 jährigen Hugo Daza ins Gesicht schoss.

Am 14. April kam es bei einer Demonstration in La Paz zu Zusammenstößen mit der Polizei, bei denen mindestens 17 Menschen verletzt wurden.

Update vom 25. April 2000

Nun wurden auch aufgrund der Reaktionen aus dem Ausland Felipe Quispe Huanca und Fred Nunez freigelassen. Somit sind alle verhafteten GewerkschafterInnen wieder in Freiheit.

Danke für Eure Mithilfe bei der Aktion!

Amnesty International bleibt wegen der Sicherheit der Journalisten des TV-Senders Periodistas Asociados Televisión (PAT), Osvaldo Rioija and Jhenny Osinaga, besorgt, die Morddrohungen erhalten haben.

Für die Journalisten bitte auch weiterhin Appelle an die Behörden schicken!

Was können Sie tun?

Schreiben Sie e-mails an den Justizminister, Sr. Juan Chahin - mit Kopie an den Aussenminister, Dr. Javier Murillo de la Rocha -, in denen Sie die Sicherheit der Gewerkschafter im Gefängnis sowie - sofern diese lediglich wegen ihrer friedlichen Proteste verhaftet worden waren - deren unverzügliche und bedingungslose Freilassung fordern.

Dazu gibts Fotos vom BBC News Service unter:
http://news2.thls.bbc.co.uk/hi/english/world/americas/newsid_706000/706770.stm