Versklavung in Südostasien


Myanmar: Ethnische Minderheiten leisten Zwangsarbeit für das Militär

Der 42-jährige burmesische Bauer Sai Harn, Angehöriger der ethnischen Minderheit der Shan, floh aus Angst um sein Leben nach Thailand: Im Oktober 1998 hatten ihn Soldaten der Militärregierung Myanmars als Träger von Munition zwangsrekrutiert. Da sie ihm kaum zu essen gaben, wurde er für den Gewaltmarsch zu schwach. Er wurde dafür bestraft: Ein Soldat schlug ihm mehrmals ins Gesicht und dabei auch ins linke Auge. Sai Harn gelang die Flucht - er rollte einen Hügel hinunter und versteckte sich in einem nahegelegenen Wald. Schließlich machte er sich auf dem Weg zu seinem Dorf, war aber zu verängstigt, um medizinische Behandlung in Anspruch zu nehmen. Als Folge der Zwangsrekrutierung erblindete er auf einem Auge.

In Myanmar - wie die Militärregierung das Land "Burma" umgenannt hat - ist Zwangsarbeit an der Tagesordnung. Tausende Menschen, unter ihnen zahlreiche Frauen und Kinder, werden im Auftrag der burmesischen Militärregierung, dem "Staatsrat für Frieden und Entwicklung" (SRFE), gefangengenommen, um unentgeltlich und gegen ihren Willen in sogenannten "Entwicklungsprojekten" wie z.B. im Straßenbau und bei militärischer Infrastruktur ihren "Beitrag zu leisten".

In den burmesischen Bürgerkriegsgebieten geraten häufig Zivilisten zwischen die Fronten. Aus den Dörfern, oft direkt von den Feldern weg, werden die Menschen zwangsrekrutiert und zum Tragen von Munition und Versorgung verpflichtet. In der Nacht werden die Träger oft aneinandergebunden und bewacht. Sie erhalten nur wenig Nahrung, und wenn sie für die schweren Lasten zu schwach werden und nicht mehr mit der Kolonne Schritt halten können, werden sie geschlagen. Entlohnung sehen sie nie.

Zwangsarbeit ist kein neues Phänomen

Zwangsarbeit ist in Myanmar kein neues Phänomen. amnesty international hat die Versklavung seit mehr als einem Jahrzehnt dokumentiert. Doch seitdem in den letzten Jahren die Militärregierung bei leerer Staatskasse immer mehr Infrastrukturprojekte durchführt, nimmt das Ausmaß der Ausbeutung zu. Besonders drastisch ist die Situation in den sieben Minderheits-Regionen rund um die burmesische Zentralebene; zwangsrekrutiert werden vor allem Mitglieder ethnischer Minderheiten - der Shan, der Karen und der Karenni. Das Militär setzt sich im allgemeinen mit dem Oberhaupt des Dorfes in Verbindung, der in einem Rotationssystem die Arbeitskräfte organisiert: Jede Familie muß eine Person bereitstellen. Durch die Zwangsarbeit für das Militär bleibt den Menschen nicht ausreichend Zeit, um für den Lebensunterhalt ihrer Familie zu sorgen. Daher schicken viele Familien ihre Kinder.

Zahlreiche Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter stammen aus den "Umsiedlungslagern". Die Regierung Myanmars hatte Hunderttausende Menschen in den Regionen der Shan, der Karen und der Karenni gezwungen, ihr Land zu verlassen und in stark bewachte Lager in anderen Gebieten des Landes zu ziehen. Die 15-jährige Naw Reh aus der Gruppe der Karenni berichtete, wie sich die Militärs aus dem "Arbeitspool" der Lagerinsassen "bedienen". Sie selbst mußte im Alter von 13 Jahren in das Lager übersiedeln, und sie durfte nicht länger in die Schule gehen, weil sie für das Militär Steine für den Straßenbau schleppen mußte.

Internationaler Druck

amnesty international steht mit ihrer Kritik an Myanmar nicht allein da. Der Internationale Bund der Freien Gewerkschaften (IBFG) reichte eine Klage gegen die Zwangsarbeit ein. Als Folge dessen entschloß sich die Internationale Arbeitsorganisation (IAO) zum seltenen Schritt, eine Untersuchungskommission zur Praxis der Zwangsarbeit in Myanmar einzusetzen. Im August 1998 wurde ein umfangreicher Bericht vorgelegt, der die Regierung Myanmars "eines internationalen Verbrechens, das ist [...] auch ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, für schuldig" befand. Druck von Einzelpersonen und Gewerkschaften ist erforderlich, um die Militärregierung zur Umsetzung der Vorgaben der Internationalen Arbeitsorganisation zu bewegen.

Was können Sie tun?

Schreiben Sie Briefe oder Faxe an den 1. Generalleutnant von Myanmar.

1. Lieutenant General Khin Nyunt, Secretary 1
State Peace and Development Council
c/o Ministry of Defence
Signal Pagoda Road
Yangon
Union of Myanmar

Fax Nr.: +95 1 229 50

Musterbrief

Weitere Informationen und viele weitere Links gibt es bei der amnesty international Burma Group


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