Kolumbien: Kondolenzkarten für GewerkschafterInnen

UA 44/01, AI Index: AMR 23/020/2001
16. Februar 2001



Morddrohungen für GewerkschafterInnen

GewerkschafterInnen in der kolumbianischen Provinz Risaralda haben eine schriftliche Todesdrohung von Paramilitärs erhalten. Dieses Schreiben ist das vorläufig letzte in einer Serie von Drohungen. Amnesty International ist um die Sicherheit der GewerkschafterInnen besorgt.

Zynismus pur: Paramilitärs "kondolieren"

Am Vormittag des 12. Februar 2001 ging im Büro der Gewerkschaft der Beamten und Gemeindebediensteten SINTRAEMSDES (El Sindicato de Trabajadores y Empleados de Servicios Publicos) in Pereira eine "Kondolenzkarte" ein, in der Beileid für die Hinterbliebenen ausgedrückt wurde.

Das Schreiben war an die SINTRAEMSDES gerichtet und führte insbesondere die Initialien des Vizepräsidenten Orlando Ospina Loaiza, des Generalsekretärs Carlos Alberto Florez und des Vorstands dieser Gewerkschaft in Pereira, der Junta Directiva Pereira, an.

Unterzeichnet war das "Kondolenzschreiben" von der paramilitärischen Gruppe AUC (Autodefensas Unidas de Colombia), die von der Armee unterstützt wird.

Dauerüberwachung

In den letzten Wochen waren die Büros der SINTRAEMSDES in Pereira und die Wohnungen eines Gewerkschaftschefs unter ständiger Beobachtung. So saßen in der ganzen Nacht vom 13. Februar 2001 zwei unbekannte Motorradfahrer vor dem Haus von Ivan Velasquez, dem Kassier der Gewerkschaft.

Gefährlicher Boden für GewerkschafterInnen

Seit Jahren dokumentiert Amnesty International die systematische Verfolgung von GewerkschafterInnen in Kolumbien. GewerkschafterInnen werden eingeschüchtert, schikaniert, gefoltert, ermordet - oft von Paramilitärs. Allein im vergangenen Jahr 2000 wurden 112 kolumbianische GewerkschafterInnen umgebracht.

Keine Strafverfolgung

Doch keines der Verbrechen an den GewerkschafterInnen wurde bisher von den Behörden aufgeklärt und vor Gericht verhandelt.

Daher haben am 15. Februar 2001 25 GewerkschafterInnen vom kolumbianischen Gewerkschaftsbund CUT (Central Unitaria de Trabajadores) ein deutliches Zeichen gesetzt: Sie besetzten das Ministerium für Arbeit und Soziale Sicherheit, um gegen die Drohungen, Einschüchterungen und die Verfolgung der GewerkschafterInnen zu protestieren.

Was können Sie tun?

Schreiben Sie an die kolumbianischen Behörden und fordern Sie wirksame Maßnahmen zum Schutz der GewerkschafterInnen.

Adressen:

Präsident von Kolumbien:

Senor Presidente Andres Pastrana Arango
Presidente de la Republica
Palacio de Nario
Carrera 8 No.7-26
Santafé de Bogota, Colombia

Fax: +57 1 5662071
email: apastra@presidencia.gov.co

Anrede: Dear President / Excmo. Sr Presidente

Innenminister:

Senor Humberto De La Calle
Ministro del Interior
Ministerio del Interior
Palacio Echeverry
Carrera 8a, No.8-09, piso 2o.
Santafé de Bogota
Colombia

Fax: + 57 1 286 8025
email: webmaster@presidencia.gov.co

Anrede: Dear Minister, / Sr. Ministro

Musterbrief

Your Excellency,

I am writing to you to express my concern for the safety of Orlando Ospina Loaiza, Carlos Alberto Florez and other union activists with the Pereira branch of SINTRAEMSDES following recent threats.

I kindly urge for an independent, impartial and conclusive investigation to be carried out into the threats with those responsible brought to justice.

Furthermore, I urge that the authorities take immediate action to dismantle paramilitary groups, in line with stated government commitments and recommendations made by the UN and other intergovernmental organizations.

I am looking forward to receiving your answer informing me what measures you will have taken to guarantee the safety of those at risk.

Yours sincerely,