Nicaragua: Neun Frauenrechtsaktivistinnen werden schikaniert

Diese Aktion läuft jedenfalls bis Ende des Jahres 2009.



von links oben nach rechts unten:
Luisa Molina Arguello, Violeta Delgado, Marta María Blandón, Juanita Jiménez, Ana María Pizarro, Lorna Norori, Yamileth Mejía, Maya Sirias, Martha Munguía

Neun Frauenrechtsaktivistinnen wurden angezeigt, weil sie im Jahr 2003 einem vergewaltigten neunjährigen Mädchen zu einem Schwangerschaftsabbruch verhalfen. Der Schwangerschaftsabbruch wurde durch ein ÄrztInnengremium genehmigt und war legal. Drei Jahre später wurden in Nicaragua alle Formen des Schwangerschaftsabbruchs unter Strafe gestellt.

Neun Frauen

Ana María Pizarro, Juanita Jiménez, Lorna Norori, Luisa Molina Arguello, Marta María Blandón, Martha Munguía, Maya Sirias, Violeta Delgado und Yamileth Mejía arbeiten in verschiedenen Frauenrechtsorganisationen zu Fragen der sexuellen Gesundheit, häuslicher Gewalt und zu Rechten von Kindern und Jugendlichen.

Vergewaltigtes Kind

Die neun Frauen unterstützten die damals neunjährige Rosita, die 2003 nach einer Vergewaltigung durch ihren Stiefvater schwanger wurde. Zwei Jahre später, im Alter von 11 Jahren, wurde sie erneut von ihm vergewaltigt und brachte ein Kind zur Welt. Er wurde im November 2007 wegen Vergewaltigung zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt.

Anzeige gegen die Aktivistinnen

Im Oktober 2007 erfolgte eine Anzeige gegen die Frauenrechtsaktivistinnen durch die kirchennahe Organisation ANPDH. Amnesty International glaubt, dass die Anzeige gegen sie allein auf ihre Arbeit für Frauenrechte zurückzuführen ist, insbesondere für das Recht von Frauen auf sichere und effektive Gesundheitsversorgung im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit. Die Organisationen, für die die Frauen arbeiten, haben den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen in jenen Fällen verteidigt, wo die Schwangerschaft aufgrund einer Vergewaltigung eintrat oder wenn die Schwangerschaft das Leben oder die physische oder psychische Gesundheit der Frauen gefährden würde. Obwohl seinerzeit viele ExpertInnen und BeamtInnen mit dem Fall befasst waren, richtet sich die Strafanzeige ausschließlich gegen die neun Frauenrechtlerinnen. Ihnen wird die Verschleierung einer Vergewaltigung und Anstiftung zu einer Straftat vorgeworfen. Außerdem heißt es, durch ihre Ansichten und durch die von ihnen organisierten Demonstrationen zugunsten des Zugangs zu „therapeutischen Abbrüchen“ hätten sich die neun Frauen des Verbrechens der kriminellen Verschwörung und der öffentlichen Verteidigung eines Verbrechens schuldig gemacht.

Totalverbot des Schwangerschaftsabbruchs

Abtreibungen waren in Nicaragua in Fällen von Vergewaltigung oder bei Gefahr für die Gesundheit der Frau seit über 100 Jahren erlaubt (in Nicaragua unter dem Begriff „therapeutische Schwangerschaftsabbrüche“). Der Abbruch im Jahr 2003 war durch ein ÄrztInnengremium autorisiert und legal, wie auch eine Untersuchung des Staatsanwalts im selben Jahr feststellte.

Seit Oktober 2006 sind aber alle Formen des Schwangerschaftsabbruchs in Nicaragua verboten, siehe auch die Information/Aktion auf dieser Website.

Helfen Sie mit.

Im Moment ist unklar, wie mit der Anzeige weiter verfahren wird. Appellieren Sie an Behörden und fordern Sie eine Schließung der Akte.

Bitte um Feed-Back:
Im Rahmen des Briefmarathons 2009 (rund um den 10. Dezember 2009) übt Amnesty International mit einer weltweit konzentrierten Aktion Druck auf die Politik aus, um Änderungen zu bewirken. Die Aktion zu den neun MenschenrechtsverteidigerInnen in Nicaragua ist Teil des Briefmarathons. Bitte geben Sie uns Feed-Back über Ihre Beteiligung an der Aktion (Anzahl der gesendeten Appelle: gewerkschafterInnen@amnesty.at).

Adressen:

Daniel Ortega Saavedra
Presidente de la República de Nicaragua Reparto El Carmen
Costado Oeste del Parque El Carmen
Managua
Nicaragua

Dr. Julio Centeno Gómez
Fiscal General de la República de Nicaragua
Ministerio Público
Km 4, Carretera Masaya
Contiguo al Bancentro
Managua
Nicaragua

Kopie an die nicaraguanische Botschaft in Österreich:

Botschaft der Republik Nicaragua
Frau Isolda Alicia De La Paz
Frixione Miranda de Flores
Gesandte und Geschäftsträgerin
a.i. Ebendorferstraße 10/3/12
1010 Wien

Fax: (+43 / 1) 403 27 52
E-Mail: embanicviena@chello.at

Text:

Dear President / Dear Attorney General

I am concerned that the baseless complaint against Ana María Pizarro, Juanita Jiménez, Lorna Norori, Luisa Molina Arguello, Marta María Blandón, Martha Munguía, Mayra Sirias, Violeta Delgado and Yamileth Mejía appears to remain open. I urge you to either close the complaint or bring charges in accordance with international fair trials standards. In Nicaragua women’s organisations have played an important role in improving access to more effective sexual health care services, raising awareness of sexual health issues and HIV/AIDS, combating domestic violence, working with survivors of sexual abuse and promoting women’s rights.

Yours sincerely,

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