China: Inhaftierter Arbeitsrechtsaktivist in Lebensgefahr

TUN-Action 20010927
AI Index: ASA 17/025/2001, ASA 17/15/1998: 27. September 2001
AI Index: ASA 17/027/2002: 18. Juli 2002


Li Wangyang zu zehn Jahren Haft verurteilt

Der 50-jährige Arbeitsrechtsaktivist Li Wangyang wurde am 20. September 2001 in Shaoyang wegen "Anzettelung von Subversion gegen die Staatsmacht" zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er war im Mai 2001 verhaftet worden, nachdem er im Februar 2001 in einem 22-tägigen Hungerstreik von den Behörden die Abdeckung der Kosten für seine teure medizinische Behandlung gefordert hatte. Denn sein katastrophaler Gesundheitszustand ist auf Folter und Zwangsarbeit während seines vorangegangenen 11-jährigen Gefängnisaufenthaltes zurückzuführen.

Schlimme gesundheitliche Probleme

Li Wangyang ist schwer krank: Er ist auf dem linken Auge infolge der Schläge der Gefängniswärter erblindet; er leidet an Herzschwäche, einer Lungenerkrankung, Rücken- und mehreren weiteren Beschwerden. Seit dem Frühjahr 2001 kann er nur mehr mit fremder Hilfe gehen.

Veteran der ArbeiterInnenbewegung

Li Wangyang hatte im Mai 1989 die freie Gewerkschaft "Autonomer ArbeiterInnenbund von Shaoyang" gegründet und war deshalb (in China sind freie Gewerkschaften verboten) zu 13 Jahren Haft verurteilt worden.

Aus gesundheitlichen Gründen war er vorzeitig freigelassen worden: zunächst 1996, mit Rückkehr ins Gefängnis nach acht Monaten, und schließlich im Juni 2000, nach elf Jahren Haft.

Gefängnis auch für seine Schwester Li Wanglin

Li Wangyangs Schwester Li Wanglin, die seine Hungerstreik-Kampagne im Februar 2001 unterstützt und öffentlich bekannt gemacht hatte, wurde ebenfalls verhaftet und am 7. Juli 2001 zu drei Jahren Haft und "Umerziehung durch Arbeit" verurteilt.

Dramatischer Gesundheitszustand - keine medizinische Versorgung

Der Gesundheitszustand des ohnehin schwerkranken Li Wangyang hat sich drastisch verschlechtert: Er leidet unter einer Herzerkrankung, einer Überfunktion der Schilddrüse, Genick- und Rückenschmerzen und ist am Erblinden.

Die Gefängnisbehörden verweigern ihm medizinische Versorgung.

Helfen Sie mit!

Seit den Terroranschlägen in den USA am 11. September 2001 finden in China geballt Prozesse gegen DissidentInnen statt. Die Volksrepublik hofft, dass die internationale Gemeinschaft abgelenkt ist und nicht auf die Menschenrechtssituation in China schaut.

Zeigen Sie den chinesischen Behörden, dass Ihnen das Schicksal von Li Wangyang und Li Wanglin nicht gleichgültig ist. Fordern Sie ihre Freilassung!

Adressen:

Minister of Justice
ZHANG Fusen Buzhang
Sifabu
10 Chaoyangmen Nandajie, Chaoyangqu
Beijingshi 100020
People's Republic of China

Fax: + 86 10 6529 2345

E-Mail: minister@legalinfo.gov.cn
Salutation: Your Excellency / Eure Exzellenz

Acting Governor of the Hunan Provincial People's Government
ZHANG Yunchuan Daishengzhang
Hunansheng Renmin Zhengfu
69 Wuyizhonglu
Changsashi 410011
Hunansheng
People's Republic of China

E-Mail: webmaster@hunan.gov.cn
Salutation: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur

Musterbrief (deutsch):

Eure Exzellenz!

Ich wende mich an Sie, weil ich wegen des äußerst bedenklichen Gesundheitszustandes des Gewerkschafters Li Wangyang in großer Sorge bin. Ich fordere, dass Herr Li Wangyang eine adäquate medizinsche Versorgung erhält, wie auch die Bestimmungen in die internationalen Rechtsnormen für die medizinische Versorgung vorsehen.

Li Wangyang ist nur deswegen in Haft, weil er von seinem Recht auf Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hat. Ich fordere daher die unverzügliche und bedingungslose Freilassung dieses Gewissensgefangenen.

Weiters fordere ich die unverzügliche und bedingungslose Freilassung seiner Schwester Li Wanglin, die willkürlich eingesperrt wurde, bloss weil sie ihren Bruder öffentlich bei seiner Kampagne um Refundierung der Krankenhauskosten unterstützt hat.

Hochachtungsvoll

Musterbrief (englisch):

Your Excellency,

I am writing because I am very concerned on the poor health of the labour rights activist Li Wangyang, and I urge you that he receive all necessary medical care in accordance with the provisions set out in international standards for medical care.

Li Wangyang is solely imprisoned for the peaceful exercise of his right to freedom of expression, and I thus call for his immediate and unconditonal release.

Furthermore, I call for the immediate and unconditional release of Li Wanglin, on the grounds that she is arbitrarily imprisoned solely for publicly supporting her brother in his appeal for compensation.

Yours sincerely,