Bhopal/Indien: Polizei reagiert mit Prügel auf Wunsch nach Trinkwasser

AI Report ASA 20/022/2005
News Service No: 131
19. Mai 2005


Brutale Polizeigewalt

Amnesty International ist besorgt über die übermäßige Gewalt, mit der die Polizei am 17. Mai 2005 gegen rund 300 DemonstrantInnen, darunter Frauen und Kinder, in Bhopal (indischer Bundesstaat Madhya Pradesh) vorgegangen ist.

Die DemonstrantInnen hatten, ohne aufgehalten zu werden, kurz vor Mittag das Gebäude des Bhopal Gas Tragedy Relief and Rehabilitation Office in Bhopal betreten. Eine Stunde später tauchten Sicherheitskräfte, darunter 15 Polizisten in Kampfanzug, auf und teilten den DemonstrantInnen mit, dass keiner der Zuständigen bereit wäre, sie zu empfangen. Daraufhin trieb die Polizei die DemonstrantInnen mit Gewalt aus dem Gebäude: sie stieß die Menschen die Stiegen hinunter und hieb mit Stöcken auf sie ein. Sieben DemonstrantInnen wurden verhaftet und vier Stunden in Polizeigewahrsam gehalten.

Forderung nach sauberen Trinkwasser

Die DemonstrantInnen forderten vom Bundesstaat Madhya Pradesh die Umsetzung eines Urteils des Obersten Indischen Gerichtshofes vom 7. Mai 2004. Dieser hatte angeordnet, dass Madhya Pradesh den betroffenen AnrainerInnen sauberes Trinkwasser bereit stellen müsse, da das Grundwasser seit der Gaskatastrophe im Jahr 1984 kontaminiert ist und das Gelände noch immer nicht gereinigt wurde. Bhopal-Katastrophe

Im Dezember 1984 waren über 35 Tonnen Giftgas aus einer Pestizidfabrik des multinationalen US-Konzerns Union Carbide Corporation (heute Dow Chemical) in Bhopal ausgetreten. Über 7.000 Menschen starben unmittelbar; weitere 15.000 Menschen kamen in die Folgejahren um. Nähere Informationen finden Sie unter der "Bhopal/Indien: 20 Jahre Warten auf Gerechtigkeit".

Helfen Sie mit.

Amnesty International fordert eine unverzügliche und gründliche Untersuchung des Vorfalls und gegebenenfalls eine strafrechtliche Verfolgung der PolizistInnen.

Darüber hinaus unterstützt AI die Bhopal-Opfer in ihrer Forderung nach Reinigung des kontaminierten Geländes und nach sauberem Trinkwasser. Eine wesentliche Verantwortung kommt neben dem Bundesstaat Madhya Pradesh dem Verursacher Union Carbide Corporation, das 2001 von Dow Chemical übernommen wurde, zu.

Appellieren Sie an das verantwortliche Unternehmen!


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