China: Li Wangling und ihr Mann nach 90 Tagen Verschwinden entdeckt

UA-192/2012-1
ASA 17/036/2012
19. September 2012



Li Wangyang mit seiner Schwester Li Wangling
QUelle: behindthewall.msnbc.msn.com/

Am 5. September 2012 wurden Li Wangling, die Schwester des kürzlich unter mysteriösen Umständen verstorbenen Gewissensgefangenen Li Wangyang, und ihr Ehemann Zhao Baozhu auf einer Baustelle in der chinesischen Stadt Shaoyang gesichtet, nachdem sie 90 Tage lang "verschwunden" waren. Sie werden zwar nicht offiziell in Gewahrsam gehalten, stehen aber unter strenger Polizeiüberwachung.

Streng bewacht

Am 5. September gegen 14 Uhr konnte der Anwalt von Li Wangling und Zhao Baozhu zusammen mit zwei JournalistInnen aus Hongkong mit dem Paar sprechen. Der Anwalt Tang Jingling, der zuvor keinen Kontakt zu den beiden aufnehmen konnte, gab an, dass sie in der Nähe ihrer Wohnung in der Stadt Shaoyang (Provinz Hunan) auf einer Baustelle arbeitend entdeckt worden waren. Um sich nicht in Gefahr zu bringen, konnten sie sich nur etwa zehn Minuten lang mit ihm unterhalten.

Laut Angaben des Anwalts wirkten Li Wangling und Zhao Baozhu nervös, als sie der Anwalt und die JournalistInnen auftauchten und rieten den dreien, schnell wieder zu gehen, ehe die Polizei sie entdeckte. Das Paar bestätigte, dass sie zwar nicht offiziell in Gewahrsam gehalten würden, aber unter strenger Überwachung durch die lokale Polizei stünden.

90 Tage Verschwunden nach Kritik nach Tod ihres Bruders

Li Wangling und Zhao Baozhu waren am 7. Juni 2012 verhaftet worden, ab 9. Juni gab es kein Lebenszeichen mehr von ihnen.

Die Verhaftung erfolgte einen Tag nach dem Tod von Li Wangyang, dem Bruder von Li Wangling. Der einstige Gewissensgefangene soll nach Angaben der Behörden Selbstmord begangen haben. Li Wangling und ihr Mann Zhao Baozhu widersprachen der offiziellen Darstellung und forderten eine unabhängige Untersuchung und Autospie.

Amnesty International forderte die Aufklärung des Todes von Li Wangyang und die Kenntnis von Li Wangling und Zhao Baozhu nach deren Verschwinden.

Wie geht es weiter?

Amnesty International wird die Situation des Paars weiter genau beobachten und die Behörden in Shaoyang auch nach Beendigung dieser Urgent Action über andere Kanäle auffordern, die Bewegungs- und Meinungsfreiheit von Li Wangling und Zhao Baozhu zu respektieren.

Amnesty International wird die chinesischen Behörden auch weiterhin auffordern, umgehend eine umfassende und unparteiliche Untersuchung zum Tod von Li Wangyang durchzuführen und deren Ergebnisse zu veröffentlichen.

Vielen Dank für Ihr Engagement und Ihr rasches Handeln. Es sind jetzt bis auf Weiteres keine weiteren Aktionen notwendig.


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