China: Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng wieder in Haft

AI Index: ASA 17/004/2009, ASA 17/005/2009
2. Februar 2009
UA 24/09


Gao Zhisheng wurde erneut verhaftet


Gao Zhisheng im Kreise seiner Familie

Der Pekinger Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng wurde rund um den 19. Januar 2009 in Gewahrsam genommen. Er wird ohne Kontakt zur Außenwelt an einem unbekannten Ort festgehalten. Laut neueren Informationen von Radio Free Asia wurde Gao Zhisheng vor Beginn des chinesischen Neujahrs (26. Jänner) gezwungen, in seine Heimatstadt in der Shaanxi-Provinz zurückzukommen. Dort soll er von über 10 Sicherheitskräften am 4. Februar 2006 verschleppt worden sein.

Zuvor stand Gao Zhisheng seit November 2007 unter Hausarrest und wurde dabei von seinen Wärtern mehrmals gedemütigt.

Der Anwalt ist in großer Gefahr, gefoltert und misshandelt zu werden.

Berühmter Menschenrechtsanwalt im Visier der Behörden

Gao Zhisheng ist einer der bekanntesten Menschenrechtsanwälte Chinas und betrieb eine eigene Kanzlei. 2005 entzogen ihm die Behörden die Anwaltslizenz und schlossen die Kanzlei. Der Anwalt vertrat MenschenrechtsverteidigerInnen und Falun Gong-AnhängerInnen und setzte sich für zum Tode Verurteilte ein.

2001 hatte ihn das Justizministerium als "einen der zehn Topanwälte des Landes" bezeichnet, weil er ehrenamtlich und unentgeltlich für den Staatsdienst gearbeitet hatte.

Auf Kritik folgte Verhaftung

Gao Zhisheng schrieb im Jahr 2005 mehrere offene Briefe an Präsident Hu Jintao und Ministerpräsident Wen Jiabao, in denen er sie aufforderte, die Verfolgung von Angehörigen religiöser Gemeinschaften und Pro-Demokratie-AktivistInnen einzustellen.

Im Februar 2006 organisierte der Anwalt einen Hungerstreik, um Aufmerksamkeit auf die Verfolgung friedlicher AktivistInnen in China zu lenken. Gao Zhisheng wurde im Dezember 2006 wegen "Anstiftung zur Subversion" schuldig gesprochen und zu drei Jahren Haft verurteilt. Ungewöhnlicherweise wurde die Haftstrafe fünf Jahre lang ausgesetzt. Er durfte nach Hause zurückkehren, wo aber er mit seiner Familie seither überwacht wird.

Folter in Haft

Während seines Aufenthalts in Gefängnis 2006 wurde Gao Zhisheng misshandelt, unter anderem ließ man ihn über vier Tage auf einem Eisenstuhl oder im Schneidersitz sitzen und richtete grelles Licht auf seine Augen.

Weitere Leidensgeschichte

Gao Zhisheng wurde am 22. September 2007 erneut verhaftet, nachdem er einen Brief an den US-Kongress veröffentlicht hatte, in dem er auf die sich verschlechternde Menschenrechtslage in China aufmerksam machte. Bei der Verhaftung wurde er bewusstlos geschlagen.

Daraufhin wurde er sechs Wochen lang ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten und gefoltert. Die Sicherheitskräfte hielten brennende Zigaretten stundenlang so nah vor seine Augen, dass er dadurch mehrere Tage lang teilerblindet war

Nach seiner Freilassung beschrieben ihn Bekannte als einen seelisch und körperlich "gebrochenen Mann".

Helfen Sie mit.

Appellieren Sie an die chinesischen Behörden und fordern Sie die Freilassung von Gao Zhinsheng, das Ende der Folterungen und die Bekanntgabe seines Aufenthaltsortes.

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Schicksale weiterer MenschenrechtsverteidigerInnen in China

Auf dieser Website finden Sie weitere Aktionen von bedrohten und inhaftierten MenschenrechtsverteidigerInnen in China:


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