Kolumbien: Sorge um Sicherheit eines Mitglieds der Gewerkschaft SINALTRAINAL

AI Index: AMR 23/031/2005
UA 250/05
23. September 2005


Amnesty International ist um die Sicherheit von José Onofre Esquivel Luna besorgt. Die Wohnung des Leiters des Lokalbüros der Gewerkschaft der Beschäftigten in der Nahrungsmittelindustrie (Sindicato Nacional de Trabajadores de la Industria de Alimentos - SINALTRAINAL) in Bugalagrande im Departement Valle del Cauca ist in den vergangenen Wochen von bewaffneten Männern beschattet worden. Luciano Enrique Romero Molina, ein anderes Mitglied der Gewerkschaft SINALTRAINAL, ist vor kurzem in Valledupar im Departement Cesar ermordet worden.

Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass vor Mordanschlägen auf Gewerkschafter diese von Paramilitärs, welche die Unterstützung des Militärs genießen, observiert worden sind. Am 12. September 2005 fiel ein weißes Fahrzeug auf, das um das Haus von José Onofre Esquivel herumfuhr. Eine Woche später, am 19. September 2005, wurde ein bewaffneter Mann in der Nähe des Hauses in dem Ort Bugalagrande gesichtet. Die Nachbarn des Gewerkschafters sind zudem wiederholt von Unbekannten nach seinem Aufenthaltsort befragt worden.

José Onofre Esquivel ist bereits einmal von Paramilitärs aus Centro del Valle del Cauca Bloc, den "Autodefensas Unidas de Colombia" (AUC), zum "militärischen Ziel" erklärt worden. Am 11. Oktober 2003 fand er eine schriftliche Morddrohung in seinem Spind an seinem Arbeitsplatz. Die Drohung richtete sich an ihn und seine Gewerkschaftskollegen Rogelio Sanchez, Alfonso Espinosa und Freddy Ocoro. Letztgenannter ist inzwischen aus Angst um sein Leben ins Ausland geflohen.

Zusätzlichen Anlass zur Sorge um die Sicherheit aller SINALTRAINAL-Mitglieder bietet die jüngste Ermordung eines Führers der Gewerkschaft. Am 11. September 2005 fand man den Leichnam von Luciano Enrique Romero Molina mit zusammengebundenen Händen und über 40 Stichwunden in dem Viertel La Nevada von Valledupar im Departement Cesar. Das Gebiet dort steht dem Vernehmen nach unter der Kontrolle einer vom Militär unterstützten paramilitärischen Gruppierung. Luciano Enrique Romero Molina war ein leitendes Mitglied von SINALTRAINAL und der nichtstaatlichen Menschenrechtsorganisation "Comité de Solidaridad con los Presos Políticos" (CSPP). Im Oktober 2002 war er zusammen mit Kollegen Meldungen zufolge von seinem Arbeitgeber während eines Arbeitskonflikts entlassen worden. Aufgrund von Drohungen der Paramilitärs sah er sich damals gezwungen, das Land zu verlassen, und kehrte erst im April dieses Jahres nach Kolumbien zurück.

Hintergrundinformationen

Gewerkschafter sind in Kolumbien nach wie vor in Gefahr, Menschenrechtsverletzungen zum Opfer zu fallen. Die große Mehrheit davon wird von Paramilitärs mit Unterstützung des Militärs oder von den Sicherheitskräften verübt, aber Guerrillagruppen haben in den vergangenen Jahren ebenfalls Menschenrechtsverstöße an Gewerkschaftern begangen.

Viele dieser Menschenrechtsverletzungen an Gewerkschaftern werden bei Arbeitskonflikten verübt. Gewerkschaftsmitglieder werden von den Sicherheitskräften und ihren paramilitärischen Verbündeten oftmals als "subversive Elemente" bezeichnet und diese Anschuldigungen haben dann oftmals schwere Menschenrechtsverletzungen zur Folge. Wegen ihres gewerkschaftlichen Engagements werden die Beschuldigten mit dem Tode bedroht, fallen dem "Verschwindenlassen" zum Opfer oder werden ermordet. Nach Angaben von Gewerkschaften sind in diesem Jahr bereits 37 Gewerkschafter in Kolumbien getötet worden.

Helfen Sie mit!

Appellieren Sie an die kolumbianischen Behörden und erinnern Sie diese an ihre Verantwortung: Sie müssen den Schutz für die Sicherheit von José Onofre Esquivel Luna und seinen Kollegen ernst nehmen!

Adressen:

Señor Presidente Álvaro Uribe Vèlez
Presidente de la República
Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7-26
Santafé de Bogotá
Colombia

Fax: +57 1 342 0592 / 337 5890
E-Mail: Mailformular des Präsidenten
Die Felder heißen von oben nach unten: Vorname, Familienname, E-Mail, E-Mail-Bestätigung, Betreff. Ausfüllen und dann auf Enviar klicken.

 

Vicepresidente de la República de Colombia
Dr. Francisco Santos Calderón
Vicepresidencia
Carrera 8A No 5-57
Bogotá
Colombia

Fax: + 57 1 565 7682
Anrede: Excelentísimo Sr. Vicepresidente/ Dear Vice-President

Sr. Diego Palacio Betancur
Ministro de Protección Social
Ministerio de Protección Social
Ministerio de Salud
Carrera 13 No 32-76
Santafé de Bogotá
KOLUMBIEN

Telefax: (00 57) 1 336 8007
Anrede: Sr. Ministro / Dear Minister

Mustertext (englisch)

Dear Mr President,

I am deeply concerned for the safety of José Onofre Esquivel Luna and other SINALTRAINAL members and trade unionists in Colombia.

I call for a full and impartial investigation into the killing Luciano Enrique Romero Molina, with the results made public and those responsible brought to justice. The Colombian authorities should implement measures deemed appropriate by those under threat to guarantee their safety.

Furthermore I call for a full and impartial investigation into links between the security forces and paramilitary groups, and ask that the results of the investigation be made public and those found responsible for supporting and participating in such groups be brought to justice.

I urge to take immediate action to dismantle paramilitary groups, in line with stated government commitments and recommendations made by the UN and other intergovernmental organizations.

Sincerely,

Mustertext (deutsch)

Sehr geehrter Herr Präsident!

Ich bin tutiefst um die Sicherheit von Herrn José Onofre Esquivel Luna und anderen Mitgliedern der Gewerkschaft SINALTRAINAL sowie anderen Gewerkschaft besorgt.

Ich fordere, dass eine umfassende und unabhängige Untersuchung des Mordes an Luciano Enrique Romero Molina eingeleitet wird, deren Ergebnisse veröffentlicht werden und die das Ziel hat, die Verantwortlichen zu ermitteln und vor Gericht zu stellen. Die Behörden sollten in Absprache mit den Betroffenen wirksame Maßnahmen zum Schutz der bedrohten Gewerkschafter ergriffen werden.

Weiters fordere ich, dass die Verbindungen zwischen den Sicherheitskräften und paramilitärischen Gruppen zum Gegenstand einer umfassenden und unparteiischen Untersuchung gemacht werden, deren Ergebnisse anschließend veröffentlicht werden und die das Ziel verfolgt, die Unterstützer und Angehörigen solcher Gruppierungen ausfindig zu machen und vor Gericht zu stellen.

Hochachtungsvoll,