Guatemala: Angriffe gegen indigene Frauen im Einsatz gegen negative Auswirkungen des Bergbaus

UA-163/2010
AMR 34/008/2010
21. Juli 2010

Die Aktion läuft bis 1. September 2010.



Demonstration gegen die Goldminen: "Wir werden unser Land nicht verkaufen": © James Rodríguez

Spannungen zwischen der indigenen Bevölkerung in San Marcos, Guatemala, und den Betreibern einer Goldmine gipfelten in eine beinahe tödlichen Attacke, als die Menschenrechtsverteidigerin Deodora Hernández am 7. Juli 2010 in ihrer Wohnung angeschossen und schwer verletzt wurde. In der Vergangenheit setzte sie sich öffentlich für die Rechte der indigenen Bevölkerung sowie für den Umweltschutz in der Region ein. Sie zeigte die negativen Auswirkungen des Bergbaus auf die indigene Gemeinden sowie die mit dem Bergbau einhergehenden Einschränkungen für die lokale Wasserversorgung auf.

In ihrer Wohnung angeschossen

Am Abend des 7. Juli 2010 gegen etwa 19 Uhr betraten zwei unbekannte Männer, die um eine Übernachtungsmöglichkeit baten, die Wohnung von Deodora Hernández. Ein Familiemitglied meinte zwar, sie könnten nicht bleiben, bot ihnen aber zwei Tassen Kaffee an. Als Deodora Hernández den Raum mit der Kaffeekanne betrat, schoss ihr einer der Männer ins rechte Auge. Deodora Hernández überlebte schwer verletzt.

Weitere Aktivistin wird bedroht

Ähnlich wie im Fall von Deodora Hernández ist auch das Leben von Carmen Mejía bedroht. Carmen Mejía ist ebenfalls eine Aktivistin, die gegen die negativen Auswirkungen der Bergbauarbeiten auftritt und sich für die Menschenrechte der lokalen BewohnerInnen einsetzt. Während des Besuchs des UN-Sonderberichterstatters zur Lage der Menschenrechte und Grundlegenden Freiheiten Indigener Völker im Juni 2010 sprach Carmen Mejía bei einer öffentlichen Veranstaltung mit ihm über Menschenrechtsverletzungen, die ihrer Ansicht nach aus dem Betrieb der Mine resultieren. Sie wurde wiederholt per SMS aufgerufen, ihre Menschenrechtsarbeit zu beenden; ansonsten - drohte man ihr - würde man sie umbringen.

Streit um Goldmine

Ursache des Streits ist die Goldmine "Marlin" der Montana Exploradora, ein 100%-iges Tochterunternehmen des US-kanadischen Konzerns Goldcorp Inc. In die Kritik geriet as Unternehmen vor allem wegen mangelnden Umweltschutzes und fehlender Information und Einbindung der betroffenen Gemeinden. Die in dem Gebiet lebenden Maya-Gemeinden wurden im Vorfeld der Inbetriebnahme der Mine nicht konsultiert.

Die Interamerikanische Menschenrechtskommission forderte die guatemaltekische Regierung im Mai 2010 auf, die Bergbauaktivitäten in der Mine einzustellen und Maßnahmen gegen die dortige Umweltverschmutzung zu ergreifen, bis die Kommission eine endgültige Entscheidung über die von den indigenen Gemeinschaften eingereichte Beschwerde gefällt habe. Die Kommission wies die Regierung weiters an, alle erforderlichen Maßnahmen zum Schutz des Lebens und der körperlichen Unversehrtheit der Angehörigen der 18 indigenen Gemeinschaften der Region zu ergreifen. Trotz einer Zusicherung seitens der guatemaltekischen Regierung kam diese der Forderung bis heute nicht nach.

Helfen Sie mit.

Amnesty International fordert die guatemaltekischen Behörden auf, ihre Verantwortung für den effizienten Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen ernst zu nehmen, sodass diese ihre Tätigkeit gemäß der UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern von 1998 sicher und ohne Angst ausüben können.

Machen Sie mit. Fordern Sie eine gründliche und unparteiische Untersuchung des Angriffs auf Deodora Hernández und der Drohungen gegen Carmen Mejía sowie unverzügliche Schutzmaßnahmen der 18 Maya-Gemeinschaften.

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