Honduras: Angriffe gegen JournalistInnen

UA-263/2009
AMR 37/007/2009
2. Oktober 2009

Aktion läuft bis 13. November 2009.


JournalistInnen der Radiosender "Radio Globo", "Canal 36" und "Radio Progeso" im Visier


Dina Meza, Journalistin in Honduras, erhielt 2007 einen AI-Medienpreis für kritische Berichterstattung. © Amnesty International

Seit der Machtergreifung des De-facto-Präsidenten Roberto Micheletti am 28. Juni werden Medienschaffende immer wieder angegriffen. Der Direktor einer Rundfunkstation berichtete von Bedrohungen seit dem 23. September, und ein Fotograf einer Zeitung wurde entführt und gefoltert.

Maulkorberlass

Am 26. September erließ Roberto Micheletti eine Verordnung (Verordnung PCM-M-016-2009), nach der Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehstationen geschlossen werden können, wenn sie "BeamtInnen beleidigen" oder "den Frieden und die öffentliche Ordnung gefährden". Eine Rundfunk- und eine Fernsehstation wurden bereits geschlossen.

Razzia bei "Radio Globo"

Am 28. September 2009 um 5:20 Uhr erschienen SoldatInnen und PolizistInnen bei der Redaktion des Rundfunksenders "Radio Globo". Lauthals befahlen sie den MitarbeiterInnen herauszukommen und schossen das Türschloss auf. Verzweifelt sprangen einige JournalistInnen aus dem Fenster; einer von ihnen brach sich dabei den Arm. Sobald sich die SoldatInnen und PolizistInnen Zugang zu dem Gebäude verschafft hatten, nahmen sie die komplette Ausrüstung von "Radio Globo" mit und zerstörten weitere Gegenstände. JournalistInnen von "Radio Globo", die sich außerhalb des Gebäudes befanden, berichteten, sie seien von den Sicherheitskräften fotografiert und schikaniert worden. Weitere MitarbeiterInnen, die sich noch im Gebäude befanden, wurden festgenommen und geschlagen.

Am selben Tag schlossen die Sicherheitskräfte den Fernsehsender "Canal 36".

Entführung eines Fotografen

Der Fotograf Delmer Membreño, der für die Wochenzeitung "El Libertador" arbeitet, wurde von vier vermummten Männern in einen roten Pickup gezerrt, als er die Vorfälle bei "Radio Globo" und "Canal 36" dokumentieren wollte. Die Männer stülpten ihm eine Mütze über den Kopf und fuhren mit ihm davon. Nach rund anderthalb Stunden hielten sie an, zerrten ihn aus dem Auto und hielten ihm eine Pistole an den Kopf. Einer der Männer schrie: "Nehmt ihm die Mütze vom Kopf. Ich will seine Augen sehen, wenn ihr ihn tötet." Ein anderer sagte: "Nein, tötet ihn nicht. Vielleicht lassen wir ihn lieber am Leben, damit er dem Direktor [von "El Libertador", Johnny Lagos] ausrichten kann, dass wir mit ihm noch viel schlimmere Sachen anstellen werden." Daraufhin schlugen die Männer ihn, fügten ihm mit Zigaretten an Gesicht und Oberkörper Verbrennungen zu und ließen ihn schließlich außerhalb der Hauptstadt Tegucigalpa frei. Am 30. September erhielt Delmer Membreño in seinem Zuhause einen Anruf von einem Mann, der nur "Ihr Hunde" sagte.

Angespannte Lage seit dem Staatsstreich

Der demokratisch gewählte Präsident José Manuel Zelaya Rosales wurde am 28. Juni von einer Gruppe vom Militär unterstützter PolitikerInnen gestürzt, die vom ehemaligen Vorsitzenden des Nationalkongresses, Roberto Micheletti, angeführt wurde. Seitdem kam es überall im Land zu Unruhen mit häufigen Zusammenstößen zwischen der Polizei, dem Militär und Demonstrierenden. Seit dem 28. Juni sollen mindestens sieben Menschen unter ungeklärten Umständen zu Tode gekommen sein.

Helfen Sie mit.

Appellieren Sie an De-Facto-Präsident Roberto Micheletti, die Verordnung PCM-M-016-2009 aufzuheben und Medienschaffende ihre Arbeit tun zu lassen, ohne dass sie angegriffen, bedroht oder eingeschüchtert werden.

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