Kolumbien: Lebensgefahr für Gewerkschafter der Minenarbeiter

AI Index: AMR 23/058/2004
UA 295/04
26. Oktober 2004


Mordanschläge

Amnesty International ist in großer Sorge um die Sicherheit des Gewerkschafters Francisco Ramírez Cuellar, dem Präsidenten der Gewerkschaft der Minenarbeiter SINTRAMINERCOL (Sindicato de Trabajadores de la Empresa Nacional Minera), und seiner Kollegin Ludivia Giraldo.

Francisco Ramirez entkam am 10. Oktober nur knapp einem Mordanschlag. Mittags um 1.30 Uhr verließ er zu Fuß sein Haus in Bogota um mit seinen Nichten Essen zu gehen, als er im Bezirk Palermo zwei Männer auf einem Motorrad bemerkte. Das Motorrad hatte kein Nummernschild und raste geradewegs auf ihn zu. Geistesanwesend nahm er wahr, dass einer der Männer eine Waffe im Schoß hielt. Francisco Ramirez ging sofort in Deckung, woraufhin das Motorrad stehen blieb und den Verkehr aufhielt. Aufgrund des Gehupes der anderen Verkehrsteilnehmer wurden die Männer gezwungen weiterzufahren. Francisco Ramirez ist überzeugt davon, dass ihn der Mann ansonsten erschossen hätte. Offenbar stand sein Haus bereits in den Tagen zuvor unter Beobachtung.

Francisco Ramirez hatte in den letzten Jahren mehrmals Anschläge miterlebt. Am 1. Mai 2004 beobachteten zwei Männer und eine Frau in einem weißen Renault das Büro der Gewerkschaft. Bodyguards fanden später heraus, dass es sich bei den Personen um Mitglieder einer speziellen Polizeieinheit handelte. Am darauffolgenden Tag explodierten im Büro zwei Bomben.

Ebenfalls in Gefahr befindet sich Ludivia Giraldo, Chefin der Menschenrechtsabteilung der SINTRAMINERCOL. Sie wurde am 29. September von vier Männern in einem gelben Taxi verfolgt.

Hintergrund

In Kolumbien kämpfen Guerilla-Gruppen gegen Behörden und Paramilitärische Einheiten um die Kontrolle über Kohle-Minen. SINTRAMINERCOL hat wiederholt über Menschrenrechtsverletzungen seitens der Paramilitärs berichtet und Beschwerde bei den zuständigen Behörden eingereicht. Solche Beschwerden haben häufig zur Folge, dass der Betreffende angegriffen oder ermordet wird. Im Jahr 2003 wurden 70 Gewerkschaftsmitglieder getötet, heuer sind es bereits mehr als 40. Die Täter sind zumeist Paramilitärs.

Obwohl es im Innenministerium bereits Schutzprogramme für Gewerkschafter gibt, werden die nötigen Maßnahmen selten in Anspruch genommen!

Helfen Sie mit!

Appellieren Sie an die kolumbianischen Behörden und erinnern Sie diese an ihre Verantwortung: Sie müssen den Schutz für die Sicherheit von Francisco Ramírez Cuellar und Ludivia Giraldo ernst nehmen!

Adressen:

Präsident von Kolumbien:

Señor Presidente Álvaro Uribe Vèlez
Presidente de la República
Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7-26
Santafé de Bogotá
Colombia

Fax: +57 1 342 0592 / 337 5890
E-Mail: Mailformular des Präsidenten
Die Felder heißen von oben nach unten: Vorname, Nachname, E-Mail, Betreff. Ausfüllen und dann auf Enviar klicken.

 

Innen- und Justizminister

Sr. Sabas Pretelt de la Vega
Ministro del Interior y de Justicia
Ministerio del Interior
Av. Jiménez No 8-89
Bogotá, Colombia

Fax: +57 1 560 4630
Anrede: Dear Sir / Sr. Ministro

Dr. Luis Camilo Osorio
Fiscal General de la Nacion
Diagonal 22B 52-01
Santafe de Bogota
Colombia

Fax: +57 15 70 2022/2017

Anrede: Dear Dr. Osorio,
Im Fall dass sich jemand unter der Faxnummer meldet, einfach sagen:
"me da tono de fax por favor por Dr. Osorio".

Mustertext (englisch)

Dear Mr. President,

I strongly express my concern for the safety of Francisco Ramírez Cuellar, president of the Sindicato de Trabajadores de la Empresa Nacional Minera (SINTRAMINERCOL) and his colleague Ludivia Giraldo, head of the SINTRAMINERCOL human rights department.

Could you be so kind as to inform me what action you will take to guarantee their safety? I also call for the Ministry of Interior's protection program for trade unionists to be adequately resourced in order to provide more effective protection to the trade unionists.

Furthermore, I kindly call for full and impartial investigations into the reported attempt to kill Francisco Ramírez Cuellar, with the results of the investigations made public and those responsible brought to justice.

Yours sincerely,

Mustertext (deutsch)

Sehr geehrter Herr Präsident!

Ich möchte meine Sorge um Sicherheit von Francisco Ramírez Cuellar, dem Präsidenten der Gewerkschaft der Minenarbeiter SINTRAMINERCOL (Sindicato de Trabajadores de la Empresa Nacional Minera) und seiner Kollegin Ludivia Giraldo zum Ausdruck bringen.

Bitte teilen Sie mir mit, welche Maßnahmen für deren Sicherheit ergriffen werden. In diesem Zusammenhang möchte ich Sie auch ersuchen das Schutzprogramm des Innenministeriums für verfolgte GewerkschafterInnen mit adäquaten Mitteln auszustatten, um einen wirksameren Schutz für die GewerkschafterInnen zu gewährleisten.

Weiters fordere ich Sie höflichst auf, umfassende und unabhängige Untersuchungen über die versuchte Ermordung von Francisco Ramírez Cuellar zu veranlassen, deren Ergebnis bekannt zu machen und die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen.

Hochachtungsvoll