Guatemala: Mord an Kleinbauer wurde anderem Kleinbauer angehängt

UA 90/02
AI Index: AMR 34/020/2002
25.3.2002


Mord in Zusammenhang mit Landstreitigkeiten
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Mord in Zusammenhang mit Landstreitigkeiten

José Benjamín Pérez Gonzáles wurde am 8. März 2002 im Zusammenhang mit Landstreitigkeiten in Guatemala getötet. Weitere Kleinbauern, die Augenzeugen des Vorfalles wurden, berichteten, dass der 21-jährige Mann zunächst von einem Polizisten verwundet und daraufhin von einem dort ansässigen Viehzüchter erschossen wurde, bei dem es sich um einen führenden Paramilitär handelt. Die Polizei beschuldigte jedoch den Kleinbauern Cecilio Méndez Hernández des Mordes. Man befürchtet, dass es zu weiteren gewaltsamen Ausschreitungen kommen könnte.

José Benjamín Pérez Gonzáles und Cecilio Méndez Hernández hatten Land auf der Bananenplantage Lanquin II in Morales im Departement Izabal bewirtschaftet, auf das sie Anspruch erhoben. Die guatemaltekische Bananengesellschaft BANDEGUA hat Teile der Plantage Lanquin II Viehzüchtern aus der Gegend zum Kauf angeboten, die großes Interesse daran haben, die Kontrolle über das Land zu gewinnen, und die Berichten zufolge die Bauern deshalb bedrohen und drangsalieren.

Am 8. März 2002 waren etwa 70 Bauern zu Fuß auf dem Weg zu ihren Feldern, um die Pflanzen gegen Schädlinge zu behandeln. Um sich selbst zu schützen, gingen sie in einer großen Gruppe. Sie begegneten einigen Viehzüchtern, die in einem Lastwagen vorbeifuhren und die kurz darauf mit rund 30 bewaffneten Männern zurückkehrten und die Straße blockierten. Die Polizei traf ein und rückte gegen die Bauern vor, woraufhin diese die Flucht ergriffen. Einige der Bauern sahen eigenen Angaben zufolge, wie der flüchtende José Benjamín Pérez zunächst von einem Polizisten in den Rücken geschossen wurde und wie dann ein als führender Paramilitär bekannter Mann den verwundet am Boden liegenden Bauern aus nächster Nähe erschoss. Die Polizei verhaftete jedoch Cecilio Méndez Hernández und legte ihm Mord und illegalen Waffenbesitz zur Last. Etwa 500 auf der Bananenplantage beschäftigte Arbeiter demonstrierten am 11. März 2002 für die Freilassung von Cecilio Méndez Hernández und forderten, dass die wahren Schuldigen vor Gericht gestellt werden.

Hintergrundinformationen

BANDEGUA ist die guatemaltekische Tochtergesellschaft des transnationalen Lebensmittelkonzerns Del Monte Fresh Produce. Im Jahr 1998 hatte der Orkan Mitch die Gebäude, die Ausrüstung und die Infrastruktur von Lanquin II und anderen Plantagen in Guatemala zerstört. Offenbar will BANDEGUA vermeiden, die Kosten für die Behebung der durch den Orkan oder auch durch zukünftige Naturkatastrophen verursachten Schäden tragen zu müssen, und versucht deshalb, die Plantage Lanquin II an Viehzüchter der Umgebung zu verkaufen, um die Bananen dann von ihnen zu beziehen.

BANDEGUA soll den Viehzüchtern das Land bereits verpachtet haben. Bevor sie es aber endgültig verkaufen kann, muss das Unternehmen mehr als 350 Kleinbauern vertreiben, die das Land für sich in Anspruch nehmen und sich dabei auf ein Abkommen berufen, das ihre Gewerkschaft SITRABI in der Vergangenheit mit BANDEGUA ausgehandelt hatte. In dem Bemühen, die Gewerkschaft zu schwächen, hatte BANDEGUA das Abkommen im Jahr 1999 gebrochen, indem sie 918 Arbeiter ohne rechtliche Grundlage entließ, darunter auch die 350, die Land auf dem Gebiet der Plantage Lanquin II beanspruchen.

