Kolumbien: Gefährlicher Alltag für GewerkschafterInnen

AMR23/001/2007
August 2007



Aktueller AI-Report

Seit Beginn der 90-er Jahre wurden in Kolumbien über 2.200 GewerkschafterInnen ermordet und knapp 140 entführt. Mehr als 3.400 Todesdrohungen gegen GewerkschafterInnen wurden dokumentiert.

Amnesty International schlägt angesichts der Menschenrechtskrise für GewerkschafterInnen Alarm. Im Juli 2007 hat die Menschenrechtsorganisation einen aktuellen Bericht veröffentlicht, in dem sie anhand zahlreicher Fallstudien den (lebens-)gefährlichen Alltag von GewerkschafterInnen in Kolumbien dokumentiert.

Die Arbeitsgruppe für verfolgte GewerkschafterInnen hat die Ergebnisse dieses AI-Berichts zusammengefasst und bietet Informationen und Aktionsanleitungen in einer Broschüre an.

Sie können die Broschüre hier herunterladen. Sie dürfen die Broschüre frei verteilen und versenden.

Menschenrechtsverletzungen an GewerkschafterInnen

Morde

Luciano MolinaZwischen 1991 und 2006 wurden 2.245 GewerkschafterInnen in Kolumbien ermordet. Knapp ein Viertel waren Funktionäre in Führungspositionen.

Die Anzahl der Morde hat zwar in den letzten Jahren abgenommen, aber immerhin 72 GewerkschafterInnen wurden 2006 umgebracht.

Luciano Enrique Romero Molina von der Nahrungsmittelgewerkschaft SINALTRAINAL wurde am 11. September 2005 umgebracht. Einen Monat später wäre er in die Schweiz gereist, um über die Todesdrohungen gegen kolumbianische GewerkschafterInnen zu berichten.

Todesdrohungen

Morden gehen häufig Todesdrohungen voraus. Seit Beginn der 1990-er Jahre wurden über 3.400 Todesdrohungen gegen GewerkschafterInnen dokumentiert. Absender sind häufig Paramilitärs.

Auf dieser Website rufen wir häufig zu Solidarität mit den kolumbianischen GewerkschafterInnen auf, die Morddrohungen erhalten haben, etwa mit Domingo Tovar Arrieta, dem Leiter der Menscherechtsabteilung des Gewerkschaftsverbandes CUT.

Willkürliche Verhaftungen und Verfahren

In den vergangenen Jahren fanden eine Reihe von willkürlichen Gerichtsverfahren gegen GewerkschafterInnen statt. Häufig werden Strafverfahren gegen GewerkschafterInnen auf Basis von gefälschten Informationen, die von militärischen Geheimdiensten oder bezahlten Informanten bereit gestellt werden, eingeleitet.

Der Lehrergewerkschafter Samuel Morales und sein Kollegin Raquel Castro waren Zeugen eines Mordes, den Armeeangehörige an drei Gewerkschaftern verübten. Noch am gleichen Tag wurden sie verhaftet und in Folge der "Rebellion" angeklagt.

Macht der Paramilitärs

In vielen Fällen sind Mitglieder paramilitärischer Gruppierungen, welche traditionell der Armee Kolumbiens nahe stehen, für die Todesdrohungen und Morde verantwortlich: 49 % der Menschenrechtsverletzungen an GewerkschafterInnen im Jahr 2005 wurden - soweit zuordenbar - von Paramilitärs begangen, 43 % von den Sicherheitskräften.

In den letzten Jahren wurden über 30.000 Paramilitärs "demobilisiert", allerdings haben paramilitärische Gruppen immer noch Kontrolle über offiziell demobilisierte Gegenden und verüben dort Menschenrechtsverletzungen (siehe das Schicksal von Luciano Enrique Romero Molina).

Straffreiheit muss ein Ende haben!

Die Regierung richtete Programme zum Schutz der GewerkschafterInnen ein (z. B. Bereitstellung von Eskorten, kugelsicheren Fahrzeugen); dies werden aber häufig - selbst bei erhöhtem Risiko - aus Budgetkürzungen gekürzt bzw. eingestellt.

Langfristig kann die Sicherheit für GewerkschafterInnen nur gewährleistet werden, wenn die Menschenrechtsverletzungen untersucht und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden. Ein positiver Ansatz ist die Einrichtung einer eigenen Abteilung in der Staatsanwaltschaft, die allerdings ausreichend ausgestattet werden muss.

Helfen Sie mit.

Appellieren Sie an die kolumbianischen Behörden per Brief, E-Mail oder Postkarte und fordern Sie adäquate Maßnahmen zum Schutz der GewerkschafterInnen!

Adressen:

Señor Presidente Álvaro Uribe Vèlez
Presidente de la República
Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7-26
Santafé de Bogotá
Colombia

Fax: +57 1 342 0592 / 337 5890
Webformular

Minister of the Interior and Justice
Ministro del Interior y Justicia
Dr. Carlos Holguín Sardi
Ministerio del Interior y de Justicia
Carrera 9a. No. 14-10
D.C. Colombia

Anrede: Sr. Ministro/Dear Sir

Unterlagen und Texte

Deutsch

Sehr geehrter Herr Präsident / Minister!
Angesichts der schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen an GewerkschafterInnen in Ihrem Land ersuche ich um adäquate Maßnahmen zum Schutz dieser Personengruppe.
Bitte veranlassen Sie unverzüglich entsprechende Maßnahmen zur Beendigung der Straffreiheit für die TäterInnen: Ich fordere Sie daher höflich auf, umfassende und unabhängige Untersuchungen über die Menschenrechtsverletzungen an GewerkschafterInnen einzuleiten, deren Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen.
Hochachtungsvoll

Englisch

Dear President / Sir,
as I am deeply concerned about the human rights situation for trade unionists in Colombia, I urge you to guarantee the safety of trade unionists.
In order to end the climate of impunity, I call for full and impartial investigations into the human rights violations against trade unionists, for the results to be made public and those responsible brought to justice.
Yours sincerely,

Spanisch

Estimado Sr. Presidente / Ministro,
Debido a las graves violaciones de derechos humanos dirigidas hacia sindicalistas en Colombia, urge que Ud. tome todas las medidas necesarias para garantizar la seguridad de todas y todos las/los sindicalistas en Colombia.
Con el fin de eliminar la impunidad, le ruego iniciar inmediatamente investigaciones profundas e imparciales de todas las violaciones de derechos humanos de sindicalistas, de hacer públicos los resultados y de llevar a los responsables de dichas violaciones ante la justicia.
Atentamente,


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