Türkei: Exzessive Polizeigewalt gegen Demonstrant_innen

12. Juni 2013



© Amnesty International

Seit dem 29. Mai 2013 wurden in der Türkei über 7.500 Personen verletzt und drei Menschen getötet, nachdem die Polizei mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Protestierende vorgegangen ist. Premier Erdogan kündigte in einer TV-Rede am 11. Juni 2013 an, dass er weitere Proteste nicht mehr dulden würde. Appellieren Sie an die türkischen Behörden, die Gewalt zu stoppen!

Tote und zahlreiche Verletzte

Es ist aus den Medien bekannt: Die Proteste begannen am 27. Mai 2013 im Gezi-Park am Taksim-Platz im Zentrum von Istanbul. Einige hundert Demonstrierende besetzten den Park, um damit gegen die Zerstörung des Geländes durch ein dort geplantes Einkaufszentrum zu protestieren. Am frühen Morgen des 29. Mai begann die Polizei damit, die Protestierenden zu vertreiben, wobei sie mit exzessiver Gewalt und Tränengas vorging. In der Nacht des 30. Mai schlossen sich bis zu 3.000 Menschen den Protesten an. Sie wurden am frühen Morgen von der Polizei aus dem Park vertrieben, die Wasserwerfer und Tränengas einsetzte. Zahlreiche Menschen wurden im Zuge der Polizeieinsätze verletzt.

In der Nacht des 31. Mai 2013 ging die Polizei in Istanbul mit roher Gewalt gegen ein Protestcamp vor, das gegen eine geplante Umgestaltung des Taksin-Platzes errichtet worden war. Als Reaktion auf den unverhältismässigen Polizeieinsatz ist es in der Folge in zahlreichen türkischen Städten zu Demonstrationen gekommen, denen die Polizei wiederum mit grosser Härte begegnet ist.

Tränengas aus nächster Nähe

Nach Kenntnis von Amnesty befinden sich auch heute noch mindestens fünf Personen wegen Kopfverletzungen in kritischem Zustand. Zwei Personen haben offenbar ihr Augenlicht verloren. Die Polizei hat Demonstrierende mit Schlagstöcken brutal zusammengeschlagen, dies auch nach ihrer Verhaftung auf Polizeistationen. Zudem hat sie Tränengaspetarden aus nächster Nähe auf friedlich Demonstrierende abgeschossen, was internationale Standards über angemessene Polizeineinsätze verletzt.

Erste Hilfe im Amnesty-Büro

Vertreter_innen der türkischen Amnesty-Sektion wurden Zeug_innen des brutalen Polizeieinsatzes, und das Istanbuler Amnesty-Büro wurde zum medizinischen Notfallzentrum umfunktioniert. Der Leiter der türkischen Amnesty-Sektion, Murat Cekic, beschrieb die Situation folgendermassen: "In der Nacht (auf Samstag) kamen Dutzende verletzter Demonstrant_innen in unser Büro. Keiner von uns hat geschlafen. Wir haben noch immer Tränengas in unseren Lungen, obwohl wir selbst gar nicht von der Polizei angegriffen wurden. Unser Büro liegt sehr zentral in Istanbul und gilt als ,sicher'. Deshalb arbeiten wir mit der ,Medical Turkish Association' zusammen und dienen als medizinisches Notfallzentrum. Wir haben unsere Flure und Büros leer geräumt, um die Verletzten besser versorgen zu können. Mehr als 20 Ärzt_innen arbeiten unentgeltlich in unseren Räumen. Für die Kinder haben wir einen eigenen Bereich geschaffen. Wir koordinieren von hier aus auch die Zusammenarbeit der Erste-Hilfe-Teams und der Menschenrechtsorgansiationen. Wir brauchen dringend Verbandsmaterial und Medikamente, hören aber, dass jede Menge Freiwillige auf dem Weg hierher sind, um uns zu unterstützen."

Helfen Sie mit.

Amnesty International ruft die türkische Regierung auf, die Gewalt unverzüglich zu beenden, die Vorfälle unabhängig und unparteilich untersuchen zu lassen, und die Untersuchungsergebnisse öffentlich zu machen. Die türkische Regierung muss das Grundrecht auf freie Meinungsäusserung respektieren.

Beteiligen Sie sich an der Online-Aktion unter: www.amnesty.at/aktiv_werden/menschen_in_gefahr/urgent_action/gewaltvolle_repression_der_proteste_stoppen/


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