Brasilien: Menschenrechtsverteidigerin Laísa Santos Sampaio: "Ich wurde zum Tode verurteilt"

AMR 01/006/2012
7. Dezember 2012

Gültigkeit: bis auf Weiteres unbefristet



"Ich lebe in Angst, ich fürchte mich vor jedem kleinsten Geräusch, aber ich muss meine Arbeit fortsetzen. Wir müssen das Vermächtnis von José Cláudio und meiner Schwester (Anm.: beide 2011 ermordet) - den Geist des Waldschutzes - für unsere Region bewahren. Nicht umsonst wurden die beiden von den Vereinten Nationen zu 'Helden des Waldes' erklärt."

(Laísa Santos Sampaio bei den Vereinten Nationen im Februar 2012)

"Ich wurde zum Tode verurteilt." So fasst Laísa Santos Sampaio ihre aktuelle Situation zusammen. Die Menschenrechtsverteidigerin, die sich mutig gegen die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes einsetzt, wurde Opfer zahlreicher Todesdrohungen. Sie läuft Gefahr, - so wie andere AktivistInnen - ermordet zu werden.

Kampf gegen Abholzlobby

Die 45-jährige Laísa Santos Sampaio ist Lehrerin in einer kleinbäuerlichen Gemeinschaft von rund 350 Personen in Ipixuna / Praia Alta Piranheira im brasilianischen Amazonasgebiet. Seit Jahren kämpft sie gegen illegale Waldrodungen, welche die Existenz der Dorfgemeinschaft bedrohen.

Sie ist auch Mitglied eines Frauenkunstprojekts (Grupo de Trabalhadoras Artesanais Extrativistas), das sich für nachhaltige Entwicklung einsetzt. Dabei stellen die Frauen Salben und Naturheilmittel aus Nüssen und Früchten her.

Die Dorfgemeinschaft lebt von der nachhaltigen Nutzung eines der letzten intakten Regenwaldgebiete der Region.

Todesdrohungen und Morde

Die Menschen aus Ipixuna / Praia Alta Piranheira wehren sich gegen die weit verbreitete illegale Abholzung. Sie sind deshalb Zielscheibe von Übergriffen und Morden seitens holzverarbeitender Unternehmen und Landbesitzern.

Laísa Santos Sampaio erhielt zahlreiche Todesdrohungen und lebt in ständiger Todesangst.

Ihre Angst ist begründet: In den letzten beiden Jahren wurden mindestens 20 Menschen in der Region ermordet, weil sie gegen die illegale Abholzung aufgetreten sind.

Zu den Opfern zählen auch Laísa Santos Sampaios Schwester Maria do Espírito da Silva und ihr Schwager José Cláudio Ribeiro. Sie wurden im Mai 2011 auf offener Straße von Auftragskillern erschossen.

Dutzende von Mitgliedern der Gemeinschaft sind seither aus Furcht um ihr Leben geflohen, und das Frauenprojekt musste seine Arbeit vorübergehend einstellen. Nachdem ihr Haus und ihre Felder bereits 2010 niedergebrannt wurde, erhielt Laísa Santos Sampaio im August 2011 dieselben Drohungen wie zuvor ihre danach ermordeten Verwandten: Eine Kokospalme wurde 150 Meter vor ihrem Haus über die Straße gelegt, und ihr Hund wurde mit acht Schüssen getötet. Laísa Santos Sampaio floh daraufhin in die Provinzhauptstadt Marabà, musste aber aus wirtschaftlicher Not nach sieben Monaten wieder nach Nova Ipixuna zurückkehren.

Sie ist seither erneut massiven Todesdrohungen ausgesetzt. Sie vermutet, dass diejenigen, die für die Morde an ihrer Schwester und Schwager verantwortlich sind, auch hinter den Todesdrohungen gegen sie stehen. Besondere Sorge bereitet ihr, dass die zwei Männer vor Ort, die laut Polizeiermittlungen in engem Kontakt mit den drei Männern stehen, welche auf das Gerichtsverfahren wegen des Mordes an Laísa Santos Sampaios Schwester und Schwager warten, immer noch auf freiem Fuß sind.

