Ecuador: Morddrohungen und Übergriffe gegen Bauerngewerkschafterin

AI-Index: AMR 28/003/2006
UA 102/2006
21. April /2006


Bauernvertreterin in Gefahr

Die Sprecherin indigener Kleinbauern María Iza Quinatoa ist Opfer von Einschüchterungen und Morddrohungen. Amnesty International ist um die Sicherheit ihrer Person sowie ihrer Angehörigen sowie um die MitarbeiterInnen der Bauerngewerkschaft UNOCANC, welche María Iza Quinatoa vertritt, besorgt.

Engagement gegen das Freihandelsabkommen

Amnesty International vermutet, dass die Einschüchterungen mit dem politischen Engagement der Aktivistin gegen die Unterzeichnung eines Freihandelsabkommens zwischen Ecuador und den USA zusammenhängt. Als Vorsitzende der Frauensektion der Bauerngewerkschaft "Unión de Organizaciones Campesinas de Cotopaxi" (UNOCANC) hat María Iza Quinatoa im März und April 2006 die Beteiligung indigener Gruppen aus Cotopaxi an Massendemonstrationen gegen das Freihandelsabkommen in der Hauptstadt Quito koordiniert.

Untätigkeit der Polizei

Am 10. April 2006 nahm María Iza Quinatoa an einem Treffen mit anderen SprecherInnen von Indigenen in Quito teil. Danach wurde sie auf der Straße von zwei unbekannten Frauen mit einem Messer bedroht. Eine der Angreiferinnen fragte: "ya nuevamente vienes a organizar las movilizaciones?" (Willst du wieder Demonstrationen organisieren?"). Bei dem Übergriff wurde María Iza Quinatoas Rucksack mit vertraulichen Dokumenten und ihrem Personalausweis gestohlen.

María Iza Quinatoa zeigte den Angriff am selben Tag der nationalen Polizei in Quito an. Obwohl sie angab, Opfer eines Raubes geworden zu sein, nahm der Polizeibeamte nur eine Verlustmeldung auf. Zwei Tage später meldete sie den Überfall erneut der Polizei in Cotopaxi, worauf der zuständige Polizist wiederum nur ein Formular für verlorene Personalpapiere ausfüllte. Bislang wurden keine Ermittlungen bezüglich des Raubüberfalls eingeleitet.

Die Einschüchterung haben eine Vorgeschichte

Am 23. März 2006 hatte María Iza Quinatoa mit Indigenen an einem Treffen zur Vorbereitung von Demonstrationen in Quito teilgenommen. Während dieser Besprechung wurde ihr in der Nähe abgestellter Lieferwagen gestohlen. Als der Ehemann von María Iza Quinatoa, Luis Tigse Alomoto, dies auf der Polizeizentrale von Pichincha melden wollte, erwiderte der diensthabende Polizist:"es que esto pasa por estar en movilizaciones, ya ve hasta el carro se pierde" ("Das ist nur wegen der Teilnahme an den Demonstrationen passiert. Das habt ihr nun davon").

In den Monaten davor hatte María Iza Quinatoa bereits bei lokalen NGOs berichtet, dass sie mehrere Drohanrufe zu Hause erhalten hatte, bis sie schließlich ihre Telefonnummer geändert hatte.

Mordversuch am Bruder der Aktvistin

Am 1. Februar 2004 war in Quito ein Mordversuch an Maria Iza Quinatoas Bruder, Leonidas Iza, verübt worden. Der ehemalige Vorsitzende der Indigenenorganisation "Confederación de Nacionalidades Indígenas del Ecuador" (CONAIE) blieb dabei unverletzt, aber vier seiner Familienangehörigen in seiner Begleitung, darunter María Iza Quinatoas Sohn Daniel Tigse, erlitten Verletzungen. Der Vorfall ereignete sich, als Leonidas Iza gerade aus Kuba zurückgekehrt war, wo er an einem Treffen gegen die Gesamtamerikanische Freihandelszone (Free Trade Area of the Americas - FTAA) teilgenommen hatte.

Helfen Sie mit.

Amnesty International ist angesichts der fortgesetzten Meldungen aus Ecuador über Morddrohungen und Einschüchterungsversuche gegen GewerkschafterInnen und MenschenrechtsverteidigerInnen zutiefst besorgt.

Schreiben Sie an die zuständigen Behörden: Zeigen Sie sich um die Sicherheit von María Iza Quinatoa, ihrer Familie und weiteren MitarbeiterInnen der Bauerngewerkschaft UNOCANC besorgt und fordern Sie die Behörden auf, unverzüglich umfassende und wirksame Ermittlungen bezüglich der geschilderten Vorfälle einzuleiten und in Absprache mit María Iza Quinatoa, ihrer Familie und den übrigen UNOCANC-MitarbeiterInnen wirksame Schutzmaßnahmen einzuleiten.

Innenminister:
Dr. Felipe Vega de la Cuadra
Ministro de Gobierno, Policía, Justicia, Cultos y Municipalidades
Ministerio de Gobierno y Policía
Benalcázar y Espejo
Quito
ECUADOR

korrekte Anrede: Señor Ministro / Dear Minister
Fax: (00 593) 2-258 1030; (00 593) 2-258 0067
kombinierter Telefon-/Faxanschluss: "Tono de fax, por favor"
E-Mail: informacion@mingobierno.gov.ec

 

amtierende Generalstaatsanwältin: Musterbrief
Dra. Cecilia Armas Tobar
Ministra Fiscal Subrogante
Fiscalía General del Estado
Av. Eloy Alfaro Nº32-240 y República
Quito
ECUADOR

korrekte Anrede: Sra. Ministra Fiscal Subrogante, Dear Attorney General
Telefax: (00 593) 2-255 8561
kombinierter Telefon-/Faxanschluss: "Tono de fax, por favor"

 

Menschenrechtsorganisation
Centro de Documentación en Derechos Humanos
"Segundo Montes Mozo SJ@ CSMM
Nicolás Jiménez
E 4, 223, piso 5 y Av. 12 de Octubre
Dep. E- 3, Casilla: 17-08-8069
Quito
ECUADOR

E-Mail: montesdh@uio.satnet.net

Musterbrief

Dear Minister,

I am writing to express my concern for the safety of María Iza Quinatoa, her relatives and other staff members at UNOCANC, following an increasing campaign of threats and intimidation. I am concerned that it appears that legal complaints by María Iza Quinatoa and her husband, Luis Tigse Alomoto, were not taken seriously by the judicial police.

I thus ask you to take the complaints seriously and order a prompt and effective investigation into the acts of intimidation and the robbery, for the findings to be made public, and for those responsible to be brought to justice.

I urge you to guarantee the safety of María Iza Quinatoa, her family and of other members of the staff of UNOCAN, according to their wishes.

Yours sincerely,