AI Index: POL 30/026/2006
AI UK / http://irrepressible.info
Juli 2006

Der chinesische Journalist Shi Tao verbüßt zur Zeit eine Gefängnisstrafe von 10 Jahren. Er muss unter grausamen Bedingungen Zwangsarbeit verrichten; seine Familie wird überwacht und ist Schikanen ausgesetzt. Auf seine Ehefrau wurde solange Druck ausgeübt, bis sie sich scheiden ließ.
Shi Tao wurde am 27. April 2005 zu dieser Haftstrafe verurteilt, weil er über seinen Yahoo-Account ein E-Mail an den Herausgeber einer in den USA angesiedelten Webseite für die Demokratiebewegung in China geschickt hatte. Inhalt des E-Mails: Shi Tao gab den Inhalt eines Kommuniqués des chinesischen Propagandaministeriums wider, wie die Zeitung, für die Shi Tao arbeitete, zum Jahrestag der Niederschlagung der Demokratiebewegung von 1989 zu berichten hätte.
Die Ausforschung und in der Folge Verurteilung des Journalisten war nur möglich, weil Yahoo! den chinesischen Behörden Informationen über den Inhaber des Yahoo-Accounts bekannt gab.
Yahoo! bedauert das Schicksal von Shi Tao, distanziert sich jedoch von jeglicher Verantwortung. Dabei ist dies bereits der (zumindest) zweite Fall, in dem Yahoo!s Weitergabe von persönlichen Daten zur Verurteilung eines Journalisten geführt hat.
Yahoo! ist nicht der einzige Internetprovider, der mit den chinesischen Behörden kollaboriert und das Recht auf Meinungsfreiheit mit den Füßen tritt - wenngleich die Handlungen von Yahoo! die schlimmsten Konsequenzen für Betroffene hatten.
Bei MSN Space in China können keine Blogs mit Wörtern wie "Demokratie", "Menschenrechte" oder "Meinungsfreiheit" angelegt werden. 2005 kam Microsoft einer informellen Anfrage der chinesischen Behörden nach und schloss den Blog eines chinesischen Journalisten, der die Zensur in China kritisierte. Der Blog war auf Servern in den USA angesiedelt.
Google kündigte im Jänner 2006 die Einführung einer Suchmaschine für China (Google.cn) an, welche wegen eines Selbstzensurmechanismus nur eingeschränkte Ergebnisse liefert. Die allgemeine Google-Suche (Google.com) kann zwar von chinesischen Usern weiterhin verwendet werden, muss aber die offizielle chinesische "Firewall" passieren, welche wiederum zensuriert.
Fordern Sie von den chinesischen Behörden die Freilassung des Gewissensgefangenen Shi Tao!
Fordern Sie von Yahoo!, seinen Einfluss auf die chinesischen Behörden geltend zu machen, um Shi Taos Freilassung zu bewirken!
Fordern Sie von Yahoo!, Microsoft und Google eine Ende ihrer Aktionen, mit denen sie der chinesischen Regierung bei der Unterdrückung der Meinungsfreiheit in die Hände arbeiten.
Appellieren Sie an die chinesischen Behörden und die verantwortlichen Internetprovider! Adressen und Musterschreiben siehe unten!
Wenn Sie lieber direkt Webformulare benutzen wollen, gehen Sie auf http://www.amnestyusa.org/business/takeaction.html
Erfahren Sie mehr über die Kampagne "irrepresible info" unter http://irrepressible.info/ Lesen Sie den Bericht "Undermining Freedom of Expression in China. The role of Yahoo!, Microsoft and Google! unter http://irrepressible.info/static/pdf/FOE-in-china-2006-lores.pdf
Unterzeichnen Sie online die Petition für repressionsfreie Internet-Nutzung: http://irrepressible.info/pledge
Shi Taos Schicksal wurde auch in der AI-Kampagne "Menschenrechte aufs Podest" anlässlich der Olympischen Spiele zum Thema gemacht.
In der Tat haben sich im letzten Jahr die Haftbedingungen für Shi Tao verbessert: Seine Mutter darf ihn regelmäßig im Gefängnis besuchen; Shi Tao muss nicht mehr (zwangs-)arbeiten, und er darf Bücher lesen und Radio hören. Seine Familie führt diese Verbesserungen auf den internationalen Druck zurück.
In diesem Sinne: Appellieren Sie bitte weiterhin an die chinesischen Behörden und fordern Sie seine Freilassung.
