Dringend: Gewerkschafter auf Todesliste

Kolumbien



Kolumbien: Rebellenarmee droht mit dem Mord an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens

Der Gewerkschafter Hernando Hernández befindet sich in Lebensgefahr. Sein Name steht auf einer "lista negra", die am 23. August in Bogotá verteilt wurde. Diese Todesliste enthält insgesamt 21 Personen: Politiker, Journalisten, Schriftsteller, Menschenrechtsverteidiger und einen leitenden Beamten der Staatsanwaltsschaft. Die meisten von ihnen versuchten in den letzten Monaten, den festgefahrenen Friedensprozeß zwischen der Regierung und den beiden größten bewaffneten Oppositionsgruppen wieder in Gang zu bringen. Die Todesliste vom 23. August war von der kolumbianischen Rebellenarmee "Ejército Rebelde Colombiano" unterzeichnet und beschuldigte Hernando Hernández und die anderen Friedensaktivisten, den bewaffneten Konflikt anzuheizen und Haß zu säen.

Im bürgerkriegszerrütteten Kolumbien tauchten immer wieder Todeslisten mit Namen führender Persönlichkeiten auf. Und leider wurden die Morddrohungen bei zahlreichen Menschen umgesetzt. Am 13. August wurde der renommierte kolumbianische Schriftsteller Jaime Garzón auf dem Weg zur Arbeit erschossen. Erst kürzlich hatte er sich einer Sonderkommission angeschlossen, die zwischen der Regierung und der Nationalen Befreiungsarmee "Ejército de Liberación" über die Wieder-Aufnahme der Friedensgespräche vermitteln sollte. Auch er hatte mehrere Morddrohungen erhalten, in denen ihm vorgeworfen wurde, der bewaffneten Oppositionsarmee als Spitzel zu dienen. Seine Ermordung löste landesweit Empörung aus, und Stimmen wurden laut, die die Hardliner der Militärs, insbesondere des Geheimdienstes, als Drahtzieher des Mordes beschuldigten. Die Armee leugnet aber jegliche Beteiligung.

Bürgerkrieg in Kolumbien

Der Konflikt zwischen der Regierung und den bewaffneten Oppositionsgruppen hat Tausende Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert. Allein in den letzten 10 Jahren kamen 30.000 Menschen im Bürgerkrieg um. Zielscheibe von Gewalttaten sind insbesondere Friedensaktivisten, Gewerkschafter, Journalisten und Anwälte. Gewerkschafter werden sowohl von den extrem-rechten paramilitärischen Gruppen als auch von den extrem-linken Guerillaeinheiten bedroht, hinzu kommt die staatliche Repression, die sich etwa in wilkürlichen Verhaftungen bei Streiks niederschlägt.

Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften (IBFG) reiht Kolumbien an die erste Stelle von 119 Staaten - als das gefährlichste Land für Gewerkschafter. Im Jahr 1998 wurden 98 Gewerkschafter umgebracht, 270 erhielten Morddrohungen. Weitere 500 Gewerkschafter mußten das Land verlassen, weil ihr Leben in akuter Gefahr war.

Die Spirale der Gewalt dreht sich weiter. Die neue Todesliste ist ein Angriff auf die Hoffnung auf Frieden und stellt eine unmittelbare, ernstzunehmende Gefahr für die Betroffenen dar. Amnesty International fürchtet um die Sicherheit und das Leben von Hernando Hernández und seinen Mitstreitern.

Was können Sie tun?

Senden Sie emails an den Präsidenten von Kolumbien.

Senden Sie eine email an den Präsidenten (mit dem unteren Text): pastrana@presidencia.gov.co
Senden Sie einen Brief an den Präsidenten: Musterbrief deutsch / Musterbrief englisch


Musterbrief:

Dear President Pastrana,

I am writing to express my grave concern at the appearance in Bogotá on 23 August 1999 of a death list threatening 21 people, among those the trade unionist Hernando Hernández.

I thus urge you to take immediate steps to guarantee the safety of the persons named on the list who have not already left the country, as well as all other people who have publicly worked to advance the peace process in your country.

I call for an immediate investigation into the death threats, for the results to be made public and those responsible to be brought to justice.

Yours sincerely,


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