Kolumbien: Morddrohungen gegen führende Gewerkschafter

AI Index: 23/036/2007
UA 256/07
12.10.2007


Amnesty International ist sehr besorgt über die Sicherheit von Javier Correa (Präsident der Lebensmittelgewerkschaft SINALTRAINAL, Sindicato Nacional de Trabajadores de la Industria de Alimentos), José Domingo Flores (Vorsitzender der Zweigstelle von SINALTRAINAL in Santander), ihrer Familienangehörigen und weiteren Mitgliedern ihrer Gewerkschaft.

Am 20. September 2007 wurde an der Wohnung von José Domingo Flores in Bucaramanga (Department Santander) eine von der Gruppierung "Schwarze Adler" (Aguilas Negras) unterzeichnete schriftliche Todesdrohung hinterlassen.

Der Deckname "Aguilas Negras" wird infolge der angeblichen "Demobilisierung" der paramilitärischen Dachorganisation AUC (Autodefensas Unidas de Colombia) von zahlreichen armeegestützten paramilitärischen Verbänden verwendet.

Am 27. September 2007 wurde Andrés Damian Flores Rodriguez, der 16-jährige Sohn von José Domingo Flores, von drei maskierten bewaffneten Männern entführt. Berichten zufolge schlugen sie ihn, bevor sie über Funk folgenden Auftrag erhielten: "Fahrt ihn herum, schlagt ihn und vermittelt ihm die Botschaft". Kurz darauf wurde er freigelassen, zuvor sagten ihm die Männer jedoch: "Richte deinem Vater aus, dass wir nicht ruhen werden, bevor ihr nicht alle in Stücke geschnitten seid" (dígale a su papa que no descansaremos hasta verlos descuartizados).

Javier Correa bei einer Zeugenaussage in Bogotá am 01.04.2006

Eine weitere, an Javier Correa adressierte Morddrohung wurde am 25. September im Büro der SINALTRAINAL in Bucaramanga gefunden. Sie lautete: "Alle Anordnungen werden befolgt - kommunistische Guerillas Gewerkschafter Fassade - Javier Correa, stopp deinen ideologischen Diskurs - verlasse das Departement - wenn nicht, sehen wir uns verpflichtet, das militärische Ziel durchzuführen und werden die Leichen deiner Familienmitglieder zu Weihnachten einem Massengrab übergeben" (toda orden se cumple - comunistas guerrilleros fachadas de sindicalistas - Javier Correa, callen el discurso ideologico guerrillero - se van del departamento - de lo contrario nos veremos obligados a cumplir el ojectivo military y le entregamos en Navidad a sus familias los cadaveres en una fosa comun). Die Drohung enthielt die Initialen der AUC und war von den "Schwarzen Adlern" unterzeichnet.

Hintergrundinformationen

Seit 40 Jahren wird Kolumbien von einem bewaffneten Konflikt zerrüttet. Der internationale Bund Freier Gewerkschaften ICFTU (nunmehr ITUC) hat Kolumbien einmal als das "gefährlichste Land für GewerkschafterInnen" bezeichnet. In den letzten zwei Jahrzehnten wurden über 2.240 GewerkschafterInnen ermordet, das Schicksal von weiteren 138 entführten GewerkschafterInnen konnte nie aufgeklärt werden.

GewerkschafterInnen von den Sicherheitskräften und Paramilitärs regelmäßig als "subversiv" gebrandmarkt. Häufig geschieht dies, wenn sie in einen Arbeitskonflikt oder Verhandlungen über Arbeitsbedingungen involviert sind, Menschenrechtsverletzungen aufzeigen oder zu Wahlen antreten. Die Etikettierung als "subversiv" geht oft mit Menschenrechtsverletzungen, einschließlich Drohungen und Morden, einher. Immer wieder tauchen Listen mit Namen von GewerkschafterInnen auf, deren Ermordung geplant ist. In den meisten Fällen werden die TäterInnen nie zur Verantwortung gezogen.

Mitglieder der SINALTRAINAL waren in den vergangenen Jahren in eine Reihe von Arbeitskonflikten, oftmals mit multinationalen Unternehmen, verwickelt. Im September 2005 wurde ein Führungsmitglied der SINALTRAINAL, Luciano Enrique Romero Molina, ermordet.

Genauere Informationen über die Menschenrechtssituation von GewerkschafterInnen in Kolumbien finden Sie auch in einem im Juli 2007 von Amnesty International veröffentlichten Bericht (Colombia. Killings, arbitrary detentions and death threats - the reality of trade unionism in Colombia; http://web.Amnesty.org/library/Index/ENGAMR230012007?open&of=ENG-COL) und in einer auf diesem Bericht basierenden, von der AI-Arbeitsgruppe für verfolgte GewerkschafterInnen erstellten deutschsprachigen Broschüre.

Helfen Sie mit.

Rufen Sie die kolumbianischen Behörden auf

Schicken Sie Ihre Appelle so rasch als möglich, jedenfalls aber vor dem 16. November 2007. Bitte schicken Sie Kopien der Briefe an

Botschaft der Republik Kolumbien
S.E. Herr Rosso Jose SERRANO CADENA, ao. u. bev. Botschafter
Stadiongasse 6-8/15, 1010 Wien
Fax: +43 / 1) 408 83 03

E-Mail: embcolviena@aon.at

SINALTRAINAL
Carrera 15# 35-18
Bogotá, Colombia

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