Guatemala: Aktivistin gegen Bergbauprojekt angeschossen

UA-170/2012
AMR 34/003/2012
14. Juni 2012



Die Aktivistin Yolanda Oquelí, die sich gegen Bergbauaktivitäten einsetzt, wurde am 13. Juni 2012 in San José del Golfo angeschossen. Weitere lokale AktivistInnen sind in Gefahr.

Überfall nach Protestkundgebung

Am 13. Juni 2012 nahm Yolanda Oquelí an einer Protestveranstaltung vor einem Minengelände in San José del Golfo (etwa 35 Kilometer vom Zentrum von Guatemala-Stadt entfernt) teil. Am Heimweg mit dem Auto stellten sich ihr gegen 18.30 Uhr in der Nähe ihres Hauses zwei Männer auf einem Motorrad in den Weg und schossen mit einer Pistole auf sie. Yolanda Oquelí wurde von einer Kugel getroffen, die nur knapp ihre Leber verfehlte. Drei weitere Kugeln der Pistole des Kalibers 38 trafen ihren Wagen.

Lokale Menschenrechtsverteidigerin

Yolanda Oquelí befindet sich derzeit im Krankenhaus. Ihr Zustand ist kritisch, aber stabil.

Yolanda Oquelí ist Aktivistin und Leiterin der Organisation Frente Norte del Área Metropolitana (FRENAM), die mittels Protestveranstaltungen auf die negativen Auswirkungen eines Bergbauprojekts aufmerksam macht.

Geplantes Bergbauprojekt gegen die Willen der Menschen vor Ort

Seit März 2012 wird vor dem als "El Tambor" bezeichneten Minengelände (Verwaltungsbezirke San José del Golfo und San Pedro Ayampic) protestiert. Durch die Bergbauaktivitäten wird eine Verschmutzung des Trinkwassers befürchtet. Die lokalen Gemeinden wurden weder über die möglichen Folgen aufgeklärt noch zu dem Projekt konsultiert.

Die Betreiberfirma ist Exploraciones Mineras de Guatemala, S.A. (EXMIGUA), ein Tochterunternehmen des kanadischen Unternehmens Radius Gold Inc.

Morddrohungen gingen voran

Yolanda Oquelí wurde aufgrund ihres Engagements als Menschenrechtsverteidigerin seit August 2011 bedroht und schikaniert. So erhielten Yolanda Oquelí und weitere AktivistInnen Drohanrufe und Morddrohungen, einmal wurde ihr Haus mit Farbe beschmiert.

Sie zeigte diese Drohungen bei der Staatsanwaltschaft an, zuletzt am 11. März 2012.

Im Mai 2012 traf sich eine Delegation von Amnesty International mit Yolanda Oquelí.

AktivistInnen gegen Bergbauprojekte in Gefahr

MenschenrechtsverteidigerInnen, die sich in Guatemala für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte stark machen, werden oft zur Zielscheibe. AktivistInnen, die sich gegen Rohstoffindustrien wie beispielsweise Bergbau aussprechen, wurden in der Vergangenheit häufig tätlich angegriffen und schikaniert. Amnesty International dokumentierte zahlreiche solcher Fälle.

Die guatemaltekischen Behörden beziehen vor der Vergabe von Lizenzen für die Exploration und den Abbau von Mineralien die lokale Bevölkerung nur unzulänglich in die Entscheidungsprozesse ein. Auch der UN-Sonderberichterstatter über die Situation der Menschenrechte und Grundfreiheiten der Angehörigen indigener Bevölkerungsgruppen wies nach einem Besuch in Guatemala im Juni 2010 darauf hin, dass die guatemaltekische Regierung vielfach Lizenzen zum Abbau von Rohstoffen auf Landern der indigenen Völker erteilte, ohne zuvor den notwendigen Konsultationsprozess mit den betroffenen Gemeinschaften durchgeführt zu haben.

Helfen Sie mit.

Appellieren Sie an die guatemaltekischen Behörden und fordern Sie eine unabhängige Untersuchung über den Überfall auf Yolanda Oquelí.

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