Adresse:
Information Office Cai Wu
c/o The State Council
General Office
2 Fuyoujie
Xichengqu
Beijingshi 100017
VR CHINA
Musterbrief:
Dear Director Cai,
I am writing to express my grave concern over the imprisonment of Shi Tao, a poet and journalist who is serving a 10-year sentence for publicizing the text of a central government order, barring media organizations in China from marking the 15th anniversary of the Tiananmen crackdown.
Shi Tao had been working prior to his detention for the Contemporary Trade News (Dangdai Shang Bao) when he was arrested on November 24, 2004. He was charged with "illegally divulging state secrets abroad" and sentenced to 10 years imprisonment on April 27, 2005.
I am concerned that Shi Tao may have been imprisoned solely for exercising his right to free expression and his right to seek, receive and impart information, as guaranteed under Article 19 of the International Covenant on Civil and Political Rights, which the PRC has signed. Amnesty International considers Shi Tao to be a prisoner of conscience and I am calling on you to release him from detention immediately and unconditionally.
I also call on you to stop the ongoing harassment and arbitrary detention of others who engage in non-violent human rights activities on behalf of others.
Yours sincerely,
Adressen
per E-Mail an die Unternehmensführung von Yahoo:
Jerry Yang jerry@yahoo-inc.com
David Filo filo@yahoo-inc.com
per Brief an die Yahoo-Zentrale in den USA mit der Bitte um Weiterleitung:
Yahoo Customer Care
Yahoo! Inc.
701 First Avenue
Sunnyvale, California 94089
USA
per Brief, Fax oder E-Mail an Yahoo-Deutschland (für Österreich zuständig) mit der Bitte um Weiterleitung:
Yahoo! Deutschland GmbH
Holzstraße 30
80469 München
Telefax: +49 89 2319 7222
E-Mail über http://add.yahoo.com/fast/help/de/mail/cgi_abuse
Musterschreiben
Dear Jerry Yang and David Filo,
I am writing to you to express my deep concern over recent allegations that your company has assisted authorities in China in events which led to the imprisonment of Shi Tao, a Chinese journalist. On April 27, 2005, Shi Tao received a ten-year prison term for sending information about a Communist Party decision through his Yahoo email account to a website based in the United States. Amnesty International considers him a prisoner of conscience, as he was imprisoned for peacefully exercising his right to freedom of expression and opinion.
I am alarmed that in the pursuit of new and lucrative markets, your company is contributing to human rights violations. Yahoo should urgently give consideration to the human rights implications of its business operations. The Universal Declaration of Human Rights calls upon every organ of society, which includes companies, to respect human rights.
Yahoo's conduct in Shi Tao's case has exposed your company to the risk of being complicit in human rights violations. I therefore call upon Yahoo to:
- Use its influence to secure Shi Tao's release
- Stop any actions that could undermine human rights in any country in which you operate
- Take immediate steps to ensure that all your units - the parent corporation and subsidiaries - uphold human rights responsibilities for companies, as outlined by the UN Norms for Business
- Develop an explicit human rights policy, ensuring that it complies with the UN Norms for Business.
Yours sincerely,
Übersetzung:
Sehr geehrter Herr Yang, sehr geehrter Herr Filo!
Ich wende mich an Sie, weil ich meine Besorgnis über die Meldungen zum Ausdruck bringen möchte, denen zufolge Ihr Unternehmen die Behörden der Volksrepublik China dabei unterstützt hat, den chinesischen Publizisten Shi Tao zu einer Haftstrafe zu verurteilen. Er wurde am 27. April 2005 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, weil er Informationen über eine Direktive der Kommunistischen Partei Chinas als Nutzer des E-Mail-Dienstes von Yahoo an ein Internetportal in den USA gesandt hatte. amnesty international betrachtet Shi Tao als gewaltlosen politischen Gefangenen, der allein aufgrund der friedlichen Wahrnehmung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung inhaftiert worden ist.
Die Tatsache, dass Ihr Unternehmen bei der Erschließung neuer lukrativer Märkte Menschenrechtsverletzungen Vorschub leistet, erfüllt mich mit großer Sorge. Yahoo sollte umgehend die Auswirkungen seiner Geschäftspraktiken auf die Menschenrechte einer eingehenden Prüfung unterziehen. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte fordert alle Mitglieder einer Gesellschaft, zu denen auch Unternehmen gehören, auf, die Menschenrechte zu respektieren.
