Kolumbien: Neuerlich Morddrohungen gegen führenden Gewerkschafter

AI Index: AMR 23/039/2007
UA 282/07
11.11.2007


Paramilitärs im Departement Antioquia haben damit gedroht, Oscar Maussa (Vorsitzender der Blanquicet Landarbeiter-Kooperative COOTRAGROBLAN) zu töten. Berichten zufolge ist ihm die Flucht aus dem Gebiet gelungen, doch befinden sich er und andere Mitglieder der Kooperative weiterhin in großer Gefahr.

Oscar Maussa ist einer der Vertreter der Blanquicet Landarbeiter-Kooperative COOTRAGROBLAN (Cooperativa de Trabajadores Agropecuarios de Blanquicet), die von den Arbeitern der Farm "La Esperanza" zur Verbesserung ihres Lebensunterhalts gegründet worden war. Nachdem Paramilitärs die Farm 1996 besetzt hatten, waren die Mitglieder dieser Kooperative zur Flucht gezwungen.

Im Juni 2005 riefen die kolumbianischen Justizbehörden in einer Erklärung dazu auf, die Farm ihren rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben. Im Juni 2007 begannen die Mitglieder von COOTRAGROBLAN trotz Berichten, dass sich immer noch Paramilitärs in der Gegend aufhielten mit der Rückkehr auf die Farm.

Als Vertreter von COOTRAGROBLAN rief Oscar Maussa im März 2007 die Inter-Amerikanische Menschenrechtskommission um Hilfe an. Bereits 2006 hatte die Kommission die Behörden gedrängt, ihn und seine Familie sowie drei weitere Familien, die Mitglieder von COOTRAGROBLAN sind, zu schützen. Oscar Maussa übermittelte den Behörden auch mehrere Beschwerden über paramilitärische Aktivitäten.

Am 5. Oktober 2007 bezogen sechs bewaffnete Männer in Militäruniformen, die angaben, Paramilitärs zu sein, nahe der Farm "La Esperanza" Stellung. Sie durchsuchten alle Fahrzeuge, die die Farm verließen und forderten die Fahrer auf, sie an unterschiedliche Orte entlang der Straße zu bringen. Trotz starker Militärpräsenz in der Region sind die Paramilitärs immer noch in der Lage, frei zu operieren.

Am 6. Oktober 2007 teilte ein Mann einem COOTRAGROBLAN-Mitglied mit, dass der Anführer der in der Region operierenden paramilitärischen Gruppierung auf der Suche nach Oscar Maussa sei, mit dem Ziel ihn zu töten. Armee-gestützte Paramilitärs in dem Gebiet sind Berichten zufolge unter dem Namen Águilas Negras (Schwarze Adler) tätig.

Hintergrundinformationen

Seit 1985 sind als Konsequenz der gewaltsamen Aktionen mehr als drei Millionen Menschen gezwungen worden, aus ihren Häusern zu fliehen. Im Zuge des lang andauernde internen Konflikts sind haben sich alle Konfliktparteien an der zwangsweisen Vertreibungen von ZivilistInnen schuldig gemacht. Über 60 Prozent der Vertriebenen wurden zur Räumung von Ländereien gezwungen, die in an Bodenschätzen reichen Gebieten liegen oder von landwirtschaftlichem oder sonstigem wirtschaftlichem Interesse sind.

Armeegestützte Paramilitärs haben durch gewaltsame Aktionen mehrere Millionen Hektar Land okkupiert. Während des letzten Jahres wurden zahlreiche von ihrem Land vertriebene Menschen bedroht und auch getötet, wenn sie versuchten ihren Besitz von den Paramilitärs zurückzuerlangen.

Detaillierte Informationen über die Menschenrechtssituation von GewerkschafterInnen in Kolumbien finden Sie in einem im Juli 2007 von Amnesty International veröffentlichten Bericht (Colombia. Killings, arbitrary detentions and death threats - the reality of trade unionism in Colombia) und in einer auf diesem Bericht basierenden, von der AI-Arbeitsgruppe für verfolgte GewerkschafterInnen erstellten deutschsprachigen Broschüre.

Bitte beachten Sie auch unsere vorherige Urgent Action zu Kolumbien betreffend die Morddrohungen an Javier Correa und José Domingo Flores (beide Vertreter der Lebensmittelgewerkschaft SINALTRAINAL). (bitte Link einsetzen)

Helfen Sie mit!

Senden Sie so rasch wie möglich (jedenfalls aber vor dem 12. Dezember 2007) Appelle an die kolumbianischen Behörden, in denen Sie:

Adressen:

Señor Presidente Álvaro Uribe Vèlez
Presidente de la República
Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7-26
Santafé de Bogotá
Colombia

Fax: +57 1 342 0592 / 337 5890
Webformular

 

Dr. Francisco Santos Calderón
Vicepresidencia
Carrera 8A No 7-27
Bogotá, Colombia
Fax: +57 1 565 7682

Anrede: Dear Vice-president Santos,

Attorney General
Dr. Mario Germán Iguarán Arana
Fiscal General de la Nación
Fiscalía General de la Nación
Diagonal 22B (Av. Luis Carlos Galán No. 52-01)
Bloque C, Piso 4
Bogotá, Colombia

Anrede: Dear Attorney General,

 

Kopien an:

Justicia y Paz Intereclesial
Calle 62, No. 17-26 (Chapinero)
Bogotá, Colombia
S.E. Herr Rosso Jose SERRANO CADENA
ao. u. bev. Botschafter der Republik Kolumbien
Stadiongasse 6-8/15
1010 Wien
Fax: 01/ 408 83 03
E-Mail: embcolviena@aon.at

Musterbriefe zum Herunterladen