Kolumbien: Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bedroht

UA-103/2013-2
AMR 23/013/2014
27. März 2014

Gültigkeit: Sie können an der Aktion bis 8. Mai 2014 teilnehmen.



Ein führender Vertreter der kleinbäuerlichen Gemeinschaften der Farm El Tamarindo im Norden Kolumbiens erhielt am 25. März eine Morddrohung. Einige Tage zuvor hatten mehrere bewaffnete Männer, vermutlich Paramilitärs, Kleinbauern und -bäuerinnen von El Tamarindo angegriffen und bedroht, nachdem 43 Familien von ihrem Land vertrieben worden waren.

Persönliche Morddrohung

Am 25. März 2014 befand sich Juan Martínez, ein führender Vertreter der Vereinigung der Landarbeiterinnen und -arbeiter (Asociación de Trabajadores del Campo, ASOTRACAMPO), in seinem Zuhause auf der Farm El Tamarindo im Verwaltungsbezirk Galapa, Departamento Atlántico, als eine mit einer bewaffneten Gruppe, wahrscheinlich Paramilitärs, in Verbindung stehende Frau drohte: "Bis heute bist du am Leben, Juancito; wir haben schon Leute, um dich zu töten" (Hasta hoy está vivo Juancito, ya tenemos a la gente para que lo maten).

Angehalten auf der Straße

Am 22. März 2014 versperrten 15 mit Macheten bewaffnete Männer, vermutlich Paramilitärs, die Ausfahrtsstraße der Farm El Tamarindo. Sie hielten das Auto an, in dem Kleinbauern und -bäuerinnen der Farm El Tamarindo unterwegs waren, und versuchten, Juan Martínez aus dem Auto zu zerren. Außerdem schlugen sie auf Rainil Marmolejo ein, ebenfalls Mitglied von ASOTRACAMPO und Fahrer des Wagens. Einer der bewaffneten Männer sagte: "Nehmt euch in Acht, denn hierbei wird es nicht bleiben." Später am Tag drohte einer der bewaffneten Männer, die Häuser der Kleinbauernfamilien niederzubrennen. Am 21. März waren 43 auf der Farm El Tamarindo ansässige Familien aufgrund einer Anordnung der Bürgermeisterin von Barranquilla aus Campo Natasha vertrieben worden.

Vereinigung der Landarbeiter_innen

ASOTRACAMPO vertritt die Interessen einiger der Familien, die auf dem Gelände der Farm El Tamarindo leben. Die Farm wird seit 2001 von rund 130 Familien, die im Verlauf des bewaffneten Konfliktes vertrieben worden waren, friedlich besetzt. In der Vergangenheit hat es wiederholt Versuche gegeben, sie erneut von dem Land zu vertreiben, was zu der rechtswidrigen Zwangsräumung einiger Familien im Mai, Juni, Juli und November 2013 führte. Am 30. Oktober 2013 wurden sie von der paramilitärischen Gruppierung "Rastrojos - Comandos Urbanos Barranquilla" zu militärischen Zielen erklärt.

Langjähriger bewaffneter Konflikt

Im Laufe des schon seit Jahrzehnten währenden bewaffneten Konflikts sind Millionen Hektar Land geraubt worden. Dies geschah häufig unter Einsatz von Gewalt gegen die rechtmäßigen EigentümerInnen, insbesondere indigene, afrokolumbianische und kleinbäuerliche Gemeinschaften. Die verschiedenen Konfliktparteien - Guerillagruppen sowie Paramilitärs und Sicherheitskräfte, die entweder allein oder im Einvernehmen miteinander handeln - haben mehr als fünf Millionen Menschen aus ihrem Zuhause vertrieben.

Etwa 130 Familien, die im Verlauf des seit Jahrzehnten währenden bewaffneten Konfliktes in Kolumbien gewaltsam aus ihrem Zuhause in den Gemeinden Cesar, Córdoba, Magdalena und Sucre vertrieben worden waren, besetzten 2001 auf der verlassenen Farm El Tamarindo im Department Atlántico 120 Hektar Land. 2007 verkündeten die Behörden des Departamentos, dass eine Freihandelszone in einem Gebiet errichtet würde, das auch die Farm El Tamarindo einschließt. 2008 leitete ein lokales Unternehmen rechtliche Verfahren zur Beanspruchung des Landes ein.

Paramilitärs unterstützten Geschäftsinteressen

Eine Gruppe bewaffneter Männer, vermutlich Paramilitärs, die in dem mit Geschäftsinteressen verbundenen Gebiet agieren, hat mehrfach Morddrohungen gegen die in El Tamarindo lebenden Kleinbauerngemeinschaften ausgesprochen. Bei dem Versuch, am 28. Januar 2012 einen Räumungsbefehl zur Vertreibung der kleinbäuerlichen Gemeinschaften durchzusetzen, setzten die lokalen Zivilbehörden Sicherheitskräfte ein. Grundlage der Räumungsbefehle waren wirtschaftliche Interessen von einflussreichen Unternehmen, die Besitzansprüche auf das Grundstück erheben. Lokale Paramilitärs bedrohten die Kleinbauerngemeinschaften während des Räumungsversuches; dieser blieb jedoch erfolglos.

Zwischen dem 9. November 2013 und dem 10. März 2014 errichteten Angehörige der Zweiten Brigade der Militärpolizei einen Posten auf der Farm El Tamarindo. ZeugInnen aus dem Gebiet gaben an, die Militärpolizei und die bewaffneten Männer zusammen gesehen zu haben, und berichteten von gemeinsamen Patrouillen.

Ermordet im Schlaf

Narciso Enrique Tehrán Mejía, der Sohn des Vize-Präsidenten von ASOTRACAMPO, wurde am 12. April 2013 in El Tamarindo im Schlaf erschossen.

Helfen Sie mit.

Fordern Sie den Schutz der Familien von der Farm El Tamarindo und ihrer UnterstützerInnen.

Musterbriefe zum Runterladen: englisch, deutsch


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