Wenige Monate danach stürmten bewaffnete Männer, darunter auch Viehzüchter, eine Halle, in der SITRABI eine Protestveranstaltung gegen die Entlassungen durchführte. Zu ihrer eigenen Sicherheit sahen sich die Gewerkschaftsführer gezwungen, ihre Ämter niederzulegen. Später flohen sie ins Exil. Örtliche Kleinbauernvereinigungen versuchten, den Konflikt friedlich zu lösen, und BANDEGUA stimmte im Jahr 2000 zu, die entlassenen Arbeiter zu entschädigen und kein Land an diejenigen zu vergeben, die an dem Überfall auf die Protestveranstaltung der Gewerkschaft beteiligt gewesen waren. Die Kleinbauernvereinigungen vertreten außerdem den Standpunkt, dass das Land der Lanquin-Il-Plantage eigentlich nicht BANDEGUA, sondern der Regierung von Guatemala gehört. Im Friedensabkommen von 1996 ist festgelegt, dass in staatlicher Hand befindliches Land dazu benutzt werden soll, "den Zugang der Kleinbauern zu eigenem Land zu fördern" ("promover el acceso de los campesinos a la propiedad de la tierra"). Dieser Passus bedeutet nach Auffassung der Kleinbauern, dass das Land an sie verteilt werden soll.

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Adressen:

Sr. Leopoldo Sandoval Villeda
Ministro de Agricultura, Ganadería y Nutrición
Ministerio de Agricultura, Ganadería y Nutrición
Edifio Monja Blanca
7ª Avenida 12-90 Zona 13
Ciudad de Guatemala

Fax: (+502) 332 8302
email: magadest@intelnet.net.gt

Anrede: Dear Minister,

Señor Director
Fondo de Tierras
7 Avenida 8-92, Zona 9
Ciudad de Guatemala
REPUBLIK GUATEMALA

Fax: (00 502) 334 6373, (00 502) 334 6376, (00 502) 334 2422

Anrede: Dear Director,

(Direktor für Landfinanzierung ein im Rahmen des Friedensabkommens eingerichtetes Amt, das die öffentlichen Gelder für den Kauf von Land verwaltet sowie für die Landumverteilung [reordenamiento territorial], für einen transparenten Grundstücksmarkt etc. zuständig ist)

Musterbrief (englisch):

Dear Minister,

I was shocked to read that José Benjamín Pérez Gonzáles was shot dead while police were present, on 8 March, on the Lanquin II banana plantation in Izabal, after he was wounded by a police officer. I urge that those responsible will be brought to justice.

I am very concerned that Cecilio Méndez Hernández has been arrested for the killing, and urge that if investigations prove him innocent as claimed, he be immediately released and compensated for wrongful arrest.

Furthermore, I demand the protecttion of the dismissed BANDEGUA workers who have remained on the Lanquin II lands, to ensure their safety until the dispute is settled.

Finally, I urge to prevent further violence by addressing the issues raised by the Lanquin II land conflict as soon as possible. I remind you that under the 1996 Accord on Socio-economic Issues and the Agrarian Situation, part of the Peace Accords, the government is to "develop an integrated strategy in rural areas that will facilitate the access of peasant farmers to the land and other productive resources, offer judicial redress and promote the resolution of conflicts." ("Que en el área rural es necesaria una estrategia integral que facilite el acceso de los campesinos a la tierra y otros recursos productivos, que brinde seguridad jurídica y que favorezca la resolución de conflictos.")

Sincerely,

Musterbrief (deutsch):

Sehr geehrter Herr Minister!

Ich bin zutiefst bestürzt, dass José Benjamín Pérez Gonzáles am 8. März 2002 auf der Bananenplantage Lanquin II in Izabal von einem Polizisten verwundet und dann in Anwesenheit der Polizei erschossen wurde. Ich fordere, dass die Verantwortlichen vor Gericht gebracht werden.

Ich bin sehr besorgt, dass Cecilio Méndez Hernández wegen des Mordes an José Benjamín Pérez Gonzáles verhaftet wurde, und fordere dringend, dass er umgehend freigelassen und für die rechtswidrige Festnahme entschädigt wird, wenn die Untersuchungen seine Unschuld erweisen.

Weiters fordere ich sie auf, die Sicherheit der von BANDEGUA entlassenen Arbeiter, die auf der Plantage Lanquin II geblieben sind, zu gewährleisten, bis die Landstreitigkeiten geschlichtet worden sind.

Abschließend fordere ich, dass Sie weitere Gewalttaten verhindern, indem sie die Konflikte lösen, die aus den Landstreitigkeiten auf der Lanquin-II-Plantage entstanden sind, und möchte Sie daran erinnern, dass das "Abkommen über sozio-ökonomische Aspekte und die Lage der Landwirtschaft" (Accord on Socio-economic Issues and the Agrarian Situation), das ein Teil des Friedensabkommens von 1996 ist, die Regierung verpflichtet, "eine Strategie in den ländlichen Gebieten zu entwickeln, die den Kleinbauern den Zugang zu Land und zu anderen Produktionsmitteln erleichtert, ihnen rechtliche Entschädigung anbietet und die Konfliktlösung fördert." ("Que en el área rural es necesaria una estrategia integral que facilite el acceso de los campesinos a la tierra y otros recursos productivos, que brinde seguridad jurídica y que favorezca la resolución de conflictos.")

Hochachtungsvoll