Burkina Faso: Leben geben - Mit dem Tod vor Augen

AI-Index: AFR 60/001/2010

Gültigkeit: Sie können an dieser Aktion bis 1. Mai 2010 teilnehmen.




„Eine schwangere Frau steht mit einem Fuß im Grab und mit einem Fuß auf der Erde“, sagt ein afrikanisches Sprichwort.

Mehr als 2.000 Frauen sterben pro Jahr in Burkina Faso aufgrund von Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt. Fast alle hätten durch eine verbesserte Gesundheitsversorgung gerettet werden können.

Armut, Diskriminierung und Müttersterblichkeit

Das westafrikanische Land Burkina Faso gehört zu den ärmsten Ländern der Erde, fast die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze.

Die Regierung hat mittlerweile zahlreiche Gesetze zur Verbesserung der Stellung der Frauen erlassen und die einschlägigen internationalen Menschenrechtsverträge ratifiziert. Dennoch haben Frauen und Mädchen in Burkina Faso eine schwache Stellung in der Gesellschaft und leiden unter Diskriminierung in allen Lebensbereichen. Die Genitalverstümmelung an Mädchen ist trotz hoher Strafandrohung noch immer verbreitet.

Besonders in ländlichen Gebieten werden Frauen nur geachtet, falls sie verheiratet sind und Kinder haben. Unverheiratete Frauen gelten als vom Unglück verfolgt und nutzlos. Kinderlose Frauen sind diskriminiert und werden oft von ihren Männern verlassen oder geringschätzig behandelt. Es wird auf die Frauen ein starker traditionell bedingter Druck ausgeübt, möglichst viele Kinder zu gebären. Das gilt vor allem für ländliche Regionen, in denen die Geburtenrate bei 6,9 Kindern pro Frau liegt, in den Städten beträgt sie 3,7.

Mehr als 2.000 Frauen sterben in Burkina Faso pro Jahr aufgrund von Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt: Das sind im Schnitt mindestens fünf Frauen pro Tag. Fast alle könnten durch eine bessere Gesundheitsversorgung gerettet werden. Die Regierung von Burkina Faso und die internationale Gebergemeinschaft müssen deshalb mehr tun! Dazu gehört neben einem deutlich formulierten politischen Willen auch die Bereitschaft, ausreichend finanzielle und personelle Ressourcen in die Bereiche Gesundheit, Bildung und Beendigung der Diskriminierung von Frauen zu investieren. Denn schlecht funktionierende Gesundheitssysteme sowie die Ausgaben für medizinische Leistungen sind Hauptgründe dafür, dass Frauen oft nicht die Behandlung erhalten, die sie benötigen.

Die Müttersterblichkeit ist unter den Frauen am höchsten, die in ärmsten Verhältnissen leben, den geringsten Bildungsstand haben und in ländlichen Regionen wohnen.

Zahlreiche Hürden

Zahlreiche Barrieren halten die Frauen in Burkina Faso davon ab, Gesundheitsleistungen in Anspruch zu nehmen:

Bevölkerung: 15,2 Millionen

80 % davon leben in ländlichen Gebieten.
Nur 21 % der Mädchen und Frauen können lesen (37 % bei Buben und Männern).

Jedes Jahr sterben mehr als 2.000 Frauen an Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt.

7,8 % des Staatshaushaltes werden für das Gesundheitswesen aufgewendet (WHO-Standard liegt bei 10 %).
Nur 17 % der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren verwenden Verhütungsmittel, während 42,2 % der verheirateten Frauen angeben, sie benötigten Verhütungsmittel, hätten aber keine oder können sich keine leisten.
Auf 21.000 BewohnerInnen kommt eine Hebamme (Empfehlung der WHO: eine Hebamme auf 5.000). Quellen: offizielle Regierungsangaben, ergänzend UNO-Statistiken.
Achtung: Daten sind unvollständig und mit Vorsicht zu interpretieren

Kaum Verbesserungen

In den letzten zehn Jahren haben die burkinabischen Behörden mit Unterstützung internationaler GeldgeberInnen verstärkt finanzielle Mittel bereitgestellt, um die Sterblichkeitsrate unter Schwangeren und Müttern zu senken.

Im Rahmen des 5. UN-Millenniumsziels, die Müttersterblichkeit weltweit bis 2015 um 75 Prozent zu senken, wurden ehrgeizige Strategien entwickelt und zum Teil bereits umgesetzt. Doch so gut ausgearbeitet der Kampf gegen die Müttersterblichkeit auf dem Papier auch sein mag - bei der Umsetzung zeigen sich massive Probleme. Zwar sollten seit 2006 80 Prozent der Kosten für Geburt, Notfallversorgung für Schwangere und Versorgung der Neugeborenen durch den Staat übernommen werden. Aber die Qualität der medizinischen Leistungen hat sich nicht wesentlich verbessert.

Viele Frauen zögern daher immer noch, zur Geburt eine Gesundheitseinrichtung aufzusuchen. Dies gilt insbesondere für besonders arme Frauen in ländlichen Gebieten. Falls sie sich doch dafür entscheiden, machen sie in unhygienischen und unterbesetzten Gesundheitseinrichtungen schlechte Erfahrungen und werden von unterbezahlten MitarbeiterInnen teilweise respektlos und rüde behandelt.

Helfen Sie mit.

Appellieren Sie an den Gesundheitsminister von Burikina Faso, Maßnahmen zu setzen, um Frauen und Mädchen den Zugang zu freiwilliger Familienplanung und Verhütung zu ermöglichen.

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