Indien: Tödliche Polizeigewalt bei Arbeiterprotesten

ASA 20/14/00


Demonstration der Teearbeiter endete mit Ermordungen
Hintergrund: Monatelanger Arbeitskampf
Im Fluß zu Tode geprügelt
Falsche Obduktionsergebnisse
Helfen Sie mit!


Demonstration der Teearbeiter endete mit Ermordungen

Am 23. Juli 1999 wurden in der Stadt Tirunelveli im Bundesstaat Tamil Nadu 17 Menschen getötet, als die Polizei einen friedlichen Protestmarsch gewaltsam attackierte. Die Kundgebung, die von verschiedenen politischen Parteien organisiert worden war, sollte die Teearbeiter in ihrem Arbeitskampf und bei ihrer Forderung nach der unverzüglichen Freilassung von 652 Kolleginnen und Kollegen unterstützen.

Hintergrund: Monatelanger Arbeitskampf

Die Teearbeiter der Bombay Burmah Handelsgesellschaft hatten seit mehr als einem Jahr bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne gefordert. Am 7. Juni 1999 hatten sie eine Demonstration in Tirunelveli abgehalten, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Dabei wurden 454 Arbeiter verhaftet. Am darauf folgenden Tag wurden 198 Arbeiterinnen, die vor Ort einen Hungerstreik begonnen hatten, gemeinsam mit ihren Kindern verhaftet.

Im Fluß zu Tode geprügelt

Bei der - im übrigen von den Behörden genehmigten - Demonstration am 23. Juli 1999 wurden die OrganisatorInnen gewaltsam von der Polizei daran gehindert, das Bezirksamt zu betreten. Die Polizisten verprügten die DemonstrantInnen, setzten Tränengas ein und feuerten in die Menge. Sie trieben Hunderte von Protestierenden in den nahegelegenen Thamiraparani-Fluß. Dabei kamen 17 Menschen, darunter zwei Frauen und ein zweijähriges Kind, ums Leben.

Am 26. Juli 1999 gab die Polizei nach der Bergung der Leichen die Zahl der Toten offiziell bekannt. Genau am gleichen Tag wurden auch alle 652 verhafteten Arbeiterinnen und Arbeiter der Teefabrik freigelassen.

Falsche Obduktionsergebnisse

Laut offiziellen Obduktionsberichten sollen die Menschen durch Ertrinken gestorben sein; Verletzungen, die die Leichen aufwiesen, wurden mit keinem Wort erwähnt. Fotos, die im Spital aufgenommen worden waren, bewiesen jedoch, dass die meisten Opfer ihren Kopfverletzungen infolge der Knüppelhiebe der Polizisten am Ufer erlegen waren. Die Angehörigen der Toten suchten um eine Wiederaufnahme der Obduktionen, die von unabhängigen Ärzten durchgeführt werden sollten, an. Dies wurde sowohl von der Regionalregierung als auch vom Obersten Gerichtshof abgelehnt.

Seit den Demonstrationen letzten Sommer brachte die Polizei in regelmäßigen Abständen Berichte heraus, in denen die Demonstranten verunglimpft und des gewaltsamen Protests angeklagt wurden.

Amnesty International ist besorgt, dass die Arbeiten der von der Regionalregierung eingesetzten Untersuchungskommission weiterhin verschleppt werden. Vorladungen an die zuständigen Beamten stießen bisher auf taube Ohren. Die Aufklärung der Vorfälle vom 23. Juli 1999 wäre eine wichtige Voraussetzung, damit die Teearbeiter den Kampf um ihre Rechte in einem sichereren Klima fortsetzen können.

Helfen Sie mit!

Schreiben Sie auf Englisch oder Deutsch höfliche Briefe an die Regionalregierung von Tamil Nadu, in denen Sie den raschen Abschluss der - unabhängig zu führenden - Untersuchung fordern. Schicken Sie dien Musterbriefe ab.

Mr. Karunandhi
Chief Minister of Tamil Nadu
Office of the Chief Minister
Chennai
600 022
Tamil Nadh
India

Musterbrief

Mr. KK Rajasekharan
Director General of Police
Police Headquarters
Madras
Tamil Nadu
India

Musterbrief


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