Kolumbien: Erschütternde Bilanz zum 1. Mai: Morde an GewerkschafterInnen nehmen zu

AI-News, 30. April 2008


Weltweit wird in Kundgebungen dem 1. Mai, dem Tag der Arbeit, gedacht. Und immer noch, knapp 60 Jahre nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die in Artikel 23 jedem Menschen gewährt, Gewerkschaften zu gründen und ihnen beizutreten, werden GewerkschafterInnen gewaltsam unterdrückt.

Jahr für Jahr sticht Kolumbien mit systematischen Menschenrechtsverletzungen an GewerkschafterInnen hervor. Allein heuer wurden bislang 22 GewerkschafterInnen ermordet (siehe auch die UAs auf dieser Website). Für die Morde an GewerkschafterInnen sind in den meisten Fälle paramilitärische Gruppen, oft mit Billigung oder Unterstützung durch staatliche Sicherheitskräfte, verantwortlich.

Als Reaktion auf den im Juli 2007 erschienenen AI-Bericht zum Alltag von GewerkschafterInnen in Kolumbien verwies die kolumbianische Regierung auf deutliche Verbesserungen der Menschenrechtssituation für GewerkschafterInnen. AI zeigte in diesem Bericht einen Rückgang der Morde an GewerkschafterInnen im Vergleich zu Beginn der 2000er Jahre auf, nutzt dennoch diesen 1. Mai, um die kolumbianische Regierung an ihre Verantwortung zu erinnern, GewerkschafterInnen zu schützen - was angesichts der dramatischen Entwicklungen des heuigen Jahres mehr denn je nötig ist. Trotz der Beteuerungen der kolumbianischen Regierung, dass die Menschenrechtsverletzungen an GewerkschafterInnen nicht im Zusammenhang mit dessen/deren gewerkschaftlichen Aktivitäten stünden, zeigt sich in der Realität eine Zunahme an Morddrohungen und Morden an GewerkschafterInnen in Zeiten von Arbeitskonflikten.

Amnesty International ruft an diesem 1. Mai 2008 die kolumbianische Regierung auf, entschlossen Maßnahmen zu setzen, um diese Menschenrechtskrise für GewerkschafterInnen zu beenden.

Gekürzte deutsche Fassung, erstellt von der AI-Arbeitsgruppe für verfolgte GewerkschafterInnen; für das englische Original siehe http://www.amnesty.org/en/news-and-updates/feature-stories/killings-trade-unionists-rise-colombia-20080430