Untätigkeit des Staates

Laísa Santos Sampaio fragte an, in das nationale Schutzprogramm für bedrohte MenschenrechtsverteidigerInnen aufgenommen zu werden. Das lehnte die brasilianische Regierung an.

In Brasilien wurden seit dem Jahr 1980 mehr als 900 Personen im Zusammenhang mit Konflikten zu illegaler Abholung und mit Viehzüchtern und Holzkohleproduzenten ermordet. Nur in wenigen Fällen kam es zu Gerichtsverfahren.

Amnesty-Bericht über MenschenrechtsverteidigerInnen am amerikanischen Kontinent in Gefahr

Das Schicksal von Laísa Santos Sampaio ist examplarisch für MenschenrechtsverteidigerInnen - was auch immer ihr Anliegen ist. Amnesty International publizierte kürzlich einen Bericht zu MenschenrechtsverteidigerInnen in Mittel- und Lateinamerika. Darin wird das Engagement ausgewählter Menschenrechtsverteidigerinnen in Ländern des amerikanischen Kontinents dargestellt. In den kommenden Wochen werden wir einige dieser Schicksale aufgreifen und um Ihre Unterstützung ersuchen.

Der Bericht zeigt, wie MenschenrechtsverteidigerInnen eingeschüchtert, schikaniert, angegriffen und getötet werden. Sie werden in den Medien verleumdet, sie werden unter vorgeschobenen Anklagen inhaftiert und in unfairen Gerichtsverfahren verurteilt. Bestimmte Gruppen von MenschenrechtsverteidigerInnen sind besonders in Gefahr: das sind Menschen, die sich für Landrechte und das Recht auf Bodenschätze und natürliche Ressourcen einsetzen; AktivistInnen für LGTBI-Rechte (Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender-Personen und Intersex) und für MigrantInnen-Rechte, Menschen, die gegen Straflosigkeit auftreten und JournalistInnen, BloggerInnen und GewerkschafterInnen.

"Transforming Pain into Hope. Human Rights Defenders in the Americas", Dezember 2012

Helfen Sie mit.

Fordern Sie die brasiliansche Regierung auf, Laísa Santos Sampaio und die Menschen der Gemeinde Praia Alta Piranheira zu schützen.

Musterbriefe zum Runterladen: englisch, deutsch

MINISTER OF JUSTICE (JUSTIZMINISTER)
Exmo. Sr. José Eduardo Martins Cardozo,
Esplanada dos Ministérios,Bloco "T", 4º andar,
70.712-902 - Brasília/DF,BRASIL
Fax + 55 61 2025 7803
(Anrede: Exmo. Sr. Ministro )

GOVERNOR OF PARÁ STATE
Governador Simão Robson Oliveira Jatene
Palácio dos Despachos - Rodovia Augusto Montenegro, Km 9, s/nº Icoaraci 66.823-010 - Belém/PA
Fax +55 91 3248-0133
(Anrede: Exmo. Sr. Governador )

Schicken Sie Kopien Ihrer Schreiben an:
BOTSCHAFT DER FÖDERATIVEN REPUBLIK BRASILIEN
S.E. Herr Evandro DE SAMPAIO DIDONET
Pestalozzigasse 4/2, 1010 Wien
Fax: (+43 / 1) 513 83 74
E-Mail: mail(at)brasilemb.at

Sie können auch eine fertige Postkarte unterschreiben (Download) oder Unterschriften auf einer Petition (Download) sammeln.

Solidaritätsaktionen

Eine weitere wirksame Art der Unterstützung sind Solidaritätsgrüße.

Schicken Sie Laísa Santos Sampaio Solidaritätsgrüße, die ihr Kraft geben! Schreiben Sie auf Portugiesisch oder Englisch eine einfache, positive Nachricht, wie z.B.:

Laísa, você transforma o medo em esperança. Gostaria de te agradecer: Muito obrigado!

(Laísa, du verwandelst Angst in Hoffnung. Dafür danke ich dir!)

Bitte schicken Sie Ihre Karte an Laísa Santos Sampaios Anwalt:

Comissão Pastoral da Terra: Pará
C/o: José Batista Gonçalves Afonso
Rua Barão do Triunfo, 3151, Bairro Marco
BELÉM, PA. CEP 66093-050
BRASILIEN


zurück