Mauretanien: Aktivisten gegen Sklaverei in Haft

Individuals At Risk
Index: Further information on AFR 38/4703/2016
19. August 2017

Gültigkeit: Sie können an der Aktion bis jedenfalls 31. Oktober 2017 teilnehmen.



1981 schaffte Mauretanien als letztes Land der Welt die Sklaverei ab. Doch in der Praxis besteht sie weiter. Regierungsorganisationen (NGOs), die sich für eine Abschaffung der Sklaverei einsetzen, werden an ihrer Arbeit behindert und ihre Aktivist*innen verfolgt. Im Sommer 2016 wurden 13 Aktivisten der renommierten „Initiative für die Wiederbelebung der Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei in Mauretanien“ zu Haftstrafen zwischen drei und fünfzehn Jahren verurteilt. Wegen internationaler Proteste wurden 11 von ihnen mittlerweile freigelassen, aber Abdallahi Matalla Seck und Moussa Biram sind noch immer in Gefängnis.

Mauretanien: Sklaverei besteht weiter

Die Sklaverei wurde 1981 in Mauretanien offiziell abgeschafft und stellt seit 2007 nach nationalem Recht eine Straftat dar. In der Praxis wird sie jedoch weiterhin ausgeübt: Schätzungen sprechen von bis zu 20 Prozent der Bevölkerung, die als Sklaven in Haushalten und bei der Viehzucht dienen. Sie sind Eigentum ihrer „Master“, die sie weiter „verschenken“ können, und haben keine Identitätsdokumente. Sie erhalten kein Gehalt, haben keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung und müssen Zwangsarbeit leisten. Kinder von Sklaven werden wieder Sklaven; sie müssen arbeiten, anstatt zur Schule zu gehen.

Neben massiver Armut ist die Untätigkeit der Regierung ein weiterer zentraler Grund für das Weiterbestehen der Sklaverei in Mauretanien. Das Gesetz zur Strafverfolgung von Sklavenhaltern von 2007 wurde nur nach internationalem Druck erlassen, und 2016 wurde der erste Fall verhandelt. Regierungsmitglieder bestreiten die Existenz der Sklaverei.

Verhaftung und Folter von Anti-Sklaverei-Aktivisten

Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs), die sich für eine Abschaffung der Sklaverei einsetzen, werden an ihrer Arbeit behindert und ihre Aktivist*innen verfolgt.

Im Sommer 2016 wurden 13 Aktivisten der renommierten „Initiative für die Wiederbelebung der Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei in Mauretanien“ L'initiative pour la Résurgence du Mouvement Abolitionniste en Mauritanie/IRA) zu Haftstrafen zwischen drei und fünfzehn Jahren verurteilt.

Die Aktivisten wurden zwischen dem 29. Juni und 9. Juli 2016 festgenommen, nachdem sich Gemeinschaften, die seit mindestens 20 Jahren in einem Slum im Gebiet von Gazra in Nouakchott leben, bei einer Protestveranstaltung gegen ihre Zwangsumsiedlung in ein anderes Viertel gewehrt hatten. Keiner der festgenommenen Aktivisten war an der Organisation des Protests beteiligt oder bei der Veranstaltung zugegen.

Nach der Verhaftung wurden die Aktivisten misshandelt und gefoltert.

Unfaire Gerichtsverfahren

Die Anti-Sklaverei-Aktivisten wurden am 18. August 2016 wegen Rebellion, Gewaltanwendung, Angriffe gegen die Polizei und Vertreter*innen der Justiz sowie Mitgliedschaft in einer nicht anerkannten Organisation verurteilt. Eine Beschwerde über Foltervorwürfe von Moussa Biram wurde nicht zugelassen. Die Polizei wandte unverhältnismäßige Gewalt an, um den Familien und Kolleg*innen der Angeklagten den Zutritt zur Gerichtsverhandlung zu verwehren. Während des Gerichtsverfahrens befanden sich die Angeklagten in einem anderen Raum und wurden nur vorgeführt, wenn sie aufgerufen wurden. Sie konnten somit nicht dem Gerichtsverfahren folgen. Die angeklagten Aktivisten durften auch nicht – wie sonst üblich – von der Plattform aus sprechen oder den Präsidenten des Gerichts ansprechen. Die Rechtsbeistände wurden von einem Polizisten während des Gerichtsverfahrens beleidigt.

Amadou Tijane Diop, Abdallahi Abdou Diop, Abdallahi Maatalla Seck, Moussa Biram und Jemal Beylil wurden zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Balla Touré und Hamady Lehbouss erhielten fünf Jahre Haft. Mohamed Daty, Khatri Rahel Mbarkek, Ousmane Lô, Ousmane Anne, Mohamed Jaroullah und Ahmed Hamarvall wurden zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Rechtsbeistand der Aktivisten legte Berufung gegen die Verurteilungen ein.

Erste Erfolge

Amnesty International betrachtet die 13 Aktivisten als gewaltlose politische Gefangene, die nur aufgrund ihrer friedlichen Menschenrechtsarbeit verurteilt und inhaftiert wurden, und startete eine Urgent Action. Nach dem Berufungsverfahren im November 2016 wurden zehn Aktivisten freigelassen – eindeutig ein Erfolg der internationalen Solidarität. Weiters wurde Abdallahi Abdou Diop im Jänner 2017 nach Ablauf seiner sechsmonatigen Haftstrafe freigelassen.

Abdallahi Matalla Seck und Moussa Biram sind noch immer in Haft. Sie befinden sich derzeit im Bir Moghrein-Gefängnis, wohin sie im Dezember 2016 verlegt worden waren. Dieses Gefängnis liegt 1.100 km von ihren Familien entfernt.

Jahrzehntelange Schikanen

Im Jänner 2015 verurteilte etwa das Gericht von Rosso zwei Mitglieder der IRA, Brahim Bilal Ramdane und den Vorsitzenden Biram Dah Abeid zu zwei Jahren Gefängnis. Ihnen wurden die Mitgliedschaft in einer nicht anerkannten Organisation, die Teilnahme an einer nicht genehmigten Versammlung und der tätliche Angriff auf Sicherheitskräfte vorgeworfen. Die IRA versucht schon seit 2008, eine Genehmigung zu erhalten, doch sie wird von den mauretanischen Behörden noch immer nicht anerkannt. Biram Dah Abeid, ein ehemaliger Präsidentschaftskandidat war bereits drei Mal während der vergangenen fünf Jahre inhaftiert worden.

Helfen Sie mit.

Amnesty International fordert die Behörden auf, die beiden Aktivisten unverzüglich und bedingungslos freizulassen.

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