Italien: Modernes Sklaventum auf italienischen Feldern

Index: EUR 30/020/2012 und EUR 30/021/2012, publiziert im Dezember 2012

Aktion zum Tag der Arbeit 2013

Gültigkeit: Sie können an dieser Aktion bis 31. Juli 2013 teilnehmen.

Der 1. Mai ist der internationale Tag der Arbeit.



© Amnesty International

Arbeitstage von zehn bis zwölf Stunden an sechs bis sieben Tagen pro Woche für einen Stundenlohn von drei bis vier Euro. Dies ist Realität für tausende Erntearbeiter_innen aus Afrika und Asien, die sich in Mittel- und Süditalien in der Landwirtschaft verdingen.

Erntearbeiter_innen arbeiten und leben unter menschenverachtende Umständen

Sie kommen zu Beginn der Saison im Herbst in die landwirtschaftlichen Gebiete und bleiben bis Frühling. In notdürftigen selbst errichteten Containerlagern oder stillgelegten Fabriken schlagen sie ihr Quartier auf. Um fünf Uhr morgens machen sie sich auf den Weg zu Kreuzungen vor den Städten, um für die Arbeit auf den Plantagen mitgenommen zu werden. Das „Gangmastering“-System blüht: Migrant_innen gelangen über Mittelsmänner an die Arbeitgeber_innen, diese kassieren dafür bis zu einem Viertel des Lohnes.

Erntearbeiter_innen werden um Lohn betrogen

So niedrig der Lohn auch sein mag – nicht einmal dieser wird immer wie vereinbart ausgezahlt. Die Arbeitgeber_innen machen sich zunutze, dass Migrant_innen kaum eine Chance haben, ihre Rechte einzufordern. Denn die meisten haben keinen legalen Aufenthaltstitel und fürchten Abschiebung, falls sie sich an die Behörden wenden.

Migrationsgesetze forcieren Ausbeutung

Voraussetzung für eine Aufenthaltsgenehmigung, die für die Saisonarbeiter_innen für zwei Jahre gilt, ist ein Vertrag mit der/dem Arbeitgeber_in bereits vor der Einreise nach Italien. Somit sind die Migrant_innen von der Kooperation der Arbeitgeber_innen abhängig, da diese die Papiere der Migrant_innen bei den Behörden anfordern müssen. Fast die Hälfte aller Arbeiter_innen in der Landwirtschaft, mit denen Amnesty-Mitarbeiter_innen während ihrer Recherchen vor Ort sprachen, hörten falsche Versprechungen, dass sich die Arbeitgeber_innen um ihre Papiere kümmern würden. Manche Migrant_innen bleiben auf eine Aufenthaltsgenehmigung hoffend mehrere Monate oder Saisonen bei Arbeitgeber_innen, selbst wenn diese den Lohn nicht auszahlen.

Viele Migrant_innen zahlen ihren Arbeitgeber_innen für die Organisation der Papiere. Darüber hinaus blüht das Geschäft mit Visa und Aufenthaltsgenehmigungen. Kostenpunkt: Mehrere tausend Euro.

„Ich arbeite neun bis zehn Stunden pro Tag von Montag bis Samstag und fünf Stunden am Sonntag morgen für drei Euro die Stunde. Mein Arbeitgeber sollte mir 600 bis 700 Euro pro Monat zahlen. Allerdings hat mir mein Arbeitgeber die letzten sieben Monate nur einen Teil meines Gehalts ausgezahlt – gerade 100 Euro zur Abdeckung meiner Lebenskosten. Meine Familie in Indien musste sich bei anderen Familien Geld ausborgen. Ich habe keinen Vertrag mit dem Arbeitgeber, daher kann ich nicht gehen, sonst würde ich das gesamte Geld verlieren. Ich kann nicht zur Polizei gehen, weil ich keine Papiere habe.“ (Erntearbeiter aus dem Punjab)


© Valerio Rinaldi

Amnesty-Recherchen

Amnesty International sprach mit Migrant_innen sowie Mitarbeiter_innen von Gewerkschaften, NGOs und Behörden in den Erntegebieten Italiens. Der Amnesty-Bericht beschreibt die Ausbeutung der Migrant_innen und enthält Forderungen, um diese zu beenden.

Helfen Sie mit.

Fordern Sie von den italienischen Behörden:

Unterschreiben Sie die aktuelle Amnesty-Petition (gültig bis Ende Juli 2013):


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