Kolumbien: Todesdrohungen und Mordversuch an Landrechtsaktivisten

UA-050/2014-1
AMR 23/019/2014
23. Mai 2014

Gültigkeit: Sie können an der Aktion bis 4. Juli 2014 teilnehmen.



Am 20. Mai 2014 fand in der Nähe eines Militärstützpunkts in der Region des Flusslaufs des Curvaradó (Nordwesten von Kolumbien) ein Mordversuch am Landrechtsaktivisten Enrique Cabezas statt. Die Täter konnten nicht erkannt werden. Auch Rafael Truaquero, ein weiterer Landrechtsaktivist, und seine Familie wurden bedroht.

Auf der Flucht vor den Mördern

Am 20. Mai 2014 durchsuchte eine Gruppe bewaffneter Männer ein Haus im Weiler Llano Rico (Gemeinde Ríosucio im Verwaltungsbezirk Chocó) nach dem Landrechtsaktivisten Enrique Cabezas, der sich dort versteckte. Einige Minuten zuvor hatte Enrique Cabezas, der seit dem Nachmittag von unbekannten Personen verfolgt worden war, eine telefonische Morddrohung erhalten, in der man ihn warnte, er würde in der Nacht getötet werden. Ihm gelang die Flucht.

Vorangegangene Morddrohungen wegen Einsatz für das Recht auf Land

Enrique Cabezas hatte wiederholt Drohungen erhalten, denn er verurteilt die Verbindung zwischen Paramilitärs und Sicherheitskräften in der Region an. Er kritisiert die Errichtung eines Militärstützpunkts auf dem Land, das sich im Kollektivbesitz der Gemeinden in der Region Curvaradó befindet und auf das von ihnen Anspruch erhoben wird. Das Dschungel-Bataillon 54 (Batallón Selva No. 54), das zur 17. Brigade gehört, hat einen Militärstützpunkt in Llano Rico.

Weitere Drohungen

Am selben Tag erhielt auch Rafael Truaquero, ebenfalls Landrechtsaktivist, telefonische Drohungen. Man sagte ihm, dass er und seine Familie, einschließlich seiner Schwester, der Gemeindesprecherin Yomaira Mendoza, getötet würden, wenn er keine Informationen über den Aufenthaltsort von Enrique Cabezas preisgäbe. Weitere Droh-SMS folgten am 21. und 22. Mai und zwangen Yomaira Mendoza und Enrique Cabezas, die Region zu verlassen.

Landrechtskonflikt seit über einem Jahrzehnt

Im Jahr 2000 wurden den afro-kolumbianischen Gemeinden am Flusslauf des Curvaradó und des Jiguamiandó vom kolumbischen Staat kollektive Landrechte gewährt. In der Folge vertrieben Paramilitärs, unterstützt von den Streitkräften, viele der Bewohner_innen aus der Region. Ein Großteil des Landes wurde von einflussreichen Unternehmer_innen eingenommen, die Plantagen mit Ölpalmen, Rinderfarmen oder andere Wirtschaftsunternehmen errichteten. Zudem versuchen einflussreiche Minenunternehmer_innen, die Gebiete für ihre Aktivitäten zu vereinnahmen.

Die kirchliche Menschenrechtsorganisation Comisión Intereclesial de Justicia y Paz unterstützt die Bemühungen der Afro-Kolumbianer_innen, die aus den Regionen am Flusslauf des Curvaradó und des Jiguamiandó stammen, um die Rückgabe ihrer Grundstücke, die von diesen Interessengruppen eingenommen worden sind. In den vergangenen Jahren sind viele der Menschen, die in den späten 1990er-Jahren von Paramilitärs und Sicherheitskräften gewaltsam von ihrem Land vertrieben worden waren, in die afro-kolumbianischen, indigenen und Kleinbauerngemeinden der Regionen Jiguamiandó und Curvaradó zurückgekehrt. Die Gemeinden versuchen, ihre Landrechte zu schützen und illegale Wirtschaftsaktivitäten auf ihrem Land, wie beispielsweise die Errichtung von Ölpalmenplantagen, zu verhindern. Viele Bewohner_innen der Gemeinden wurden in der Folge bedroht und getötet. Trotz wiederholter Anordnungen durch das Verfassungsgericht wurde das Land den Gemeinden noch nicht zurückgegeben.

Paramilitärs vertrieben die Bevölkerung

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Bewohner_innen der Regionen Curvaradó und Jiguamiandó, die sich über die Vereinnahmung ihres Landes durch Betreiber_innen Ölpalmenplantagen und andere Wirtschaftsakteur_innen beschwerten, von Paramilitärs bedroht und getötet. Trotz der hohen Militärpräsenz befinden sich weiterhin zahlreiche paramilitärische Gruppierungen in diesem Gebiet. Die 17. Brigade der kolumbianischen Armee hat vor kurzem einen neuen Stützpunkt in der Region errichtet. Angehörige des Bataillons 54 dieser Brigade wurden mit einem bekannten Anführer der Paramilitärs gesehen.

Unzureichende Schutzmaßnahmen

Das Verfassungsgericht ordnete wiederholt an, dass die Gemeinderäte von Curvaradó ihr Land zurückerhalten müssen. Der Interamerikanische Gerichtshof hatte vorläufige Schutzmaßnahmen für die Gemeinden am Flusslauf Curvaradó und des Jiguamiandó angeordnet. Die Maßnahmen wurden allerdings im vergangenen Jahr unter der Voraussetzung, dass das Verfassungsgericht die Umsetzung seiner Anordnung weiterhin überwachen solle, aufgehoben. Die Amnesty International seit diesem Urteil zugegangenen Informationen zeigen, dass die von den kolumbianischen Behörden ergriffenen Maßnahmen, mit denen die Sicherheit der Gemeinden gewährleistet werden soll, bei weitem nicht ausreichend sind.

Helfen Sie mit.

Fordern Sie Sicherheit für die betroffenen Landrechtsaktivist_innen und die Bevölkerung!

Musterbriefe zum Runterladen: englisch, deutsch


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