Tunesien: Repressionskampagne gegen AnwältInnen

Radhia Nasraoui: "Wir sind die Zielscheibe"

AI Index: MDE 30/006/2005
Weitere Quellen: Reporter sans frontières,
Fédération internationale des ligues des droits de l'Homme (FIDH),
Personal Communication
17.5.2005


Unterdrückung der Zivilgesellschaft

Im November 2005 wird in Tunis erstmals eine UNO-Konferenz, der Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (SMSI, Sommet mondial sur a société de l'information) stattfinden. Das Treffen von supranationalen Organisationen mit der organisierten Zivilgesellschaft unter der Ägide der UNO soll der Förderung der Menschenrechte auf Meinungsfreiheit (wie Aufbau einer Informationsgesellschaft mit freiem Zugang zu und Recht auf Verbreitung von Information) dienen.

Die von der tunesischen Regierung ausgesprochene Einladung an Israels Premierminister Ariel Sharon zu diesem Gipfel löste Kritik bei den tunesischen MenschenrechtsverteiderInnen aus; eine friedliche Demonstration im März 2005 wurde brutal niedergeprügelt (die Rechtsanwältin Radhia Nasraoui trug ernste Verletzungen davon, siehe das Dokument AI-Index MDE 30/002/2005 bzw. die Aktion auf dieser Website). Der Gastgeber Tunesien, wo grundlegende Menschenrechte bekanntermaßen mit den Füßen getreten werden, bereitet sich auf seine Weise auf den UNO-Gipfel vor. Nach der Knebelung der Medien und der Unterdrückung der politischen Opposition, der NGOs, der Studierenden sind nun die AnwältInnen ins Visier geraten.

Ausschalten unbequemer AnwältInnen

In den vergangenen Wochen spitzte sich die Situation für RechtsanwältInnen in Tunesien kontinuierlich zu:

"Die Staatsmacht strebt eine Eskalation an, und wir [AnwältInnen] sind die Zielscheibe", kommentierte die Menschenrechtsverteidigerin Radhia Nasraoui die Lage.

Helfen Sie mit!

Neben der bedingungslosen und unverzüglichen Freilassung der verurteilten Anwälte fordert Amnesty International ein Ende der polizeilichen Überwachung der MenschenrechtsverteidigerInnen. AI fordert die tunesische Regierung auf, die zahlreichen Einschränkungen der Freiheit auf Meinungsäußerung in allen Medien, unter anderem im Internet, endlich aufzuheben und die unabhängigen Menschenrechtsorganisationen unbehindert arbeiten zu lassen.

Appellieren Sie an die tunesischen Behörden! (Musterbrief in französisch und deutsch)


zurück