Mexiko: Polizeigewalt gegen Streikende



Streikende in Gefahr

Amnesty international ist um die Sicherheit der streikenden Arbeiterinnen und Arbeiter der Duro-Produktionsstätte in Río Bravo im mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas besorgt, die am 19. Juni 2000 von Polizeieinheiten angegriffen, geprügelt und verhaftet wurden, um den Widerstand der Streikenden zu brechen.

Polizeieinsätze gegen streikende Arbeiterinnen und Arbeiter

Misshandlungen

In zwei separaten Einsätzen, die am Morgen des 19. Juni durchgeführt wurden, wurden die streikenden Arbeiterinnen und Arbeiter von der Polizei mit Gewehren bedroht und aufgefordert, das Gelände zu verlassen. Als sie sich weigerten, wurden sie von der Polizei attackiert. Dabei wurde unter anderem einer Frau ein Gewehrkolben in den Unterleib gepresst und einer anderen ins Gesicht geschlagen. Die Polizei verfolgte jene Streikenden, die vor der Gewalt fliehen wollten, und verprügelte sie mit Stöcken. Unter den Verletzten befand sich eine schwangere Frau im achten Monat, die stationär behandelt werden musste.

Morddrohungen

Die Streikenden wurden seitens der Polizei mit Morddrohungen unter Druck gesetzt: "Si no te callas la boca te mato" ("Wenn du nicht den Mund hältst, bringe ich dich um.").

Sachbeschädigung durch die Sicherheitskräfte

Die Polizisten zerrissen die Transparente der Streikenden und verhindern gewaltsam einen Dokumentation ihrer brutalen Vorgehensweise. Die einzige Person, die dort fotografierte, wurde verhaftet; ihre Kamera wurde zerstört.

Verhaftungen und Anklagen

Die Polizei verhaftete in Summe mehr als ein Dutzend Streikende, unter ihnen den Arbeiterführer Eliud Almaguer Aldape. Mittlerweile wurden sie aus der Haft entlassen, aber sie müssen mit Anklagen rechnen - wegen der "Teilnahme an illegalen Banden" und wegen "illegaler Freiheitsberaubung", weil sich die Manager und die Sicherheitsleute in der Fabrik befanden, als die Streikenden ihre Transparente an den Gittern des Fabriksgelände montierten.

Einsatz für die Arbeitsrechte

Entsetzliche Arbeitsbedingungen

Die Arbeiterinnen und Arbeiter des internationalen Duro-Unternehmens streiken, weil

Bei Duro liegen mehrere Fälle von sexueller Belästigung der großteils weiblichen Arbeiterschaft vor. Schwangere Frauen müssen mit gefährlichen Chemikalien und unter unhygienischen Bedingungen arbeiten. Mehr als ein Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren bei Arbeitsunfällen ihre Finger.

Gefährliches Engagement

Mindestens neun ArbeiterInnen wurden bei Duro entlassen, weil sie eine freie Gewerkschaft - ein in der mexikanischen Verfassung verankertes Recht - gründen wollten.

Der Streik geht weiter ...

Die Arbeiterinnen und Arbeiter legten am 11. Juni ihre Arbeit nieder. Die Misshandlungen, Verhaftungen und Anklagen sind staatliche Repression gegen legitime gewerkschaftliche Aktivitäten. Amnesty International befürchtet weitere Angriffe und Verhaftungen im andauernden Streik.

Was können Sie tun?

Senden Sie Appelle an den Innenminister und an die staatliche Menschenrechtskommission, in der Sie Ihrer Sorge über die staatliche Repression gegen die Streikenden bei Duro Ausdruck verleihen und eine Untersuchung der Polizeieinsätze fordern.

Minister of the Interior
Lic. Diódoro Carrasco Altamirano
Secretario de Gobernación
Secretarría de Gobernación
Bucareli 99, 1er. piso
Col. Juárez
México D.F.06699
MEXICO

Fax: +52 5 546 5350

Email: segob@rtn.net.mx

Governmental National Human Rights Commission
Dr. José Luis Soberanes Fernández
Presidente de la Comisión Nacional de Derechos Humanos
Periférico Sur 3469, 50 piso
Col. San Jéronimo Lídice
México D.F., C.P: 10200
MEXICO

Fax: + 52 5 135 0595

Email: correo@cndh.org.mx

Musterbrief:

Dear Minister / Mr. President,

I am writing to express my concern at the reports of ill-treatment by the police against striking workers at Duro Manufacturing in Río Bravo in the Tamaulipas state on 19 June 2000. I am shocked that security force actions were carried out with the apparent intention of preventing legitimate union activity and that unsubstantial criminal charges were brought against those detained.

I thus call for investigations into the police repression of the strike at Duro Manufacturing and into the ill-treatment of workers by the police.

I call for guaranteeing the safety of all strikers at Duro, ensuring that they do not suffer further police brutality nor arbitrary arrest: Everyone has the right to organize trade unions for the protection of their interests, as stated in articel 123 of the Mexican Constitution and article 23 of the Universal Declaration of Human Rights.

Yours sincerely,