Libyen: Die vertriebenen Tawargha



Mitte August 2011 griffen bewaffnete Oppositionsgruppen aus Misrata die Nachbarstadt Tawargha an. Sie wollten sich an der Volksgruppe der Tawargha rächen, denen sie Komplizenschaft mit den Gaddafi-Regime vorwarfen. Die Kämpfer verwüsteten die Stadt Tawargha und zwangen ihre 30.000 Einwohner_innen zum Verlassen. Heute sind die Tawargha in ganz Libyen verstreut, und Tawargha ist eine unbewohnbare Geisterstadt.

Verfolgte Flüchtlinge

Heute leben die Tawargha in schlecht ausgestatteten Lagern für Vertriebene, etwa bei Benghazi und Tripoli. Sie warten darauf, wieder nach Hause zurückkehren zu können, aber sie haben Angst. Sie fühlen sich nirgends mehr sicher.

Die „Thuwwar“ (= Oppositionskämpfer) haben geschworen, den Tawargha nicht mehr die Rückkehr in ihre Stadt zu ermöglichen.

Rassistisch bedingte Übergriffe

In den Lagern kommt es regelmäßig auf Überfälle auf die Tawargha. Männer werden abgeführt; Menschen werden gefoltert. Amnesty International liegen Berichte vor, dass mehrere Tawargha zu Tode gefoltert wurden.

Am 6. Februar 2012 wurde ein Lager nahe Tripoli, wo rund 2.500 Tawargha untergebracht waren, von der Miliz angegriffen. Sieben ZivilistInnen wurden dabei getötet, darunter drei Kinder und eine ältere Frau.

Die Tawargha sind eine Volksgruppe in Libyen – Menschen mit dunkler Hautfarbe. Die Übergriffe gegen sie werden mit vermuteter Komplizenschaft mit dem Gaddafi-Regime begründet, sind aber häufig rassistisch motiviert. Tawargha berichteten Amnesty International, dass sie als „Sklaven“ bezeichnet wurden und ihnen gesagt wurde, dass sie nach Afrika gehen sollten, weil im neuen Libyen kein Platz für sie wäre.

Staat schaut weg

Aus der Gruppe der Tawargha hatten Menschen gemeinsam mit den Gaddafi-Truppen gekämpft. Offiziell angeklagt oder verurteilt für mögliche Verbrechen wurden sie nicht. Andere Tawargha wiederum waren nicht in die Kämpfe involviert, wurden aber unter Folter gezwungen, Verbrechen zu gestehen, die sie nicht begangen hatten.

Die örtlichen PolitikerInnen aus Misrata und die bundesstaatlichen Verantwortlichen schauen immer wieder weg, wenn die „Thuwwar“ Rache und kollektive Bestrafung an einer ganzen Volksgruppe wegen vermuteten Verbrechen einzelner nehmen.

Erste positive Entwicklungen

Im Februar 2013 erarbeitete die Regierung eine Liste an Empfehlungen, die an das neu gegründete "Displaced Persons' Affairs Office" überreicht wurde. Dieser positive Schritt auf politischer Ebene zeigte bislang noch keinerlei Wirkung auf die verzweifelte Situation der Tawargha, die weiterhin Verfolgung und Schikanen seitens der Milizen ausgesetzt sind. Dennoch kämpfen die Tawargha weiterhin für ihr Recht auf Rückkehr in die Stadt und organisieren trotz der für sie gefährlichen Situation immer wieder öffentliche Demonstrationen.

Helfen Sie mit.

Fordern Sie die sichere Rückkehr der Tawargha in ihre Stadt und Schutz vor Übergriffen.

Musterbriefe zum Runterladen: englisch, deutsch

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