Yahoos Vorgehen im Fall von Shi Tao hat Ihr Unternehmen dem Risiko der Komplizenschaft bei Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Deshalb fordere ich Ihr Untenehmen auf:
seinen Einfluss geltend zu machen, um die sofortige und bedingungslose Freilassung von Shi Tao zu erwirken;
in Zukunft alle Handlungen zu unterlassen, welche die Menschenrechte in den Ländern, in denen Yahoo tätig ist, gefährden könnten;
umgehend Maßnahmen zu ergreifen, die sicherstellen, dass sich alle Bereiche ihres Unternehmens einschließlich der Tochterfirmen ihrer Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten, wie sie in den UN-Menschenrechtsnormen für Unternehmen festgelegt sind, bewusst werden und dementsprechend verhalten.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Adresse
William H. Gates, Chairman
Microsoft Corporation
One Microsoft Way
Redmond, WA 98052-6399, USA
Fax: 001 425-708-0600 and 001 425-936-7329
E-Mail: billig@microsoft.com
Musterschreiben
Dear Mr. Gates,
I am alarmed that in the pursuit of new and lucrative markets, your company is contributing to human rights violations, in particular abuses to freedom of expression and information. This issue is especially evident in China, where Microsoft has signed the government's controversial Public Pledge of self-discipline for the China Internet Industry, which has led your company to block searches under certain keywords including "democracy", "freedom", "human rights", Falun Gong", and "demonstration".
I am also very disturbed by reports that Microsoft cooperated with Chinese authorities to shut down the controversial blog of Zhao Jing, a Beijing-based researcher for the New York Times, who had posted articles critical of a management shakedown at Beijing News.
Therefore I urge Microsoft to:
Guarantee the anonymity of its users.
Conduct its Internet business in China, and everywhere it operates, in a manner that respects human rights, abides by international human rights standards and avoids complicity in human rights violations.
Develop an explicit human rights policy, ensuring that it complies with the UN Norms for Business.
Revise its policy to ensure the company does not unconditionally assist censorship of the internet but, on the contrary, challenges requests that are a violation of international human rights standards. In this light, make clear to the Chinese authorities as well as to the global community, that Microsoft is not willing to assist Governments in implementing their systems of internet censorship, or to provide information directed at restricting freedom of expression.
Put pressure on the Chinese government to:
Remove blockages on websites that deal with democracy, human rights, freedom, or that peacefully articulate opinions on religion or politics;
Stop the filtering of key words on the Chinese internet, including words such as human rights, democracy, freedom and Falun Gong;
Ensure the Chinese public have uninhibited access to the full range of information available on the web in line with international standards on freedom of expression and freedom of information.
Thank you for your consideration of these demands.
Your sincerely,
Übersetzung:
Sehr geehrter Herr Gates!
Ich bin sehr beunruhigt, dass ihre Firma auf der Suche nach neuen und lukrativen Märkten zu Menschrechtsverletzungen beiträgt, insbesondere Verletzungen der Freiheit auf Meinungsäußerung und Information. Dies trifft vor allem auf China zu, wo Microsoft die umstrittene "öffentliche Verpflichtungserklärung zur Selbstdisziplin der Internetbranche" der Regierung unterzeichnet hat, was dazugeführt hat, dass ihre Firma Suchergebnisse nach bestimmten Begriffen, darunter "Demokratie", "Freiheit", "Menschenrechte", "Falun Gong" und "Demonstration" blockiert.
Ich bin ebenfalls sehr darüber beunruhigt, dass Microsoft mit den chinesischen Behörden bei der Schließung eines kontroversiellen Weblogs des New York Times Journalisten Zhao Jing zusammengearbeitet haben soll. Grund dafür waren dort veröffentlichte Beiträge, die Veränderungen im Management von Beijing News kritisch kommentierten.
Deshalb fordere ich Microsoft dringend auf:
Die Anonymität seiner AnwenderInnen zu garantieren.
Seinen Internetgeschäften in China, und auch überall dort, wo es sonst noch tätig ist, auf eine Art und Weise nachzugehen, die Menschenrechte respektiert, sich an internationale Menschenrechtsstandards hält und die Mitschuld an Menschenrechtsverletzungen vermeidet.
Seine Firmenpolitik zu überdenken, um sicherzustellen, dass das Unternehmen die Zensur des Internets nicht vorbehaltlos unterstützt, sondern im Gegenteil Forderungen, die eine Verletzung internationaler Menschenrechtsstandards darstellen, entschieden entgegentritt.
In this light, make clear to the Chinese authorities as well as to the global community, that Microsoft is not willing to assist Governments in implementing their systems of internet censorship, or to provide information directed at restricting freedom of expression.
