Nigeria: Erdöl, Umweltverschmutzung und Verarmung - ein gefährliches Zusammenspiel im Niger-Delta

AI-Index: AFR 44/017/2009

Gültigkeit: Sie können an dieser Aktion bis 1. Juli 2011 teilnehmen.




Nigeria verfügt im Niger-Delta über die größten Erdölvorkommen Afrikas. Diese werden von internationalen Gesellschaften (Shell, Total, Agip, Chevron, ExxonMobil) unter Beteiligung des Staa­tes sowie der jeweiligen Machthaber seit Jahr­zehnten ausgebeutet. Da Nigerias Budget in hohem Maß vom Erdöl abhängt, erfolgt die Erdöl­förderung ohne Rücksicht auf die lokale Bevöl­kerung und die Umwelt.

Die Industrie wie auch die Behörden ignorieren sämtliche Gesetze und internationale Auflagen („good oil field practice“), wodurch die Lebens­grundlage von über 30 Millionen Menschen zerstört bzw. schwer geschädigt ist. Die Folge sind Armut, Krankheiten, Korruption und Krimi­nalität sowie Konflikte bewaffneter Gruppen mit Sicherheitskräften. Ein Leben in Würde ist im Ni­ger-Delta für die breite Bevölkerung nicht mehr möglich.

Massive Umweltverschmutzung

Die erdölfördernde Industrie ist für schlimme Umweltverschmutzung verantwortlich. Ölseen, Mülllager und brennende Gasflammen stehen im Niger-Delta an der Tagesordnung. Die hunderten Öllecks, die jährlich auftreten, haben fatale Folgen: Inzwischen gelten mehr als 2.000 Orte des Niger-Deltas als kontaminiert. Shell ist mit seiner Tochterfirma Shell Petroleum Development Company (SPDC) der größte Ölförderer auf dem Festland im Niger-Delta. Obwohl Shell und andere Unternehmen in einem sensiblen Ökosystem operieren, haben sie keine ausreichenden Schutzmaßnahmen ergriffen, um die negativen Auswirkungen der Pipelines und der Ölförderung auf die Umwelt wirkungsvoll zu verhindern.

Zerstörung der Lebensgrundlage

Über 60 Prozent der Menschen im Niger-Delta leben von der Landwirtschaft, der Fischerei oder dem Sammeln von Waldprodukten. Eine intakte Umwelt wäre für sie die Voraussetzung für ihre Lebensgrundlage.

Die Ölverschmutzung im Niger-Delta hat die Fischbestände reduziert, da sowohl Fische und Larven als auch Nahrung für die Fische vernichtet wurde.

Landwirtschaftlich genutztes Land wurde schwer beeinträchtigt, was sich auch in der deutlichen gesunkenen Produktivität in der Landwirtschaft widerspiegelte.

Fehlende Information

Die Menschen vor Ort haben das Recht zu erfahren, welche Auswirkungen die Erdölproduktion auf ihr Leben hat. Doch den Gemeinschaften vor Ort werden grundlegende Informationen über die Ölprojekte verwehrt.

Lokale AktivistInnen laufen Gefahr, dass gegen sie mit Gewalt vorgegangen wird. Die Ölfirmen fordern staatliche Sicherheitskräfte an, um auf den Protest der AktivistInnen zu reagieren.

Rechtssystem schützt die Unternehmen

Grundsätzlich bestehen in Nigeria Gesetze und rechtliche Regelungen für die Unternehmen (z.B. zur Umsetzung des internationalen Standards der "Good Oil Field Practice"), doch in der Praxis werden diese nicht durchgesetzt. Obwohl mittlerweile seit Jahrzehnten erdölfördernde Unternehmen für Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind, hat es Nigeria bislang verabsäumt, einen soliden und wirksamen rechtlichen Rahmen für die Erdölindustrie zu schaffen und zu implementieren.

Immer wieder sind Unternehmen abgezogen und haben völlig kontaminiertes Land zurückgelassen.

Hintergrundinformationen

Den ausführlichen Bericht (143 Seiten) "Petroleum, pollution and poverty in the Niger Delta" (in englischer Sprache) finden Sie unter: http://www.amnesty.org/en/library/asset/AFR44/017/2009/en/e2415061-da5c-44f8-a73c-a7a4766ee21d/afr440172009en.pdf

Eine Zusammenfassung (Campaign Digest) davon (ebenfalls englisch) unter: http://www.amnesty.org/en/library/asset/AFR44/018/2009/en/80e50962-1190-4b29-9d17-d8f3e9aacba8/afr440182009eng.pdf

Einen Artikel in deutscher Sprache finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Straßenzeitung UHUDLA.

Veranstaltungstipp

Am 8. April 2010 berichtet der nigerianische Menschenrechtsaktivist Celenstine ApkoBari aus erster Hand im Rahmen einer Veranstaltung in der AK.

Helfen Sie mit.

Fordern Sie eine Beseitigung der Umweltschäden im Niger-Delta und die Aufklärung der BewohnerInnen über die Folgen der Ölförderung.

Appellieren Sie an die nigerianischen Behörden und fordern Sie diese auf, entsprechende Maßnahmen - insbesondere wirksame rechtliche Grundlagen und Schritte - zu treffen, um die Bevölkerung angesichts der massiven Ausbeutung durch die erdölfördernden Firmen zu schützen.

Appellieren Sie an Shell, eines der Unternehmen, das für schlimme Umweltverschmutzung und Zerstörung des Lebensraums verantwortlich ist, seiner Verantwortung nachzukommen.

Adressen - Behörden:

His Excellency AlHaji Umar Yar’Adua
President of the Republic of Nigeria
Office of the President
Aso Rock
Abuju
Federal Capital Terrritory
Nigeria

Minister of Niger Delta Affairs
Obong Ufot Ekaette
Ministry of Niger Delta Affairs
Federal Secretariat
Shehu Shagari Way, Cbd
Abuja
Nigeria

Adresse von Shell:

Mr. Peter Voser
Chief Executive
Royal Dutch Shell
PO Box 162
2501 AN The Hague
The Netherlands

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