Indien: Geflohene Leibeigene in Gefahr - Sturm der Grundbesitzer auf eine Menschenrechtsorganisation gegen Sklaverei

ASA 20/03/00



Gewaltsamer Versuch der Entführung von Leibeigenen

Im indischen Bundesstaat Punjab versuchten Grundbesitzer, Menschen gewaltsam zu entführen. Die Opfer waren Leibeigene, die zur Abarbeitung ihrer Schulden von Landbesitzern zur unbezahlten Fronarbeit verpflichtet worden waren und in das Büro in Phillaur ansässigen Menschenrechts-organisation für Leibeigene "Volunteers for Social Justice" geflohen waren.

Am 7. Februar 2000 kamen mehrere Grundbesitzer zum Büro von "Volunteers for Social Justice" und fragten nach dessen Koordinator Jai Singh, der nicht da war. Nach einiger Zeit begannen die Grundbesitzer vor dem Büro Singhs Tochter und den geflohenen Leibeigenen Amar Singh, der bei "Volunteers for Social Justice" Schutz gesucht hatte, zu provozieren. Nach einem Streitgespräch rannte Amar Singh zum Büro, um dort Hilfe zu holen. Die Grundbesitzer folgten ihm und konnten sich auf diese Weise gewaltsam Zutritt ins Büro erzwingen. Sie versuchten, weitere schutzsuchende Fronarbeiter aus dem Büro zu entführen. Sie verprügelten die verängstigten Leibeigenen. Zum Glück hatten sie keinen Erfolg mit den Entführungen und zogen wieder ab.

"Volunteers for Social Justice" verständigte sofort die Polizei. Diese kam erst nach zwei Tagen, als der Druck von lokalen Medien und der Öffentlichkeit zu groß wurde.

Systematische Schikanierung

Leibeigenschaft, eine Form von Sklaverei, ist in Indien zwar vom Gesetz her verboten, ist aber in der Realität ein weitreichendes Phänomen.

In einem Gesetz zur Abschaffung von Leibeigenschaft und Fronarbeit ist vorgesehen, Fälle von Leibeigenschaft vor lokale Gerichte zu bringen, die die Freilassung der Leibeigenen, die Wiedergutmachung an ihnen und die Einsetzung für Schutzkomitees beschließen. Aber die Arbeitergeber wissen zu verhindern, daß die Behörden ihren Aufgaben nachkommen. Hinzu kommt, daß die Fronarbeiter ihre Rechte nicht kennen. Wenn sie sich aus der Leibeigenschaft zu befreien versuchen, sind sie massiver Verfolgung seitens der Grundbesitzer ausgesetzt. "Volunteers for Social Justice" ist eine von mehreren Menschenrechtsorganisationen in Indien, die sich der Fronarbeiter annimmt und ihre Freilassung aufgrund von Eingaben bei Gericht zu erreichen versucht.

So brachte am 10. Dezember 1999 "Volunteers for Social Justice" den Fall von Amar Singh und Charan Singh, einem weiteren Leibeigenen, vor das örtliche Gericht. Aber es geschah nichts, das Gericht ordnete nicht die Aufhebung der Leibeigenschaft der beiden Männer an, und Ende Dezember flüchteten sich die beiden Männer in das Büro von "Volunteers for Social Justice". Im Gegenzug wurden Verwandte der beiden Männer im Auftrag der Grundbesitzer bedroht. Amar Singhs Schwager und Charan Singh Schwiegersohn wurden mehrmals von der Polizei aufgehalten und mit Haft bedroht, falls die beiden Leibeigenen nicht zur Arbeit zurückkehrten oder den Grundbesitzer Geld "zurück"zahlten.

Wie können Sie mithelfen?

Schreiben Sie an die Behörden. Fordern Sie den Schutz der Fronarbeiter sowie der Menschenrechtsorganisationen! Schicken Sie den Musterbrief an die Behörden in Indien.

Adressen:

Mr. Prakash Singh Badal
Chief Minister of Punjab
Office of the Chief Minister
Civil Secretariat
Chandigarh
Punjab
India

Director General of Police, Punjab
Police Headquarters
Chandigarh
Punjab
India

Fax: +91 172 740 936
Anrede: Dear Chief Minister,

Fax: +91 172 740 9011
Anrede: Dear Director General,


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