Tunesien: Freiheit für Hamma Hammami und seine Genossen

UA 028/2002
AI-Index: MDE 30/005/2002
30. Jänner 2002, Update von 4. Februar 2002



Verhaftung mitten im Gerichtssaal

Hamma Hammami, Abdeljabbar Madouri, Samir Taamallah und Ammar Amroussia, Mitglieder der kommunistischen Arbeiterpartei Tunesiens (PCOT) wurden am 2. Februar 2002 im Gericht der ersten Instanz im Justizpalast von Tunis verhaftet. Amnesty international erachtet sie als Gewissensgefangene und fordert ihre unverzügliche und bedingungslose Freilassung. AI fürchtet, dass die Männer in Haft gefoltert werden.

Erstes öffentliches Auftreten nach vier Jahren Hetzjagd

Hamma Hammami

Hamma Hammami, Abdeljabbar Madouri und Samir Taamallah stellten sich am 2. Februar 2002 vor Gericht, nachdem sie vier Jahre im Untergrund gelebt hatten. Wegen Mitgliedschaft in einer nicht-genehmigten Organisation waren sie im Juli 1999 in Abwesenheit zu jeweils neun Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden.

Ammar Amroussia befand sich auf den Zuschauerrängen des Gerichts.

Vor den Augen der internationalen Öffentlichkeit

Hamma Hammami, Abdeljabbar Madouri und Samir Taamallah gaben am Samstag vor Prozessbeginn in der Bibliothek der AnwältInnen im Justizpalast eine Pressekonferenz, an der zahlreiche JournalistInnen und ProzessbeobachterInnen aus dem Ausland teilnahmen.

Gemeinsam mit den VerteidigerInnen und den internationalen BeobachterInnen begaben sich die Angeklagten gegen neun Uhr vormittag in den Gerichtssaal: Da der Richter nicht erschien, konnte die Verhandlung nicht beginnen.

Um etwa dreiviertel zwei Uhr nachmittags stürmten sechs Polizisten in den vollgestopften Gerichtssaal und führten die Anklagten mit Gewalt weg.

Die AnwältInnen, die neben den Angeklagten standen, wurden - so berichtete der AI-Beobachter - brutal zur Seite gedrängt, so dass sie und die Leute um sie herum auf den Boden gestoßen wurden. Hamma Hammamis 13-jährige Tochter Oussaïma, die verzweifelt versuchte, sich an ihren Vater festzuklammern, wurde brutal zu Boden gestoßen. Die Polizei befahl dann, den Saal zu räumen.

Sorge wegen Misshandlung

Hamma Hammamis älteste Tochter Nadia (19 Jahre) berichtete, dass sie ihren Vater und seine Genossen in einem anderen Teil des Gerichtshofes gesehen hätte: Ihre Kleidung war zerrissen, und ihr Vater schrie, dass sie misshandelt wurden und dass man sie foltern würde.

Justizparodie

Als sich das Gericht gegen zirka fünf Uhr nachmittags zur Verhandlung versammelte, wurden nur Hamma Hammami und Samir Taamallah vor den Richter geführt. Es wurde befürchtet, dass Abdeljabbar Madouri misshandelt worden war und dass die Behörden ihn mit den Folterspuren nicht herzeigen wollten.

Innerhalb von wenigen Minuten bestätigte das Gericht die Urteile von jeweils neun Jahren und drei Monaten für Hamma Hammami und Samir Taamallah, die Haftstrafe für Abdeljabbar Madouri wurde auf elf Jahre hinauf gesetzt. Während des gesamten Verfahrens waren die Rechte der Verteidigung völlig missachtet worden: Weder die Angeklagten noch ihre AnwältInnen durften sich an das Gericht wenden.

Die Angeklagten wurden danach sofort in Haft zurück geschickt und dem "Gefängnis des 9. Aprils" in Tunis überstellt.

Weitere Verhaftung

Ammar Amroussia, ein weiteres Mitglied der PCOT, der seit November 1997 im Untergrund lebte und im Gericht anwesend war, wurde vor dem Gerichtshof nach der Nachmittagsverhandlung verhaftet, um eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und vier Monaten abzusitzen. Da sein Urteil bereits in einem Berufungsverfahren im Jahr 1997 bestätigt worden war, wird ihm entsprechend der tunesischen Gesetzgebung das Recht versagt, einen Anwalt zu sehen.

Über seinen Verbleib ist nichts bekannt.

Polizeibrutalität

Szenen von Polizeibrutalität spielten sich den ganzen Tag über im und vor dem Gericht ab. Ein französischer Journalist wurde von der Polizei angegriffen und seine Kamera zerstört. Von jedenfalls zwei Unterstützern von verbotenen politischen Gruppierungen ist bekannt, dass sie sich in Spitalsbehandlung begeben mussten, nachdem sie von der Polizei verprügelt worden waren.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu Hamma Hammami und seinen Genossen:

Helfen Sie mit.

Wenden Sie sich an die tunesischen Behörden und fordern Sie die unverzügliche und bedingungslose Freilassung von Hamma Hammami, Abdeljabbar Madouri, Samir Taamallah und Ammar Amroussia!

M. Abdallah Kallel
Ministère de l'Intérieur
Avenue Habib Bourguiba
1001 Tunis
Tunisie

Fax: + 216 71 340 888

email: mint@ministeres.tn

M. Bechir Takkari
Ministère de la Justice
31 Boulevard Bab Benat
1006 Tunis
Tunisie

Fax: + 216 71 568 106

email: mju@ministeres.tn

Musterbrief

Your Excellency,

I was shocked to learn about the events on 2 February 2002 at the Tunis Palais de Justice.

Considering Hamma Hammami, Abdeljabbar Madouri, Samir Taamallah and Ammar Amroussia as prisoners of conscience, detained solely for their peaceful expression of their political beliefs, I ask for their immediately and unconditional release.

Please guarantee that the men will not be harmed in detention.

Yours sincerely,