Veranstaltung: Kolumbiens Gewerkschaften im Kreuzfeuer der Multis

Am 22. Oktober 2003 fand im Hochholzerhof in Wien eine Veranstaltung mit 3 führenden GewerkschafterInnen aus Kolumbien statt, bei der die massiven Menschenrechtsverletzungen gegen GewerkschaftsaktivistInnen in dem lateinamerikanischen Land thematisiert wurden.

Ember Eduardo Oritz Araujo, Führungsmitglied der Gewerkschaft der LebensmittelarbeiterInnen, beschrieb die aktuelle Politik unter Präsident Uribe: Die pünktliche Bezahlung der Auslandsschulden, welche 49% des Budgets verschlingen, wird als prioritär gesehen. Die Investitionen im Sozialbereich sind gesunken, während Aufrüstung und Militarisierung unter Uribe einen Aufschwung erleben. Unter dem Schlagwort der demokratischen Sicherheit wird die Antiterrorgesetzgebung auf GewerkschafterInnen und soziale AktivistInnen angewandt. Die Reform der Arbeitsgesetzgebung hat die Rechte der ArbeitnehmerInnen ausgehöhlt.

 

Aidé Silva, Präsidentin der Blumenarbeiterinnengewerkschaft UNTRAFLORES, berichtete von den karastrophalen, gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen und den Niedriglöhnen in der Blumenindustrie. Dankbar erwähnte sie die Blumenkampagne, welche sich für eine Menschenrechte und Umweltschutz garantierende Blumenproduktion einsetzt. KonsumentInnen in Europa können sich bewusst für fair produzierte Blumen unter dem Flower Label Program (FLP) entscheiden.

 

Liliana Maria López Lopera, Menschenrechts-Beauftragte der Gewerkschaftsschule ENS, wies auf die Gewalt gegen GewerkschafterInnen in Kolumbien hin. Im letzten Jahrzehnt wurden beinahe 2.000 GewerkschafterInnen in Kolumbien ermordet. Die Täter sind in den meisten Fällen illegale Akeure, insbesondere paramilitärische Gruppen. Liliana Maria López Lopera sieht die GewerkschafterInnen nicht als zufällige Opfer, sondern führt deren Ermordung und Verfolgung auf die gewerkschaftlichen Aktivitäten zurück. Sie appellierte an die internationale Solidarität, um Druck auf die kolumbianische Regierung auszuüben.

 

Die kolumbianischen GewerkschafterInnen besuchten Österreich auf Einladung von weltumspannend arbeiten, dem entwicklungspolitischen Bildungsprojekt im ÖGB-Oberösterreich. Der Informationsabend wurde von insgesamt 9 Organisationen getragen. Die ai-Arbeitsgruppe für verfolgte GewerkschafterInnen war mit einem Infotisch vertreten und mobilisierte für Appelle zugunsten der kolumbianischen Frauenorganisation Organización Femenina Popular (OFP), welche erst in der Vorwoche die Ermordung einer Mitarbeiterin beklagen musste.


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