Chile: Gefährliche Recherchen über Praktiken von Holzfirmen

AI-Index: AMR 22/001/2008
3.6.2008
UA-154/2008


Dokumentarfilmemacherin wurde verhaftet

Die Dokumentarfilmemacherin Elena Varela López wurde am 7. Mai 2008 bei sich zuhause in der Region Novena, etwa 620 km südlich ihres jetzigen Haftortes, von der Polizei festgenommen. Unter der Anklage, "sich gesetzwidrig mit anderen zusammengeschlossen zu haben, mit der Absicht, eine Straftat zu begehen", wird sie im Gefängnis von Rancagua im Zentrum von Chile festgehalten.

Gezielter Einschüchterungsversuch

Elena Varela López arbeitete zur Zeit ihrer Verhaftung an einem Dokumentarfilm über den Landnutzungskonflikt zwischen Holzfirmen und den indigenen Mapuches in Chile, für den sie bereits seit vier Jahren recherchiert. Amnesty International sieht ihre Festnahme als einen Versuch der Behörden, ihre Recherchen zu dem Konflikt zu unterbinden und sie und die Mapuches einzuschüchtern.

Seit März 2008 haben die Behörden drei DokumentarfilmemacherInnen festgenommen, die zu dem Konflikt zwischen Holzfirmen und Mapuches kritisch Stellung bezogen haben. Haft stoppt Fortsetzung der Arbeit

Die Polizei beschlagnahmte die Ausrüstung der Filmemacherin sowie ihre gesamten Unterlagen mit den Ergebnissen der Recherche. Amnesty International befürchtet, dass diese Informationen von den chilenischen Sicherheitskräften dazu benutzt werden könnten, die Mapuche-AktivistInnen und ZeugInnen des Konfliktes einzuschüchtern und zu schikanieren.

Langjähriger Konflikt zwischen Holzfirmen und indigener Bevölkerung

Die Gemeinschaft der Mapuches wird im chilenischen Gesetz zur indigenen Bevölkerung von 1993 (Ley Indígena) als eines der indigenen Völker Chiles anerkannt. Trotz gesetzlicher Festschreibung des Landes als "Grundlage der Existenz und Kultur" der Mapuches besteht hinsichtlich der Nutzung des Landes ein bereits über ein Jahrzehnt andauernder Konflikt zwischen den Mapuches und der chilenischen Regierung. Im Laufe dessen dokumentierte Amnesty International mehrmals die Misshandlung von Mapuches durch die chilenische Polizei.

2003 empfahl der UN-Sonderberichterstatter über die Situation der Menschenrechte und Grundfreiheiten der Angehörigen indigener Bevölkerungsgruppen: "Zusätzlich zu der Überschreibung von einzelnen Parzellen in privaten Besitz sollten die traditionellen indigenen Gebiete, die Ressourcen zur gemeinsamen Nutzung enthalten, ihnen überschrieben und erneut für sie demarkiert werden."

Helfen Sie mit.

Appellieren Sie an die chilenischen Behörden und fordern Sie die Sicherheit aller Mapuches-AktivistInnen, einschließlich jener von Elena Varela López.

Schicken Sie die Musterbriefe ab.

Adressen:
Staatspräsidentin
Señora Presidenta de la República de Chile
Sra. Michelle Bachelet
Presidencia de la Republica
Palacio de la Moneda
Santiago, CHILE

Fax: 00 56 2 690 4958
Innenninister
Señor Ministro del Interior
Sr. Edmundo Pérez Yoma
Ministerio del Interior
Palacio de la Moneda
Santiago, CHILE

Fax: 00 56 2 699 2165
Kulturministerin
Señora Ministra Presidenta
del Consejo Nacional de la Cultura y las Artes
Sra. Paulina Urrutia Fernández
Consejo Nacional de la Cultura y las Artes
Fray Camilo Henríquez 262
Santiago, CHILE

Fax 00 56 2 665 0803