Tunesien: Diffamierungskampagne gegen Sihem Bensedrine


Musterbriefe an Präsident, Justizminister und Premierminister zum Runterladen.


Offener Brief der HAMBURGER STIFTUNG für politisch Verfolgte

Diffamierungskampagne gegen die Journalistin und Stipendiatin der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte, Sihem Bensedrine aus Tunesien.

Mit Betroffenheit und Beunruhigung haben wir erfahren, dass in den staatlich gelenkten Printmedien in Tunesien offenbar eine gezielte Diffamierungskampagne gegen unseren Stiftungsgast, die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Frau Sihem Bensedrine (55) gestartet wurde.

In den auflagenstarken tunesischen Tageszeitungen "Achouroug" und "Al-Hadath" wurden am 8. und 11. Mai 2005 nahezu gleichlautende Artikel veröffentlicht, in denen Frau Bensedrine u.a. bezichtigt wird "der Prostitution nachzugehen, sich Ausländern, Zionisten und Freimaurer zu verkaufen", in denen sie als "bösartige Viper" oder als "Kreatur des Teufels" beschimpft wird. Vorwürfe, die hohem Maße ehrverletzend und unwahr sind. Die französische Tageszeitung "Le Monde" berichtete darüber am 27. Mai 2005.

Das unwürdige und niedere Niveau dieser Beschuldigungen könnte dazu verleiten, diesen Vorgang nicht ernst zu nehmen. Wir haben allerdings Anlass zu der Befürchtung, dass diese verbalen Aggres-sionen der Vorbereitung weiterer körperlicher Angriffe auf Frau Bensedrine dienen sollen. Sie ist schon mehrfach in Tunesien von angeblich "Unbekannten" angegriffen und verletzt worden (s.u.).

Wir protestieren deswegen auf das Schärfste gegen diese Diffamierungen und fordern die tunesischen Medien und die zuständigen Behörden auf, für ein umgehendes Ende dieser Kampagne zu sorgen und die unwahren Beschuldigungen öffentlich zurückzunehmen.

Wir fordern die zuständigen tunesischen Behörden in Tunesien auch ausdrücklich auf, die Sicherheit und körperliche Unversehrtheit von Frau Bensedrine zu gewährleisten.

Und wir bitten die deutsche und europäische Öffentlichkeit ebenso wie die deutschen und europäischen Institutionen, und ganz besonders auch Sie, Herr Außenminister Alles in ihrer Macht stehende zu tun, um Frau Bensedrine nicht nur vor derartigen Diffamierungen, sondern insbesondere auch vor drohenden Übergriffen zu schützen.

Kontakt:
Martina Bäurle
Telefon: (040) 42863-5757
Kontakt@Hamburger-Stiftung.de

Die Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte hat Sihem Bensedrine 2002 für ein Jahr nach Hamburg eingeladen, weil sie in Tunesien verfolgt wurde. Sie hatte immer wieder gegen Korruption und Machtmissbrauch in ihrem Land geschrieben und wurde dafür 2001 verhaftet. Ihre zahlreichen Vorträge, Artikel und Bücher zu Tunesien fanden in Deutschland und Europa ein großes öffentliches Interesse und weite Verbreitung. Dies führte dazu, dass sie mehr denn je ins Visier der tunesischen Regierung geriet und auf ihren kurzen Heimatbesuchen in 2004 und 2005 tätlich angegriffen wurde. Aus diesem Grund verlängerte der Vorstand der Hamburger Stiftung ihr Stipendium bis 2006.

Sihem Bensedrine wurde mehrfach für ihre mutige journalistische Arbeit ausgezeichnet, u.a. mit dem "Press Freedom Award" (2004) der Kanadischen Journalistenvereinigung CJFE, dem Johann-Philipp-Palm" für Meinungsfreiheit (2002) oder dem Amnesty International-Preis (2000). Sie ist Herausgeberin der unabhängigen und verbotenen online-Zeitung "Kalimatunisie" (Das Wort Tunesiens) und Sprecherin des "Nationalen Rat für die Freiheiten in Tunesien". In Tunesien steht sie faktisch unter einem Arbeitsverbot.

Weitere Informationen stellen wir auf Anfrage gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Klaus von Dohnanyi
Geschäftsführender Vorstand
Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte


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