Druck auf die chinesische Regierung auszuüben:
Blockierungen von Webseiten aufzuheben, die sich mit Demokratie, Menschenrechten, und Freiheit befassen, oder Meinungen zu Religion oder Politik auf friedliche Weise artikulieren
Das Filtern von Suchbegriffen im chinesischen Internet zu stoppen, einschließlich Wörtern wie Demokratie, Menschenrechte, Freiheit oder Falun Gong
Den ungehinderten Zugang der chinesischen Bevölkerung auf den gesamten im Internet verfügbaren Informationsbereich in Übereinstimmung mit internationalen Standards der freien Meinungsäußerung und Informationsfreiheit sicherzustellen.
Eine klare Menschenrechtspolitik zu entwickeln, die in Einklang mit den UN-Normen für Unternehmen steht.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit in dieser wichtigen Angelegenheit.
Mit freundlichen Grüßen
Adresse
Eric Schmidt, Chairman and CEO
Google Inc.
1600 Amphitheatre Parkway
Mountain View, CA 94043, USA
Fax: 001 650-618-1499
E-Mail: Google Help Center -> http://www.google.com/support/bin/request.py -> "I have a general question about Google" -> "Reporting a problem", "Suggesting a new feature" oder "Other"
Musterschreiben:
Dear Mr. Schmidt,
I am alarmed that in the pursuit of new and lucrative markets, your company is contributing to abuses of freedom of expression and information. This issue is especially evident in China, where Google has agreed to restrict google.cn search results for topics including "human rights", "political reform", "Tiananmen Square" and "Falun Gong". Therefore I urge Google to:
Conduct its Internet business in China, and everywhere it operates, in a manner that respects human rights, abides by international human rights standards and avoids complicity in human rights violations.
Revise its policy to ensure the company does not unconditionally assist censorship of the internet but, on the contrary, challenges requests that are a violation of international human rights standards.
Put pressure on the Chinese government to:
Remove blockages on websites that deal with democracy, human rights, freedom, or that peacefully articulate opinions on religion or politics;
Stop the filtering of key words on the Chinese internet, including words such as democracy, human rights, freedom and Falun Gong;
Ensure the Chinese public have uninhibited access to the full range of information available on the web in line with international standards on freedom of expression and freedom of information.
Develop an explicit human rights policy, ensuring that it complies with the UN Norms for Business.
Thank you for your consideration of these demands.
Yours sincerely,
Übersetzung:
Sehr geehrter Herr Schmidt!
Ich bin sehr beunruhigt, dass ihre Firma auf der Suche nach neuen und lukrativen Märkten zur Verletzung der Freiheit auf Meinungsäußerung und Information beiträgt. Diese Angelegenheit trifft vor allem auf China zu, wo Google sich damit einverstanden erklärt hat, Suchresultate auf google.cn in Bezug auf Themen wie "Menschenrechte", "politische Reform", "Tienanmen Platz" und "Falun Gong" einzuschränken.
Deshalb fordere ich Google dringend auf:
Seinen Internetgeschäften in China, und auch überall dort, wo es sonst noch tätig ist, auf eine Art und Weise nachzugehen, die Menschenrechte respektiert, sich an internationale Menschenrechtsstandards hält und die Mitschuld an Menschenrechtsverletzungen vermeidet.
Seine Firmenpolitik zu überdenken, um sicherzustellen, dass das Unternehmen die Zensur des Internets nicht vorbehaltlos unterstützt, sondern im Gegenteil Forderungen, die eine Verletzung internationaler Menschenrechtsstandards darstellen, entschieden entgegentritt.
Druck auf die chinesische Regierung auszuüben:
Blockierungen von Webseiten aufzuheben, die sich mit Demokratie, Menschenrechten, und Freiheit befassen, oder Meinungen zu Religion oder Politik auf friedliche Weise artikulieren
Das Filtern von Suchbegriffen im chinesischen Internet zu stoppen, einschließlich Wörtern wie Demokratie, Menschenrechte, Freiheit oder Falun Gong
Den ungehinderten Zugang der chinesischen Bevölkerung auf den gesamten im Internet verfügbaren Informationsbereich in Übereinstimmung mit internationalen Standards der freien Meinungsäußerung und Informationsfreiheit sicherzustellen.
Eine klare Menschenrechtspolitik zu entwickeln, die in Einklang mit den UN-Normen für Unternehmen steht.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit in dieser wichtigen Angelegenheit.
Mit freundlichen Grüßen