Dominikanische Republik: MigrantInnen aus Haiti abgeschoben

UA-286/2011
AMR 27/004/2011
21. September 2011

Gültigkeit: Sie können an dieser Aktion bis 28. Oktober 2011 teilnehmen.


Mindestens 80 haitianische MigrantInnen wurden in der Dominikanischen Republik festgenommen und willkürlich des Landes verwiesen. Weiteren MigrantInnen aus Haiti droht ein ähnliches Schicksal.

Razzia in den Morgenstunden

Am frühen Morgen des 20. September 2011 um 5.00 Uhr nahmen MitarbeiterInnen der Einwanderungsbehörde in Ponton, einem Viertel der im Norden der Dominikanischen Republik gelegenen Stadt Navarrete, im Zuge einer Razzia mindestens 80 haitianische MigrantInnen fest. Während der Razzia sollen mehrere MigrantInnen geschlagen und einige Kindern von ihren Eltern getrennt worden sein. Gegen 8.00 Uhr brachte man die HaitianerInnen in die nahe der Grenze gelegene Stadt Dajabón und trieb sie von dort über die Grenze zurück nach Haiti.

Seit langem in der Dominikanischen Republik

Viele der ausgewiesenen HaitianerInnen hatten bereits seit mehr als zehn Jahren in der Dominikanischen Republik gelebt und gearbeitet.


Sonia Pierre, Tochter haitianischer MigrantInnen, setzt sich für die haitianische Minderheit in der Dominikanischen Republik ein.

Laut der Organisation ASOMLIN (Asociación Solidaria de Obreros Migrantes de la Linea Noroeste) wurden die HaitianerInnen ohne Einzelfallprüfung aus der Dominikanischen Republik ausgewiesen. Sie hatten somit keine Möglichkeit, die Rechtmäßigkeit ihrer Inhaftierung anzufechten oder Widerspruch gegen ihre drohende Rückführung nach Haiti einzulegen.

AktivistInnen im Visier

Mindestens 30 der ausgewiesenen HaitianerInnen waren Mitglied von ASOMLIN, die sich für die Rechte von ArbeitsmigrantInnen engagiert und deshalb ins Visier der staatlichen Behörden geriet.

Auch Sonia Pierre, Leiterin der Dominiko-Haitianischen Frauenorganisation MUDHA (Movimiento de Mujeres Domínico-Haitianas), wird immer wieder von den Behörden schikaniert, weil sie Menschenrechtsverletzungen an Mitgliedern der haitianischen Minderheit aufzeigt und diese beim Einfordern ihrer Rechte (z.B. Verlängerung des Identitätsausweises oder Meldung ihrer Kinder) unterstützt.

Massendeportationen von HaitianerInnen

Amnesty International fordert die dominikanischen Behörden auf, die Kollektivausweisung von HaitianerInnen und DominikanerInnen haitianischer Abstammung einzustellen. Nach Angaben örtlicher Menschenrechtsorganisationen wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2011 mehr als 3000 HaitianerInnen ausgewiesen, viele von ihnen willkürlich und unter Missachtung internationaler Menschenrechtsstandards. Nach dem Erdbeben in Haiti vom 12. Januar 2010 hatten die Vereinten Nationen und eine ganze Reihe von Menschenrechtsorganisationen, unter ihnen Amnesty International, die Dominikanische Republik und andere Staaten aufgerufen, angesichts der humanitären Notlage in Haiti bis auf Weiteres keine HaitianerInnen in ihr Heimatland zurückzuführen.

Die Praxis der Sammelabschiebung führt dazu, dass HaitianerInnen und DominikanerInnen haitianischer Abstammung in der Dominikanischen Republik ständig in der Angst leben, abgeschoben zu werden, ohne dass sie eine wirksame Möglichkeit hätten, diese Entscheidung anzufechten.

Weitere Informationen zur Situation von HaitianerInnen

Uhudla-Artikel: "Ein Leben als Albtraum"

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