Guatemala: Bewaffneter Überfall im Gewerkschaftsbüro

AMR 34/040/2005
UA-264/2005
14.10.2005


Gefährlicher Einsatz für Straßenhändler und Mindestlohn

Vier bewaffnete Personen haben auf das Büro einer Gewerkschaft einen Raubüberfall verübt, was offenbar dem Zweck dienen sollte, den Gewerkschaftsführer Miguel Angel Lucas Gómez einzuschüchtern. Der Gewerkschafter ist vor kurzem gegen den Bürgermeister eines Ortes rechtlich vorgegangen, um zu erwirken, dass Straßenhändler an öffentlichen Plätzen einen Gewerbeschein erhalten. Außerdem führt er einen heftigen Disput mit Wirtschaftsvertretern bezüglich der Einführung eines Mindestlohns und hat sich in einer Veröffentlichung über die mangelnde Transparenz bei der Beschaffung von Medikamenten bei der größten Krankenkasse des Landes für Arbeiter, dem "Instituto Guatemalteco de Securidad Social", beklagt. Amnesty International befürchtet daher, dass er und seine Kollegen in großer Gefahr sind.

Miguel Lucas ist der Generalsekretär der Dachorganisation von Gewerkschaften für Landarbeiter und Straßenhändlern (Central de Trabajadores del Campo de Guatemala - CTC) und Mitglied der Regierungskommission für einen Mindestlohn (Comisión Paritaria). Am 27. September 2005 gegen 12:30 Uhr erschienen drei Männer und eine Frau im Gebäude, wo sich das CTC-Büro befindet. Sie zwangen den Pförtner mit vorgehaltener Waffe sie hereinzulassen. Zwei der bewaffneten Männer drangen ins CTC-Büro im Erdgeschoss ein und die beiden anderen Täter in das Büro der Markthändlervereinigung (Asociacion de Comerciantes de Ferias de Guatemala - ACEFEGUA), die dem CTC angehört.

Im CTC-Büro sagten sie zu den Anwesenden, es handele sich um einen Überfall, und forderten sie auf, ihnen alles auszuhändigen. Zu dem Zeitpunkt befanden sich Miguel Lucas, zwei CTC-Mitarbeiter, ein italienischer Journalist und zwei Indigene in dem Büro. Man zwang sie, sich auszuziehen, während die Täter die Aktenschränke der CTC durchsuchten. Einer von ihnen hielt Miguel Lucas eine Pistole an den Kopf und wies ihn an, ihm die Wertsachen der Organisation zu übergeben, andernfalls würde er ihn töten. Er zählte bis drei und schlug dann mit der Schusswaffe auf ihn ein. Die Räuber flüchteten dann mit einer Kamera, persönlichen Wertgegenständen, den Ausweispapieren des Italieners und den Mobiltelefonen von Miguel Lucas und einem seiner Mitarbeiter.

Im Büro der ACEFEGUA durchsuchten die Täter nicht die Akten, stahlen aber den Computer sowie persönliche Wertgegenstände. Sie bedrohten die anwesenden Mitarbeiter, fügten ihnen aber keinen Schaden zu. In beiden Büros sprachen die Kriminellen ständig über ihre Mobiltelefone. Laut dem ACEFEGUA-Sekretär wies sie am anderen Ende eine weibliche Stimme an, "alles zu durchkämmen".

Vorangegangene Morddrohungen

Die CTC meldete den Raubüberfall, woraufhin die Polizei und Vertreter des Ombudsmanns für Menschenrechte (Procuradoría de Derechos Humanos - PDH) sowie der Staatsanwaltschaft (Ministerio Publico - MP) am Tatort erschienen. Im Laufe des Juli und August dieses Jahres hatte Miguel Lucas bereits mehrere Anrufe zu Hause erhalten, in denen ihm ein Mann mitteilte: "Wir wissen, dass du daheim bist. Wir wissen, wann du kommst und gehst, und wir werden da sein". Im August 2005 hat er deswegen seinen Telefonanschluss abgestellt.

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