Honduras: Landrechtsaktivistin und Kleinbauerngewerkschafterin getötet

UA-219/2014
AMR 37/010/2014
2. September 2014

Gültigkeit: Sie können an dieser Aktion bis zum 14.10.2014 teilnehmen.



Die Landrechtsaktivistin Margarita Murillo wurde am 27. August 2014 im Nordwesten von Honduras erschossen. Weitere Mitglieder des Verbands sowie ihre Familienangehörigen könnten in Gefahr sein.

Am Morgen des 27. August wurde die 56-jährige Margarita Murillo in der Gemeinde El Planón in der Nähe der Stadt Villanueva im Departamento Cortés bei der Arbeit auf dem Feld durch Schüsse ins Gesicht und in die Brust getötet. Zuvor hatte sie den Behörden gemeldet, dass sie seit ein paar Tagen beschattet werde und Drohungen erhalte. Am Wochenende des 30. August versuchten Polizeibeamt_innen in die Wohnung von Margarita Murillos Tochter einzudringen, mit der Begründung, dass diese Maßnahme ein Teil der Ermittlungen zu Tod ihrer Mutter sei.

Einsatz für Landrechte

Margarita Murillo war die Vorsitzende des Kleinbauernverbands Empresa Asociativa Campesina de Producción Las Ventanas und auch aktives Mitglied des Sozialforums Foro Socail del Valle de Sula. Sie setzte sich mehr als 40 Jahre lang für die Rechte von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen und für verbesserte Lebensbedingungen ein. In den 1980er Jahren wurde Margarita Murillo wegen ihres Engagements verfolgt und gefoltert.

Sie war ein Gründungsmitglied der nationalen Kleinbauerngewerkschaft Central Nacional de Trabajadores del Campo und der Partei Libertad y Refundación (LIBRE), die nach dem Staatsstreich im Juni 2009 entstanden war. Im Rahmen der damit verbundenen gewaltsamen Konflikte verschwand Margarita Murillos 23-jähriger Sohn, der erst einige Wochen später gefunden wurde. Seit dem Staatsstreich hatte die Interamerikanische Menschenrechtskommission die honduranischen Behörden aufgefordert, Schutzmaßnahmen für Margarita Murillo einzuleiten. Allerdings sind diese Maßnahmen nie umgesetzt worden.

Gefahr für Verbandsmitglieder

Im April 2014 war ein weiteres Verbandsmitglied unter bisher noch ungeklärten Umständen getötet worden.

In Honduras kämpfen kleinbäuerliche Gemeinden seit langem für ihre Rechte und eine gerechte Landverteilung. Oft setzen sie dafür ihr Leben aufs Spiel. Die Asociación Nacional de Campesinos de Honduras und andere Verbände setzen sich für die Verabschiedung eines umfassenden Agrargesetzes ein, das auch den Gender-Aspekt und die verschiedenen Bedürfnisse der kleinbäuerlichen Gemeinden mit einschließt.

Menschenrechtsverteidiger_innen in Gefahr

Menschenrechtsverteidiger_innen sind in Honduras einem besonders hohen Risiko ausgesetzt. Laut dem Beauftragten für Menschenrechte in Honduras wurden seit Januar 2010 insgesamt 30 Journalist_innen und 70 Anwält_innen getötet.

Im Juni 2014 diskutierte der Kongress von Honduras den ersten Entwurf eines Gesetzes zum Schutz von Journalist_innen, Menschenrechtsverteidiger_innen und Angestellten des Justizsystems (Ley de Protección para los Defensores de Derechos Humanos, Periodistas, Comunicadores Sociales y Operadores de Justicia). Dieser Entwurf wurde nun Organisationen der Zivilgesellschaft vorgelegt in der Absicht, ihre Vorschläge und Empfehlungen zu sammeln. Weitere Diskussionen dauern noch an. In Anbetracht der Gewalt gegen Menschenrechtsverteidiger_innen, Journalist_innen und Angestellte des Justizsystems ist es absolut notwendig, dass das Gesetz verabschiedet und umgesetzt wird und dass ausreichende Ressourcen, finanziell sowie personell, aufgewendet werden, um einen wirksamen Schutzmechanismus einzurichten.

Helfen Sie mit.

Fordern Sie von den Behörden eine unabhängige Untersuchung der Tötung von Margarita Murillo und Schutz für ihre Angehörigen und Kolleg_innen.


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