Brasilien: Tödlicher Kampf um Land

UA 373/00
AI-Index: AMR 19/30/00
5. Dezember 2000



Chef der LandarbeiterInnen-Gewerkschaft wurde erschossen

Am 21. November 2000 wurde der Präsident der Gewerkschaft der LandarbeiterInnen im Bundesstaat Pará (Sindicato dos Trabalhadores Rurais de Rondon do Pará, STR), José Dutra da Costa, vor seinem Haus erschossen. Er hatte zuvor zahlreiche Morddrohungen erhalten; sein Name stand mit anderen Gewerkschaftern und Landaktivisten auf einer Todesliste. Amnesty International ist um die Sicherheit und das Leben dieser Landaktivisten in großer Sorge.

Kandidaten auf der Todesliste werden nach und nach umgebracht

Im Mai 1999 wurde eine "Todesliste" verbreitet, auf der Namen von GewerkschafterInnen angeführt werden. Die Liste wurde zwar den Behörden weitergegeben, aber diese unternahmen bisher nichts, um die Betroffenen zu schützen.

Im Jahr 1999 wurden bereits zwei Mitglieder der Gewerkschaft der LandarbeiterInnen von Pará, die auf der Todesliste genannt wurden, ermordet. Und nun José Dutra da Costa.

Weiters sind Mitglieder der Pastoralen Landkommission (Comissão Pastoral da Terra) in Marabá massiv gefährdet. Viele von ihnen haben in letzter Zeit Morddrohungen erhalten.

Mord im Auftrag der Großgrundbesitzer

José Dutra da Costa gelang es, den Mann, den er ihn erschoß, festzuhalten. Nachbarn, die Zeuge der Szene wurden, hielten den Mörder fest und übergaben ihn der Polizei.

Der Killer sagte aus, dass er bezahlt worden war, um José Dutra da Costa umzubringen. Es liegen Beweise vor, dass derjenige, der ihn bezahlt hatte, ein Mittelsmann im Auftrag einer Gruppe von Landbesitzern war.

Ein Großgrundbesitzer, der im Verdacht steht, den Mord an José Dutra da Costa in Auftrag gegeben zu haben, wurde mittlerweile verhaftet. Das ist ein erster positiver Schritt; Racheakte gegen die Gewerkschafter auf der Todesliste und Mitglieder der Pastoralen Landreform werden aber befürchtet.

Jahrelanger blutiger Konflikt

Die Auseinandersetzungen zwischen landlosen LandarbeiterInnen und Großgrundbesitzern finden seit Jahren in den ländlichen Gegenden Brasiliens statt. Führer der Landlosen-Bewegung, GewerkschafterInnen und LandaktivistInnen werden oft von Bewaffneten im Auftrag von Großgrundbesitzern bedroht und attackiert. Die staatlichen Behörden schauen meist weg.

Der Bundesstaat Pará steht schon seit langem im Brennpunkt der Morde an LandaktivistInnen im Auftrag der Landbesitzer. Die Pastorale Landkommission, die von der Katholischen Kirche verwaltet wird, setzt sich unermüdlich für den Schutz der LandaktivistInnen und gegen die Straflosigkeit der Verbrechen im Auftrag der Landbesitzer ein. Amnesty International arbeitet seit Jahren mit Mitgliedern der Pastoralen Landkommission in Parà zusammen und unterstützt Opfer und Angehörige von Opfern, wenn sie auf dem - oft jahrelang sich dahinziehenden - Rechtsweg einklagen. Amnesty International hat aber auch die Aufgabe, die LandaktivistInnen dahingehend zu unterstützen, Druck auf die nationalen und regionalen Behörden auszuüben, dass diese die Gewalt gegen die LandaktivistInnen untersuchen und die Verantwortlichen vor Gericht stellen.

Was können Sie tun?

Intervenieren Sie bei den Behörden und fordern Sie den Schutz für die LandaktivistInnen!

Adressen:

Gouverneur des Bundesstaates Pará:

Exmo. Sr. Governador do
Estado do Pará
Sr. Almir José de Oliveira Gabriel
Palácio dos Despachos
Rod. Montenegro KM 9
Belém - PA
Brazil

Fax: 0055 91 248 0133

e-mail: seegov@prodepa.gov.br

Justizminister:

Exmo. Sr. Ministro da Justiça do Brasil
Dr. José Gregori
Ministério da Justiça
Esplanada dos Ministérios, Bloco 23
CEP 70064-900
Brasília - DF
Brazil

Fax: 0055 61 224 2448 oder 322 6817

e-mail: acs@mj.gov.br

Musterbrief:

Your Excellency,

I am writing because I am very concerned at the failure of the authorities to prevent gunmen in the pay of landowners from carrying out attacks against those working on land rights.

On 21 November 2000, José Dutra da Costa, president of the Sindicato dos Trabalhadores Rurais de Rondon do Pará (STR), was shot dead. His name was on a death list, and he had received several death threats. Other trade unionists also named on the list and members of the Comissão Pastoral da Terra (CPT) receiving death threats are also in great danger.

I thus call for immediate action to protect the threatened trade unionists (Franciso Ferreira de Carvalho, Franciso De Assis Solidade, José Soares de Brito, Izalda Atlino Brandao, Francisco Salvador, João Batista Pino, Moacir Abreu da Silva, Vicente Pereira de Souya, Hélio Mario Maciel, Douglas dos Santos, Euríval Marins Carvalho) and the CPT members, in accordance with their own wishes, particularly in the light of possible reprisals.

I welcome the arrest of those believed to be responsible for the killing of José Dutra da Costa, but I want to stress that all threats against and killings of land activists must be investigated, and all those responsible brought to justice.

Yours sincerely,