Mexiko: Eskalierende Gewalt bei den Streiks in Oaxaca

UA 227/2006-2
AI Index: AMR 41/048/2006
20. Oktober 2006


Wie in den Urgent Actions vom 14.6.2006 und vom 11. August 2006 berichtet, hatten die Behörden am 14. Juni 2006 den Hauptplatz Oaxaca-City den streikende LehrerInnen mit ihren Angehörigen besetzt hielten, brutal geräumt und dabei mindestens 11 LehrerInnen verhaftet sowie eine Reihe von Protestierenden verletzt. In den darauf folgenden Wochen waren die UnterstützerInnen des seit Mai 2006 andauernden Streiks der LehrerInnen in Oaxaca-City einer Reihe von Einschüchterungsattacken ausgesetzt, welche in der Ermordung eines Aktivisten, José Jiménez Colmenares, mündeten.

Eskalation der Gewalt

In den vergangenen Tagen ist die Gewalt in Oaxaca weiter eskaliert. Zwei Unterstützer der Organisation "Asamblea Popular del Pueblo de Oaxaca" (APPO) wurden getötet und mehrere weitere verletzt:

Am frühen Morgen des 14. Oktober 2006 stiegen mehrere bewaffnete Unbekannte aus einem Kleinbus, identifizierten sich durch ihren Kampfruf "Arriba Ulises!" als Unterstützer des Gouverneurs und feuerten Schüsse in Richtung von Personen, die vor einer von den Demonstranten errichteten Barrikade standen. Dadurch wurden zwei Menschen verletzt, Alejandro García Hernández starb an einem Kopfschuss. Laut Angaben von Augenzeugen flohen die Angreifer dann in ihrem Fahrzeug, wobei einer seine Brieftasche verlor. Anhand der darin gefundenen Ausweise soll einer der Täter als Angehöriger der Armee identifiziert worden sein. Nach vorliegenden Informationen hat die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates diesbezüglich Ermittlungen eingeleitet. Am Abend des 18. Oktober 2006 hatte der Grundschullehrer Pánfilo Hernández gerade eine Versammlung der APPO verlassen, als zwei Unbekannte auf ihn zukamen und ihm zwei Mal aus nächster Nähe in den Unterleib schossen. Er erlag wenige Stunden darauf im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Foltervorwurf

Der Student Pedro García García wurde am 8. Oktober 2006 nach einer Woche Haft in ei-nem Gefängnis in Tlacolula im Bundesstaat Oaxaca gegen Kaution freigelassen. Die zunächst gegen ihn erhobene Anklage des bewaffneten Raubüberfalls wurde später in den geringeren Straftatbestand des Raubes umgewandelt. Der Student bestreitet den ihm zur Last gelegten Straftatbestand. Amnesty International geht davon aus, dass die Anklage politisch motiviert ist und konstruiert wurde. Nach seiner Freilassung erstattete Pedro García García Anzeige wegen Folterungen in der Haft. Er soll brutal geschlagen und mit Vergewaltigung bedroht worden sein.

Weitere Angriffe befürchtet

Amnesty International befürchtet, dass weiteren Demonstranten ähnliche Angriffe unbekannter Täter drohen. Gespräche zwischen den mexikanischen Bundesbehörden, den Demonstranten und den Behörden des Bundesstaates haben bislang nicht zu einer politischen Deeskalation der Unruhen geführt. Am 15. Oktober 2006 lehnte der mexikanische Senat es ab, den Gouverneur von Oaxaca, Ulises Ruiz, zum Rücktritt zu bewegen, indem er den Antrag der Demonstranten zurückwies, die Regierung des Bundesstaates aufzulösen - eine zentrale Forderung der APPO und der Lehrergewerkschaft "Sindicato Nacional de Trabajadores de la Educación" (SNTE). Es besteht nach wie vor Anlass zu Befürchtungen, dass die Polizei mit exzessiver Gewalt gegen die Demonstranten vorgehen könnte, die nach wie vor das Zentrum der Stadt Oaxaca unter ihrer Kontrolle halten.

Helfen Sie mit.

Schreiben Sie bitte weitere Telefaxe oder Luftpostbriefe, in denen Sie

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 1. Dezember 2006 keine Appelle mehr zu verschicken.

Adressen:

Lic. Vicente Fox Quesada
Presidente de los Estados Unidos de México
Residencia Oficial de "Los Pinos"
Col. San Miguel Chapultepec
México, D.F.
MEXIKO

Fax: (00 52) 55-5277 2376
(korrekte Anrede: Estimado Presidente / Dear President)
Musterbrief

 

Lic. Carlos Abascal Carranza
Secretario de Gobernación
Secretaría de Gobernación
Bucareli 99, 1er. piso, Col. Juárez
Delegación Cuauhtémoc
México D.F. C.P.06600
MEXIKO

Fax (0 52) 55-5093 3414
(korrekte Anrede: Estimado Secretario de Gobernación / Dear Secretary of State)
Musterbrief

 

Lic. Daniel Cabeza de Vaca
Procurador General de la República
Procuraduría General de la República
Reforma Cuauhtémoc esq. Violeta 75
Col. Guerrero
Delegación Cuauhtémoc
México D.F. C.P. 06 500
MEXIKO

Fax: (00 52) 55-5346 0908 (kombinierter Telefon-/Faxanschluss: "me da tono de fax por favor")
(korrekte Anrede: Señor Procurador General / Dear Attorney General)
Musterbrief

 

Ulises Ruiz Ortiz
Gobernador del Estado de Oaxaca
Carretera Oaxaca, Puerto Angel, Km. 9.5
Santa María Coyotopec
C. P. 71254 Oaxaca
MEXIKO

Fax: (00 52) 951 511 6879 (kombinierter Telefon-/Faxanschluss: "tono de fax, por favor")
(korrekte Anrede: Señor Gobernador / Dear Governor)
Musterbrief

 

KOPIEN AN:

Red Oaxaqueña de derechos humanos
Calle Crespo 524 Interior 4-E
Col. Centro Oaxaca
Oaxaca, CP. 68000
MEXIKO

 

Botschaft der Vereinigten Mexikanischen Staaten
I.E. Frau Patricia ESPINOSA CANTELLANO
ao. u. bev. Botschafterin
Operngasse 21, 10.Stock
1040 Wien

embamex@embamex.or.at
Fax: 01/310 73 87

Mustertext

Receiving the latest news about the ongoing demonstrations in Oaxaca City I am writing to express my deep concern. I call on the authorities to ensure a full, prompt and impartial in-vestigation into the reported torture of Pedro García García during his detention between 1 and 8 October in a prison in Tlacolula, Oaxaca State.

I furthermore call for full, prompt and impartial investigations into the murder of Alejandro García Hernández and the injuries to other APPO supporters in the 14 October shooting incident in Oaxaca, which may have involved security officials, and the killing of Pánfilo Hernández on 18 October in Oaxaca.

A full enquiry into links between unidentified armed individuals responsible for these and other crimes and state officials, and making public the findings is indispensable.

Let me call on the federal and state authorities to ensure the human rights of all protestors and residents of Oaxaca are respected, including the right to demonstrate peacefully and not to be arbitrarily detained or subject to threats, harassment or ill-treatment.

I finally urge the federal and state authorities to ensure that all measures taken to address the crisis in Oaxaca fully respect International human rights law and avoid taking action which may worsen the human rights situation.

Yours sincerely