Kolumbien: Tödliches Attentat auf Gewerkschafter

UA 302/00
AI Index: AMR 23/79/00



Gewaltwelle gegen Gewerkschafter reisst nicht ab

Kolumbien gilt als eines der gefährlichsten Länder für Menschen, die sich gewerkschaftlich einsetzen (siehe auch den aktuellen Berichtes des Internationalen Bundes der Freien Gewerkschaften): Allein im Vorjahr wurden mehr als 90 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in Kolumbien ermordet.

Immer wieder haben wir auf dieser Homepage der AI-Arbeitsgruppe für verfolgte GewerkschafterInnen zu Aktionen für bedrohte, verfolgte, inhaftierte, gefolterte, entführte, ermordete Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern aufgerufen - siehe z.B. die Aktion vom Juni 2000 zu der massiven Repression durch die Paramilitärs im Bezirk Valle del Cauca.

Die Gewalt gegen Gewerkschaftsaktivistinnen und -aktivisten geht weiter.

Brutale Ermordung

Am 19. September 2000 wurde ein Attentat auf Ricardo Herrara, dem Vorsitzenden der SINTRAEMCALI, der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten in der Stadt Cali (Sindicato de Trabajadores de las Empresas Municipales de Cali), verübt. Die Schüsse verfehlten ihn, trafen aber Omar Noguera, ebenfalls Mitglied der SINTRAEMCALI-Gewerkschaft, der einige Tage später seinen Wunden erlag.

Behörden schauen weg

Der Vorstand der SINTRAEMCALI hatte im letzten Jahr wiederholt schriftliche oder telefonische Morddrohungen erhalten. Ein führendes Mitglied dieser Gewerkschaft, Alexander López Maya, musste kürzlich die Region aus Gefahr um sein Leben verlassen, nachdem Pläne für seine Ermordung aufgeflogen waren.

Erst zwei Wochen vor dem Attentat auf die beiden SINTRAEMCALI-Gewerkschafter hatte sich die Gewerkschaft offiziell an Präsident Andrés Pastrana gewandt, damit dieser Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit von Ricardo Herrara ergreife.

Morddrohungen an Privatisierungsgegner

Die SINTRAEMCALI-Gewerkschaft machte sich bei den Behörden unbeliebt: Sie zeigte Korruptionsfälle in der Stadtverwaltung an, was schließlich auch zu einigen Verurteilungen führte.

SINTRAEMCALI führt seit langem eine Kampagne gegen eine etwaige Privatisierung der Bereiche Wasser, Elektrizität, Kanalisation und Telekommunikation in der Stadt Cali. Ausländische Investoren stehen bereits Schlange. Im Februar 2000 entschied sich die Stadtverwaltung gegen die Privatisierung - und seither nehmen die Morddrohungen gegen die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter zu.

Was können Sie tun?

Schreiben Sie Briefe, Faxe oder emails, in denen Sie Ihre Sorge um die Sicherheit der bedrohten Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in Cali ausdrücken sowie eine vollständige und genaue Untersuchung des Attentats auf die SINTRAEMCALI-Aktivisten und eine rechtliche Verfolgung der Verantwortlichen fordern.

Bitte schicken Sie die Appelle an folgende Adresse oder schicken Sie eine email ab.

Präsident von Kolumbien:

Senor Presidente Andres Pastrana Arango
Presidente de la Republica
Palacio de Nario
Carrera 8 No.7-26
Santafé de Bogota, Colombia

Fax: +57 1 5662071
email: pastrana@presidencia.gov.co

Anrede: Dear Mr. President / Excmo. Sr Presidente

Innenminister:

Senor Humberto De La Calle
Ministro del Interior
Ministerio del Interior
Palacio Echeverry
Carrera 8a, No.8-09, piso 2o.
Santafé de Bogota
Colombia

Fax: + 57 1 286 8025
email: webmaster@presidencia.gov.co

Anrede: Dear Minister, / Sr. Ministro

Musterbrief:

Dear Mr. President,

I am writing to express my concern for the safety of the leaders of SINTRAEMCALI and other trade unions in the Valle del Cauca department.

I urge a full and impartial investigation into the attempt made on Ricardo Herrara's life and the killing of Omar Noguera on 19 September, the reported plans to kill Alexander López, and the repeated written and telephoned death threats against SINTRAEMCALI in the last few months. I ask to make the results public and and bring those responsible to justice.

I am looking forward to hearing from you what action you will have taken to guarantee the safety of the trade unionists at risk.

Yours sincerely,