Tunesien: Trauer am internationalen Frauentag

Rechtsanwältin Radhia Nasraoui von Polizei brutal zusammengeschlagen

Die tunesischen AnwältInnen haben beschlossen, den diesjährigen 8. März, den internationalen Frauentag, als Trauertag auszurufen. Hintergrund für die Entscheidung war der brutale Angriff auf die Menschenrechtsverteidigerin Radhia Nasraoui am vergangenen Freitag (4.3.2005) sowie die grundsätzlich miserable Situation für Frauen in Tunesien, welche - wie Radhia Nasraoui bemerkte - mit den Männern das gleiche Los teilen, wenn es um staatliche Unterdrückung und Folter geht.

Am Freitag den 4.3.2005 fand in Tunis eine friedliche Demonstration von politischen KritikerInnen und MenschenrechtsaktivistInnen statt. Wie die tunesische Internetzeitung TUNeZINE berichtete, wurde die Kundgebung von Ordnungskräften gewaltsam unterdrückt. Die Polizei griff die DemonstartInnen an. Laut der NGO CNLT (Conseil National pour les Libertés en Tunisie - Präsidentin: Sihem Ben Sedrine) waren 6 Verletzte zu beklagen. In besonderen Maße traf es die tunesische Rechtsanwältin Radhia Nasraoui, die Kopfverletzungen (gebrochene Nase, Bläsuren an den Augen, vorübergehender Verlust der Sehfähigkeit am rechten Auge) davontrug.

In einem Gespräch gegenüber einer Vertreterin von AI-Österreich am 7.3.2005 schilderte Radhia Nasraoui, sie hätte den Eindruck gehabt, dass sich die Ordnungskräfte in besonderem Maße auf sie gestürzt hätten, als wollten sie die Anwältin für ihre unnachgiebigen Positionen und ihre Menschenrechtsaktivitäten bestrafen. Die Rechtsanwältin befindet sich in fachärztlicher Behandlung; laut Auskunft der Mediziner werde sie noch lange an den Verletzungen zu leiden haben.

Wie auch Radhia Nasraoui gegenüber mitgeteilt wurde, ist die AI-Arbeitsgruppe für verfolgte GewerkschafterInnen über den brutalen Angriff auf die friedlichen DemonstrantInnen schockiert und empört; wir sprachen Radhia Nasraoui unsere Solidarität aus.

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Public Statement:
Tunisia: Preparing for the World Summit on Information Society starts with violence and arrests of human rights defenders and peaceful demonstrators