China: Diskriminierung von BinnenmigrantInnen

AI Index: ASA 17/008/2007
ai-Bericht, veröffentlicht am 1. März 2007
1. Mai-Aktion der AVG


Systematische Verweigerung von Rechten

Das chinesische Wirtschaftswunder wurde zu einem beachtlichen Teil durch die Arbeitsleistung der BinnenmigranInnen erzielt. Rund 150 bis 200 Millionen Menschen sind aus den armen ländlichen Regionen in die Metropole gezogen, um sich dort ihr Überleben zu sichern.

Aufgrund eines diskriminierenden Meldesystems (im besten Fall eine "zeitweilige" Aufenthaltsbewilligung; ansonsten der Status als "illegaleR StatdtbewohnerIn") werden diese ohnehin am Rande der Gesellschaft existierenden, ausgebeuteten Menschen von Rechten und Sozialleistungen ausgeschlossen, welche den "ständigen" StadtbewohnerInnen gewährt werden.

Arbeitsbedingungen

Die Arbeitsbedingungen für die BinnenmigrantInnen sind katastrophal: gefährliche Tätigkeiten und unhygienisches Umfeld, Arbeitstage von 12 bis 14 Stunden an sieben Tagen in der Woche; keine Auszahlung von Überstunden, monatelanges Zurückhalten von Löhnen. Diverse Strafgebühren (z. B. im Krankheitsfall) bzw. verpflichtende Vorschüsse der ArbeiterInnen, um überhaupt den Job erhalten, binden die zugewanderten Arbeitskräfte an die Unternehmen.

Wohnsituation

Zahlreiche BinnenmigrantInnen sind in überfüllten Schlafsälen in den Fabriken (bis zu 30 Personen, miserable sanitäre Versorgung) untergebracht, die im Allgemeinen von außen abgesperrt werden.

Daneben gibt es in allen Metropolen Chinas eigene Wohnviertel für BinnenmigrantInnen, meist am Stadtrand, mit miserabler Infrastruktur. Diese Viertel fallen immer wieder dem Abriss im Auftrag der Behörden zum Opfer.

Gesundheitsversorgung

BinnenmigrantInnen nehmen kaum medizinische Leistungen in Anspruch, selbst wenn sie schwer erkrankt sind oder einen Arbeitsunfall erlitten haben. Sie müssen die Gesundheitsleistungen, deren Kosten in den letzten Jahren massiv gestiegen sind, aus der eigenen Tasche (oft im Gegenwert von mehreren Monatslöhnen) bezahlen.

Krankenversicherungsschutz wird zunehmend (das staatliche Gesundheitssystem war in den 80-er Jahren zerschlagen worden) im Rahmen von städtischen Sozialversicherungssystemen angeboten, welche aber die BinnenmigrantInnen als nicht-ständige StadtbewohnerInnen nicht umfassen. Der Gesundheitszustand von BinnenmigrantInnen ist deutlich schlechter verglichen mit der übrigen Bevölkerung.

Schulbildung

Trotz des offiziellen Anspruchs auf freie verpflichtende Schulbildung in der chinesischen Verfassung werden Kinder von BinnenmigrantInnen in den Städten von den staatlichen Schulen ausgeschlossen. Neben speziellen bürokratischen Hürden für BinnenmigrantInnen werden Gebühren für den Schulbesuch eingehoben, welche die BinnenmigrantInnen nicht aufbringen können.

Deshalb haben sich 60 Prozent der Frauen, die in die Städten arbeiten gingen, dafür entschieden, ihre Kinder - selbst bei fehlenden Betreuungspersonen - an ihren Heimatorten zurücklassen.

BinnenmigrantInnen mit Kindern in den Städten haben eigene Schulen ergerichtet, die im Vergleich zu den staatlichen Schulen schlechter ausgestattet sind. Immer wieder werden solche Schulen von den Behörden geschlossen.

Helfen Sie mit.

Informieren Sie über die Situation der BinnenmigrantInnen in China!

Appellieren Sie an die Behörden und fordern Sie eine Verbesserung der unerträglichen Situation für BinnenmigrantInnen.

Entsprechende Musterbriefe (in englischer Sprache) können Sie unten herunterladen. E-Mail-Adressen haben wir bei dieser Aktion nicht angegeben, weil erfahrungsgemäß die E-Mails bei den chinesischen Behörden nicht durchgehen.

Adressen:

President of the People's Republic of China
Hu Jintao Guojia Zhuxi
The State Council General Office
Yongneixijie
Beijingshi 100017
People's Republic of China

Musterbrief

 

Wu Aiying Buzhang
Sifabu
10 Chaoyangmen Nandajie
Chaoyangqu
Beijingshi 100020
VR CHINA

Musterbrief

 

Legislative Affairs Commission of the
Tenth National People's Congress
Chairman Hu Kangsheng
No. 23, Xijiaominxiang
Xicheng District, Beijing 100805
The People's Republic of China

Musterbrief

 

Ministry of Education of the People's Republic of China
No.37 Damucang Hutong
Xidan
Beijing 100816
People's Republic of China

Musterbrief

 

Education, Science, Culture and Public Health Committee
of the Tenth National People's Congress
Chairman Zhu Lilan
No. 23, Xijiaominxiang
Xicheng District, Beijing 100805
The People's Republic of China

Musterbrief